| Der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Kuczynski legte 1999 ein Gutachten vor, in welchem er errechnet hatte, dass Deutschland den NS-Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern 180 Milliarden DM schulden, das wäre der ihnen vorenthaltene Lohn. Die Studie wurde stark diskutiert, sogar im Bundestag, doch es änderte nichts daran, dass man den Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern lediglich 10 Milliarden zugestehen wollte. Kuczynski beschreibt, warum es mehr "Entschädigung" nicht hätte sein können, und welche politischen Prozesse hinter der so genannten "Entschädigungsdebatte" stehen. |
Kuczynski rechnet vor, dass der Betrag, der durch Lohnraub gewonnen wurde, ungefähr 40 Prozent der während des Krieges im gesamten Deutschen Reich getätigten Bruttoinvestitionen entsprach. Das bedeute, dass "mithin die ehemaligen Zwangsarbeitskräfte einen ganz wesentlichen Teil der materiellen Basis dessen schufen, was später als "Wirtschaftswunder" in die Geschichte einging. Der Lohnraub fiel nicht der Währungsreform zum Opfer, denn er war zuvor hoch profitabel angelegt worden", so Kuczynski. Aus diesem Grund stellt der Umgang mit der Frage der Entschädigung der Zwangsarbeiter ein Problem dar, das weit über die "engen Verflechtungen zwischen Nazi-Regime und Wirtschaft" hinausgeht, die Gerhard Schröder gerne diskutiert wüsste. Denn Kuczynskis lesenswertes Buch zeigt im Detail noch einmal auf, wie Hitlers Rechnung auch mit Hilfe deutscher Gerichte erst nach dem Krieg so recht aufging.
Ulrich Gutmair / netzeitung.de
In seiner Untersuchung über die Entschädigung für Zwangsarbeiter hat sich Thomas Kuczynski gar nicht erst bei der Stiftungstheorie aufgehalten, sondern lieber gleich zu Taschenrechner und spitzen Bleistift gegriffen. Im Auftrag der Stiftung für Sozialgeschichte Bremen, die eine Gruppe von Opferanwälten beriet, erstellte er ein Gutachten. (...) Nachdem seine Zahlen als zu hoch angezweifelt worden waren, hat Thomas Kuczynski sie noch einmal überprüft. Tatsächlich mußte er sie korrigieren, nämlich nach oben: Nicht 180,5 Milliarden D-Mark wären zu zahlen gewesen, sondern eben 228 Milliarden. Auch das half den inzwischen toten und den überlebenden, aber leer ausgehenden oder sehr billig abgespeisten ehemaligen Zwangsarbeitskräften nichts mehr. Der Autor, nicht nur ein vorzüglicher Historiker, sondern ein ebenso guter Prognostiker und Kenner der Machtverhältnisse, hatte es schon 1999 kommen sehen, als er sein Gutachten abgab: Zwar habe er nicht umsonst gearbeitet aber vergebens.
Georg Fülberth / konkret
Kuczynskis Analyse ist schon deswegen bitter notwendig, weil sich die deutsche Wirtschaft nicht geniert hat, den Verhandlungsprozeß durch eine von ihr angestellte und bezahlte junge Historikerin im Stile der Hofberichterstattung darstellen zu lassen. Auch die durchaus lesenswerten Erinnerungen des amerikanischen Chef-Unterhändlers Stuart Eizenstat sind logischerweise von dem Bestreben geprägt, die eigene Rolle möglichst rosig erscheinen zu lassen. Um so dringender erforderlich ist eine kritische Analyse, wie Kuczynski sie vorgelegt hat.
Ulla Jelpke / Ossietzky
Das Bändchen gehört in die Hand jedes deutschen Antifaschisten.
Werner Röhr / Bulletin für Faschismus- und Weltkriegsforschung
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