"Installation Sieg" war ein Offenbarungseid der gleichgeschalteten Presse: Obwohl die Fundstücke aus den verschiedensten Redaktionsstuben stammten, ergab sich doch ein gemeinsamer Sound, der euphorische, rasselnde Klang von Kriegstreibern.
Martin Büsser / junge Welt
Die Idee war so einfach wie genial, und Wirner zog seine Praktik der "Entwendung" bis ins Detail durch. Er schrieb der Chronik des Kosovokrieges durch raffinierte Montage der mitunter haarsträubenden Kriegsberichterstattungen und -kommentaren eine neue Dramaturgie. Was Wirner aber ironisch eine "Kalligrafie des Krieges" nennt - "Installation Sieg" besteht letztlich aus einer Aneinanderreihungen von Deutschland-Lobliedern und Kriegseuphorismen - ist in Wahrheit ein entlarvendes Machwerk. Durch die Verdichtung des gesammelten Materials kristallisierte sich der nationalistische, rassistische und mitunter auch faschistische Subtext der Autoren heraus. Wirner ließ die Texte für sich sprechen, und was er dabei an ideologischen Unterströmungen zu Tage förderte, war so unglaublich, dass man es heute - gerade nach den Enthüllungen um Racak und Uranmunition - schon fast für Satire halten könnte.
Andreas Busche / Taz
Stefan Wirner hat also keineswegs eine "Kalligraphie", also eine Schönschrift des Bombenkrieges der Nato gegen Slobodan Milosevics Jugoslawien verfasst, wie er im Untertitel seines Büchleins meint. Vielmehr spiegelt "Installation Sieg" gekonnt die Sicht der bundesdeutschen Presse auf den jüngsten Krieg auf dem Balkan in all ihrer Ahnungslosigkeit ob der balkanischen Wirklichkeit.
Rüdiger Rossig / TAZ
Wie gleichgeschaltet klingen diese Berichte und Kommentare zwischen Kriegstreiberei und Propaganda. [...] Der gebürtige Oberpfälzer hat mit seinem 120 Seiten starken Buch [...] eindrucksvoll bewiesen, wie wenig sich der größte Teil der deutschen Presse dazu eignet, Regierungsentscheidungen kritisch zu hinterfragen.
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