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Der Kantakt
Von Giwi Margwelaschwili

800 Seiten
36,00 € (0,00 SFr) 
 
ISBN : 978-39404261-92
Textprobe : Der Kantakt
In "Der Kantakt" wird der große deutsch-georgische Autor Giwi Margwelaschwili selbst zu einer Figur seiner Lese- und Lebenswelten. 1995 ist er Stadtschreiber von Rheinsberg. Folgerichtig liest er dort „Rheinsberg – Ein Bilderbuch für Verliebte“ von Kurt Tucholsky. Und er versucht, mit Tucholskys Liebespaar Wölfchen und Clairchen in Kontakt zu treten, um sie darauf aufmerksam zu machen, dass sie Figuren der Literatur sind und ihre Liebe in dieser Form unvergänglich ist. Dass sie immer, wenn ein Leser das Buch aufschlägt, erneut ihre wunderbare Romanze wie neu erleben werden. Doch die Kontaktaufnahme gestaltet sich schwierig. Zunächst begleitet Margwelaschwili das Paar durch Rheinsberg. Dabei erlebt er einige skurrile Situationen. Er lernt „Hintergrundpersonen“ der Geschichte kennen und philosophiert mit ihnen über ihre Wirklichkeit. Dem verliebten Paar aber kann er sich zunächst nicht nähern...
In diesem zum Teil autobiographischen Roman geht es zugleich um die Auswirkung der Teilung zur Zeit des Kalten Krieges und um Margwelaschwilis persönliche Lebensumstände, etwa um seinen intellektuellen Werdegang während seines Zwangsaufenthaltes in Georgien. So befasst sich dieser mit viel Raffinement ausgeklügelte Essayroman mit den Auswirkungen der Politik auf die Literatur und auf das 20. und das beginnende 21. Jahrhundert.
 
Pressestimmen :
Ein Buch, das sich jeder Einordnung widersetzt. Theoretischer Essay und autobiographische Notiz kreuzen sich fortwährend, werden zum texttheoretischen Exkurs, springen von der politischen Reflexion hinüber ins Reich schmerzlicher Erinnerungen an ein Leben in der Diktatur, ins „Dixie-Deuxiland“ und „Sachsenhäuschen“. Es ist ein furioses komisches Spiel mit Orten und Zeiten, mit Wortschöpfungen im Zeilengrund. Es bildet das geistige Refugium des Dichters, für den es nur ein Motto geben kann: Gelesen werden heißt Leben.
Sven Ahnert / WDR 3

Für ein wissenschaftliches Werk ist es zu fantastisch und irreal, für deren Parodie zu ernsthaft, für einen Roman über weite Strecken zu ereignislos, für eine Autobiografie großteils zu sehr Dichtung. Hat man sich aber - gleichermaßen als Leser des Lesers - über mehr als die Hälfte des Werks durchgearbeitet, erscheint die erdachte Buchwelt mit den hartnäckig verwendeten, vom Autor eigens ersonnenen, umständlichen Fachtermini nicht mehr gar so unlogisch, ihr Regelwerk sogar folgerichtig. Faszinierend ist die Tatsache, den schmalen Band Tucholskys mit seinen 73 Seiten vom ersten bis zum letzten Satz als Grundlage für ein 800 Seiten starkes "Meta-Buch" zu verwenden und dabei eine neue Welt zu schaffen, in die man bald selbst hineinrutscht, ohne diesen Prozess zu bemerken.
Stefan May / Deutschlandradio Kultur

Bücher, die Sie lesen sollten: 800 Seiten lang ist das neue Buch des Deutsch-Georgiers dick und taugt auch als handliche Waffe. Es spielt in Rheinsberg; dort war der Autor Stadtschreiber, dort spielt Tucholskys frühe Erzählung über das Liebespaar Wolfgang und Claire. Der 81-Jährige verbindet sein an Wahnsinn nicht armes Leben mit den Leben des Pärchens und wird so vom einfachen Leser selbst zu einer Buchperson.
Matthias Wulff / Welt am Sonntag

Die Mehrheit der deutschen Leser ahnt nicht, welch hellwacher Weltgeist da seit 1993 wieder in Berlin lebt und von seiner Schreibstube im Wedding aus gegen die marktwirtschaftliche Vorschrift das Jahrhundert mitschreibt. Margwelaschwilis literarisch und philosophisch sprühende Schriften verhalten sich eben "antithematisch" zum herrschenden Text und sind darum kaum veröffentlicht. Seit 2007 ändert sich das, seitdem der Verbrecher Verlag begonnen hat, das Gesamtwerk herauszugeben. Eine verlegerische Heldentat.
Insa Wilke / Zeit online