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Untrüglicher Ortssinn
Von Elfriede Czurda
204 Seiten

14,00 € (28,00 SFr) 
 
ISBN : 978-3-940426-31-4
Textprobe : Untrüglicher Ortssinn
Elfriede Czurda folgt ihrem Gespür für Orte in diesem Buch, lässt sich, als gezielt Umherstreifende, treiben, begegnet dem Ort der Kindheit ebenso wie dem Berlin, in dem sie lange Jahre Zuflucht vor der »Heimat« nahm. Sie lässt ihre Figuren am Flughafen auf Odysseus warten, in Yokohama und vorm Fernseher, der das Testbild zeigt. Sie nimmt die Spur der Opfer und der Täterinnen und Täter auf, spaziert durch die Literatur, den Literaturbetrieb und durch die Welt dahinter. Die hier zusammengetragenen Arbeiten sind Streifzüge durch kleine, nicht selten abseitige physische und psychische Örtlichkeiten, die in der größeren Prosa Czurdas keinen Platz finden, frühere Auftragstexte und viele neue kleine Prosastücke, die sich dem Umstand allzuvieler Bewegung zwischen Orten (in den Jahren der Übersiedlung von Berlin nach Wien und Japan) verdanken. Wertvolle Nuggets – ob nun als kleine Essays oder als kurze Erzählungen getarnt.
 
Pressestimmen :
Elfriede Czurda hält an einer avancierten, vermeintlich schwierigen Literatur fest, zeigt aber mit jedem ihrer Prosastücke, wie vergnüglich ein Erzählen sein kann, das sich die reflexive Abschweifung genehmigt. Vom Badestrand an der Donau in Wien heisst es einmal, die Leute lägen hier «nicht katholisch nackt», sondern «kapitalistisch nackt» herum, und erhellend räsoniert die Autorin darüber, was den Unterschied ausmacht. Ob sie vom Unort eines japanischen Flughafens, einer familiengeschichtlich bedeutsamen Stadt am Rande der Karpaten oder der ortlosen «Space-Night» des Fernsehens berichtet – Czurda lesen fordert heraus und fördert die geistigen Abwehrkräfte.
Karl-Markus Gauß / NZZ

Max Frisch hat in seinem Roman "Stiller" die berühmten Worte vom Zeitalter der Wiederholung geprägt. Die großen Autoren haben die Welt mit ihren Wortbildern zugeschrieben. Diese Bilder gilt es zu stürmen, um wieder zu den Worten zu gelangen. Czurda löst die verbrauchten Wörter aus dem jeweiligen Kontext und betrachtet sie als Einzelne; auf diese Weise werden sie wieder geheimnisvoll, vieldeutig, fremd: "Stollenland Spindel Ballon Katarakt – je näher man ein Wort anblickt desto ferner schaut es zurück." Doch ist es gerade die Verfremdung, die die poetische von der Alltagssprache unterscheidet. Erst dadurch wird das Wort wieder zur Gefahr für den EINEN, der bisher über die Sprache verfügte, der das Haus der Sprache in Besitz nahm. Die Figur der Dichterin tritt ihm gegenüber als "eine von denen die ihnen Heimat UNHEIMLICH macht."
Martina Wunderer / literaturhaus.at