Verbrecher Verlag

Startseite

Verlagsprogramm
(mit Bestellfunktion)


Belletristik

Sachbuch/Politik

Stadtbücher

Kunst/Comic

Schnäppchen

Vorschau/Vorbestellen

T-Shirts

CD / DVD

Warenkorb

vergriffene Titel

Verbrecherversammlungen

Lesungen

Textarchiv

AutorInnen

Newsletter

Tafelmuzak

Links

Kontakt

Das aktuelle Programm
zum Download



Wie ich Hauptmann von Köpenick wurde
Von Wilhelm Voigt
Ein Lebensbild
128 Seiten , Hardcover
14,99 € (27,00 SFr) 
 
ISBN : 3-935843-66-6
Textprobe : Wie ich Hauptmann von Köpenick wurde
"Ein Gaunerstückchen, äußerst frech und raffiniert ausgesonnen und verwegen in Szene gesetzt, daher erst viel später als ein solches erkannt, brachte gestern die Gemüter der Stadt Cöpenick in Aufregung (...).Wenn man bedenkt, dass es einem geriebenen Hochstapler, der sich in eine Offiziersuniform gesteckt, gelungen ist, zwölf Soldaten auf ihrem Wege von der Wache nach der Kaserne in Berlin anzuhalten und auf seinen bloßen Befehl hin nach Cöpenick zu dirigieren, dort das Rathaus zu besetzen, den Bürgermeister, Oberstadtsekretär und Stadtkassenrendanten festzunehmen und dann mit der 'beschlagnahmten' Kasse unbehelligt zu entkommen, so kann man sich eines Kopfschüttelns nicht erwehren", meldete das Cöpenicker Tageblatt vom 17. Oktober 1906. Tatsächlich hatte Wilhelm Voigt, der 1849 als Sohn eines Schuhmachers in Tilsit geboren wurde, als "Hauptmann von Köpenick"- Geschichte geschrieben. Über die Tat und den Täter wurden unzählige Bücher und Aufsätze verfasst, die Autobiographie Voigts, die 1909, ein Jahr nach seiner Haftentlassung, erschien, hat jedoch bis heute verhältnismäßig wenig Aufsehen erregt, obschon sie direkt oder indirekt in nahezu allen Darstellungen des "Hauptmanns von Köpenick" zitiert wird. Dabei ist dieses Buch selbst noch einmal ein "Gaunerstückchen" für sich, zeigt es doch, dass der "Hauptmann" ein größeres Schlitzohr war, als bislang angenommen wird.
Ludwig Lugmeier, dessen vielbesprochene Autobiographie "Der Mann, der aus dem Fenster sprang" im Jahr 2005 erschien, kommentiert die Aussagen Voigts in seinem Nachwort. Er beschreibt Voigts weiteres Leben in Reichtum und Armut und zeigt, dass es sich bei der Besetzung des Rathauses eigentlich um einen Raubzug der Extraklasse handelte.
 
Pressestimmen :
So unterwürfig wie elegant formuliert das Schlitzohr seinen Dank an Kaiser Wilhelm, als er am 18. 8. 1908 von seiner Begnadigung erfährt: "Allergroßmächtigster! Allerdurchlauchtigster! Allergnädigster Kaiser, König und Herr! Majestät! Eure allergnädigste Majestät Huld und Gnade haben mir in unverhoffter Güte ein Geschenk gemacht, das über Bitten und Verstehen ist. Für mich bedeutet Eure Majestät Gnade nicht bloß die Abkürzung einer zu verbüßenden Strafe, sondern die Erweckung zu neuem Leben." Ein Jahr später erscheint die Biographie des berühmten Mannes, der auf Rummelplätzen seine Autogrammkarten verkauft und durch Amerika, Kanada und England "auf Lesetour" geht. "Wie ich Hauptmann von Köpenick wurde" ist das authentische Zeugnis einer traurigen, gerissenen und von der Zeit zerrissenen Kreatur. Jetzt ist diese selbstbespiegelnde Reportage im Verbrecher Verlag Berlin erschienen, und Ludwig Lugmeier schreibt im Nachwort, das Buch sei "voller Ungenauigkeiten, Verdrehungen und Haarspaltereien, voller Katzbuckeleien, Angebereien und Rührseligkeiten". Dennoch: sehr lesenswert ist es allemal, was der Herr Voigt über sich, seine Familie und sein Leben schreibt, ein Sitten- und Zeitgemälde.
Lothar Heinke / Tagesspiegel

Einen berufeneren Nachwortschreiber als Ludwig Lugmeier hätten Labisch und Sundermeier für diese vergnüglichen Selbstbeweihräucherungen kaum auftreiben können. Der 1949 geborene, gleichfalls legendäre Ganove machte sich mit Überfällen auf Geldtransporte einen Namen. Berühmt wurde er, als er 1976 während seines Prozesses in Frankfurt durch einen Sprung aus dem Fenster des Gerichtssaals entkam.
Lugmeier lobt den Lebensbericht als "einzigen authentischen Bericht über Friedrich Wilhelm Voigt" und betont gleichzeitig, mit welcher politischen Tragweite dieser den erbärmlichen Untertanengeist des preußischen Staates entlarvte: "Außer der Halsbandaffäre hat keine kriminelle Tat je ein politisches System so erschüttert wie der Überfall auf das Rathaus in Köpenick." Als ausgewiesenem Experten wird man ihm bei dieser Bewertung gewiss vertrauen dürfen.
Umso herrlicher kann man sich dann über die dämlichen Beamten ins Fäustchen lachen, die nach Voigts Verhaftung die Uniform als Beweismaterial suchten: "Sie haben hinterher den ganzen Kreuzberg umgegraben, in der Hoffnung, doch meine Kleidung zu finden. Dass mir dies bei allem Unbehagen einen gewissen Genuss gewährte - wer wird es mir verargen?"
Brigitte Preissler / taz

Tatsächlich ging es Voigt nicht um einen Pass, sondern um zwei Millionen Mark, von denen er gehört hatte, dass sie im Köpenicker Rathaus im Panzerschrank lägen. Schon Hans Hyan befand in seinem Vorwort, das Voigt "seine Taten in reinerem Licht" geschildert habe, als es eigentlich erlaubt sei, doch als "kriminelles Dokument" bliebe sein Text trotzdem von "hohem Wert". Leider ohne dieses Vorwort, dafür mit einem Nachwort von Ludwig Lugmeier und ergänzt um eine Chronik, haben Werner Labisch und Jörg Sundermeier Voigts Lebenserinnerung aus Anlass des 100. Jahrestages der Köpenickiade neu herausgegeben. Niemand als Lugmeier ist geeigneter, diesen Fall noch einmal zu kommentierten, schrieb er doch selbst mit spektakulären Raubüberfällen bundesrepublikanische Kriminalgeschichte.
Gunther Nickel / literaturkritik.de