Wer diese Videos auf Papier angeschaut hat, wünscht sich, dass die Künstlerin bald einen echten Clip bebildert.
Elle
Dass man beim Musikhören auch etwas sieht, ist nichts Neues. Schon lange vor dem ersten Videoclip sahen Menschen Bilder zu Musik. Sie schlossen einfach die Augen. Katrin Funcke hat diese Bilder aufgemalt. Die Zeichnungen in "ella nina john" sind Visualisierungen der Musik von Ella Fitzgerald, Nina Hagen und John Lurie. Es scheinen kleine Bildergeschichten zu sein, doch die Handlung zieht sich immer wieder ins Unklare, Verschwommene zurück und widersetzt sich einer klaren Interpretation. Die fragmentierten Bilder, die beim Musikhören im Kopf entstehen, gleiten als Assoziationskette durch Katrin Funckes Buch. ... Katrin Funckes Bilder sind Musik, sie haben Rhythmus und Melodie. Es bleibt die Frage, was besser ist: Erst die Bilder zu sehen und eine eigene Musik im Kopf dazu zu finden, oder die Musik aufzulegen und dann die eigenen Bilder mit denen Katrin Funckes zu vergleichen.
Jana Scheerer / aviva-berlin.de
ella nina john sind Ella Fitzgerald, Nina Hagen und John Lurie. ella nina john beschäftigt sich mit vier Liedern: "Watch what happens" von Ella Fitzgerald, "Naturträne" und "Punk" von Nina Hagen und "Ballad" von John Lurie und den Lounge Lizards. Katrin Funcke übersetzt Musik in Bilder und das natürlich nicht etwa eins zu eins. Wie eine ein Lied im Kopfhörer hört und es sie allmählich komplett weghaut, wie sie mit um den Schädel kreisenden Sternchen und allem, was zum Hin- und Wegsein dazugehört gleichsam aus dem Kopfhörer fällt, wie das dann der besten Freundin erzählt wird und sich das Lied als Akt des Erzählens dargestellt in Schmetterlinge verwandelt, die die Erzählerin und bald das ganze Bild bedecken und dies nichts weniger als die Begeisterung illustriert, die wahrhaft wunderbare Musik auslösen kann, ist einfach hinreißend schön anzusehen. Alsbald aber bauen sich um die Schmetterlinge Industriekräne und Eisenträger auf und wir sind in einer anderen Landschaft und in einem anderen Lied. Bei Katrin Funcke wird ausgeblendet und übergeblendet, existieren Kontraste und Übergänge - oder besser Metamorphosen. Überhaupt vermittelt Katrin Funckes Zeichenstil Bewegung und Rhythmus. Der Schwung und Fluss der Linien zählt, die Perspektive muss da nicht immer korrekt sein und Hände dürfen sich auch mal groß und grob in den Vordergrund spielen. Keineswegs erscheinen die Zeichnungen ausgefeilt, wirken eher wie schnell hingeworfen und mit Temperament und Intensität bearbeitet. Emotionen stellt Funcke manchmal fast wie im Comic dar - Kritzel, Krakel und fett Durchgestrichenes quer durchs Bild und wir wissen, was los ist. Individuell ist das, charakterstark und, um mal das Verlagsinfo zu zitieren: eigensinnig.
Tine Plesch / Raumzeit
|