Verwundert-heitere Überlegungen zur Alltagskunst der Graffiti.
Arno Widmann / Frankfurter Rundschau
Für alle, denen Giwi Margwelaschwilis 2009 erschienener, 800-Seiten-Weltroman "Der Kantakt" zu umfangreich gewesen ist - dieser Essay ist perfekt als Einstieg ins Werk des georgischstämmigen Schriftstellers. Giwi Margwelaschwili schreibt über Graffities, die andere Graffities überdecken oder ihnen einen neuen Sinn geben - wie das "nicht", das zwischen den beiden ursprünglichen Wörtern "Nazis" und "raus" eingefügt wurde. Woher kommt das Gefühl, die Mauer selbst könne sprechen? Wieso sind "Tags" mehr als Unterschriften, sondern gerade wegen ihres ornamentalen Charakters bemerkenswert? Warum gab es in der Sowjetunion keine Graffities und was fangen wir an mit diesem Spruch: "The best system is a soundsystem"? Ganz davon abgesehen, dass dieser kluge, kryptische Essay inspiriert - das eigentliche Ereignis ist das Alter dieses "Mauerzeitungslesers". Giwi Margwelaschwili ist stolze 82 Jahre alt.
Jan Drees / 1Live
In "Der verwunderte Mauerzeitungsleser" erspürt Giwi Margwelaschwili auf seinen Fußwegen durch das heutige Berlin Mauerinschriften, gesprühte oder aufgemalte, und untersucht sie auf ihre Welt- und Geisthaltigkeit, und so begründet er ganz nebenebei hier eine besondere Form der räumlichen Poetik des Entdeckens einer Stadt.
Uli Rothfuss / Matrix - Zeitschrift für Literatur und Kunst
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