| Fest steht: Ein Mann kommt in seine Heimatstadt, um das Foto eines anderen Mannes zu finden, der vor 73 Jahren ertrunken ist. Aber: Dort gelingt einem achtjährigen Jungen die längste Alleinfahrt in der Geschichte der Tour de France. Aber: Dort verführt ein 220 Zentimeter großer Kakerlak eine schöne Bäckereifachverkäuferin. Aber: Dort versuchen Söhne Äpfel von Eiben zu pflücken, feiern Großonkel Silvester um 22 Uhr 14, und ein weiteres Foto dreht sich ständig um, obwohl es mit dem Rücken nach oben auf einem Steintisch liegen soll. Fest steht: Das alles passiert. In einer ganz normalen Woche. In Cuxhaven. |
Der 1966 in Cuxhaven geborene Reiseschriftsteller und Drehbuchautor, der heute in Berlin lebt, erzählt von einem sentimentalen Trip eines Mannes in seine Heimatstadt, deren Piefigkeitspotenzial zwischen Klinkerhäuschen und Crobag-Stand, Schleusenpriel und Hafenmauern sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten seiner Abwesenheit nicht nennenswert reduziert hat. Was den Erzähler treibt, ist freilich nicht so sehr notorische Nostalgie, sondern vielmehr die Dynamik des Unheimlichen: Kohrs Alter ego ist zusehends besessen von der Frage, wie es kommen konnte, dass ein Mann vor mehr als sieben Jahrzehnten vor den Wällen seiner Stadt ertrunken ist. Weitere Mysterien gesellen sich im Verlauf der amüsanten Lektüre dazu. Etwa jenes, wie es angehen kann, dass ein überdimensionierter Kakerlak eine Bäckereiverkäuferin zu verführen vermag. Oder das, wie es nur möglich ist, dass ein Verwandter Silvester ausgerechnet um 22.14 Uhr feiern zu müssen glaubt. Knud Kohr schöpft aus derlei lebensweltlichen Steilvorlagen gewitzte, bisweilen abstruse, aber stets höchlichst goutierenswerte Prosa.
Hendrik Werner / Die Welt
Wie das zugleich leicht und locker und nachdrücklich und genau beschrieben und erzählt wird, dabei entschieden lakonisch gehalten und melancholisch geerdet bleibt, das lesend zu erleben ist ein großes, großes Vergnügen.
Frank Keil / Switchboard
Hier kommt einer zurück in die Stadt seiner Kindheit, weil er mit seiner Mutter etwas Dringendes zu klären hat. In Rückblenden erfährt der Leser allerlei Amüsantes.
Maren Reese-Winne / Cuxhavener Nachrichten
Eigentlich passiert nichts Spektakuläres. Aber davon eine ganze Menge: "Aber ich habe mal eine kleine Sauftour gemacht." - "Na und? Macht doch jeder." - "Meine dauerte von 1988 bis 1996. Seitdem bin ich trocken." - Wie der Humor dieses knorrigen Debütromans. Ein norddeutsches Kleinstadtabenteuer für Jevertrinker, soziophobe Westentaschenhelden und verwirrte Eckensteher.
Jan Drees / Einslive
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