"Die echtesten Bilder waren immer schon die falschen." In dem Künstlerbuch "DOLL" zeigt Tatjana Doll ihre großflächigen Arbeiten mit Objekten, die selbstverständlicher Teil unserer Alltagswelt sind. Das Wissen um den alltäglichen Umgang mit Bildsprache (Piktogramme, Schilder, Symbole) macht sich Doll zunutze. Der Bildzugang scheint einfach und bekannt. Aber in dem Moment, in dem ein gelber Lackfleck ein LKW-Rücklicht wird, wird die selbstverständlichen Wahrnehmung des Betrachters auf seinem Nachhauseweg hintergangen. Der ersten Werkschau folgt nun rigoros und konsequent "DOLL. 2. Auflage" ? Tatjana Doll hat jedes Bild aus "DOLL" mit einem Filzstift abgezeichnet, es entsteht ein Buch der Konturen und Formen, ein Grobraster unserer Alltagswahrnehmungen. Dazu hat sie erneut einen Text verfasst, nach Stichworten geordnet, der in Denkweise und Ästhetik dieser außergewöhnlichen Malerin einführt.
"Wie ein Kryptograph kann sie die Ästhetik der Alltagsobjekte entschlüsseln, vervielfältigen und zweckentfremdet wiedergeben. Wäre Tatjana Doll eine Musikerin, hätte sie sich inzwischen von ihrem Jugendstil, dem Jazz, abgewandt und sich zum elektronischen Einzelkämpfer entwickelt. Wie ein Musterprüfer sammelt und loopt Doll ihre (Werk-)Proben, entwirft eigene Realitätsfenster. Die Sammlung ihrer Arbeiten im Buch indes wird zur Kollektion, zum Patchwork aus gesellschaftlichen Regeln. Umleitungsschilder formatieren den Blick des Betrachters und geben so den kollektiven Weg zur Neuinterpretation frei." Goon Magazine
Erscheint: Mai 2010 |