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Pole und das Buffet von Mövenpick.
TafelMuzak Nº 001 von Leonhard Lorek
 
Spätsommerparty. Die Nordischen Botschaften. Innenhof. Eröffnung der „Woche des finnischen Buches“, oder so. Die Einladungen hat Götz besorgt. Im Innenhof keine Mücken. Prima klare Architektur. Keine Pflanzen. Der Botschafter hat gesprochen. Die Verleger haben Schildchen am Revers. Nur einer raucht Cohiba. Die anderen Gäste sind ebenfalls schlecht angezogen. Das Mengenverhältnis der geladenen Frauen und Männer ist 50 : 50. Wirklich lebendig sieht immerhin das Personal aus. Das Buffet sponsert Mövenpick, steht in der Einladung. Die Musik Pole. Alles Fiktion. Aber die Musik harmoniert mit der Architektur und bringt darüber hinaus die Gäste dazu, sich auf dem Weg zum Buffet etwas geschmeidiger zu bewegen, als sonst bei solchen Anlässen üblich. Und das will schon was heißen. Blaubeerkuchen. Den sollte man nicht kauen, sondern lutschen. Wer dennoch kaut, kriegt blaue Zähne. Auf Miniaturkaroffelpuffern ist kaputtgemachter Fisch angerichtet. Der Fisch ist okay, die Puffer etwas labberig. Und nirgendwo Absolut-Vodka. Aber mit Pole macht‘s Spaß; jedenfalls mehr als ohne. Mit dem Buffet harmoniert die Musik insofern, als dass sie genauso übersichtlich ist arrangiert ist. Aber: Sie ist frischer als das Buffet. „Wenn man Fisch frisch anrichtet, sieht der nach zwei Stunden völlig fertig aus“, sagt Götz. Im Lachs sind Gräten drin. Soweit ich mich erinnern kann, rangiert Mövenpick im Ranking der Berliner Catering-Firmen nicht sonderlich weit oben. Nun ja.

Das Personal reicht Suppen in kleinen Schalen, aber keinen Absolut-Vodka. Zwischen den Häppchen und den Tellerchen: Der hohe Ton der gepflegten Konversation: „Bemerkenswert, dass Pole für „R“ erstmals mit einem anderen Musiker zusammenarbeitet.“ „Ja, die Variationen zu „Raum 1“ und „Raum 2“ sowie „Raum 3“ und „Raum 4“ hat er mit D. Meteo von Submission aufgenommen. Er erweitert hier seine Art des Produzierens um das Wechselspiel mit einem Mitmusiker.“ Götz rollt mit den Pupillen. Ich baue mich neben ihm auf und sage: „Poles Musik harmoniert gut mit den Alvar-Aalto-Möbeln in der Lobby.“ Götz nickt, öffnet aber nicht den Mund. Er hat Blaubeerkuchen gegessen. Komisch: Wir beide sind die einzigen Männer, die hier gut angezogen sind. Mal abgesehen vom Personal. Und Pole.

Im übrigen: Abgenagte Buletten-Spieße am Rand eines Buffets im Innenhof der Nordischen Botschaften abzulegen, ist mehr als daneben; selbst wenn‘s das Buffet für umsonst gibt.

Es bleibt dabei: Nirgendwo Absolut-Vodka. Dafür funktioniert die Musik von Pole immer besser.
 
Künstler: Pole
 
Album: R
 
Label: ~scape
 
Vertrieb: EFA