"Jim Avignon is the Andy Warhol of contemporary Berlin."
Dazed & Confused
"Als Avignon in den späten Achtzigern zu malen begann, arbeiteten grosse Teile der Kunstwelt selbstreflexiv. Ihm, so Avignon, sei damit die ganze übrige Welt als Thema zur Verfügung gestanden. Er selbst spricht von seinen Werken als U-Kunst, die man ohne weiteres auch bei der Verrichtung von Hausarbeit betrachten könne. Nicht nur damit verbaute er sich bis jetzt die Chance, vom Kunstbetrieb ernst genommen zu werden, sondern auch mit seiner konsequenten Missachtung von dessen Regeln. Für die Galerie Schirn in Frankfurt malte er achthundert Bilder, welche die Leute für fünfzehn Mark mit nach Hause nehmen konnten. An der documenta tauchte er uneingeladen mit Freunden auf, malte unter dem Titel "Destroy Art Galleries" jeden Tag ein grossformatiges Bild und zerstörte es abends gleich wieder. Und dann eröffnete er in Berlin einen Klub mit dem viel sagenden Namen "Kuratorkiller". Das vierköpfige Tier steht vor drei Hundenäpfen. Oder sind es Aschenbecher? Jedenfalls liegt in jedem eine Pille. Darunter steht: "Input, Output, Putput". Mit seinem neuen, quadratischen Buch "TV Made Me Do It" erweitert Avignon seine Ausstellungsfläche jetzt um Nacht-, Nieren- und Fernsehtische. Und vom TV hat er natürlich etwas zu erzählen, der Mann, der schon in seiner Ausstellung "Beauty of Truth" zweihundert Monitore mit nachgebauten Fernsehbildern aufstellte. Alles zwischen Banalität und Brutalität setzt Avignon in klare, dicke Linien um, grosse Farbflächen, Textfetzen und ausdrucksvolle Gesichter. Dazu malt er die Schalter und Kurzbefehle der medialen Welt: Cancel, Play, Fast Forward, On/Off. Ähnlich wie der Zürcher MS Bastian sampelt Avignon Ikonen und Icons der Popkultur, etwa die schon fast nostalgisch anmutende Videospiel-Figur "Pack Man". Und tatsächlich sehnt man sich angesichts von Avignons Ein-Bild-Geschichten manchmal nach der heilen alten Popwelt zurück."
Thomas Meister / Tagesanzeiger
"Das Fernsehen hat ihn also dazu gebracht. Jim Avignon, selbst ernannter schnellster Maler der Welt, hat in der Ausstellung zum neuen Buch TV-Themen aufgegriffen und im notorisch-hektisch-bunten Avignon-Stil umgesetzt: Ein an eine Art Marterpfahl gefesseltes Männchen wird von einem anderen gefilmt. Auf einem der anderen großformatigen Papierbilder dreht eine Kamera einen quietschbunten, blutrüstigen Mord. Talkshows, "Big Brother", die "New Economy", bestehend aus glatten Internet-Multimedia-Existenzgründer-Yuppies mit Fratzengesichtern: alles Bilder, zwischen denen man hin- und herschalten kann und hinter denen man TV-Sounds zu hören scheint. Garantiert unterhaltsamer, als zu Hause herumzuzappen. Aber das mit dem schnellsten Maler der Welt müsste man noch mal nachprüfen: Kennt einer noch den schnellen Karikaturisten Emil, aus dem Fernsehen?"
Jenny Zylka / TAZ
"Die Bilder des Berliner Szene-Künstlers dokumentieren, ein paar karikieren unsere Medien- und Spaßgesellschaft. Und weil er Kunst für ein Grundrecht hält, das sich jeder leisten können soll, kosten die Werke des Schnell-Malers, Teilzeitmusikers und Videokünstlers wenig. Ein Buch ist zwar nicht ganz so spannend wie eine Party, auf der man die Jim-Avignon-Deko zu Dumpingpreisen ersteigern kann. Aber auch nicht so vergänglich."
Petra |