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Thunfischskelette am Ende der Nahrungskette im Institut Fuer Feinmotorik.
TafelMuzak Nº 007 von Leonhard Lorek
 
24stes Jahrhundert. Vollbeschäftigung. Institut Fuer Feinmotorik. Arbeitsbesuch der Königin. Mittagspause. Das Festbankett gestalten die Austauschschüler, in der Kantine, als Arbeitsessen, als 8teiliges, stumpf swingendes Gebet vom Menü. Alles ist Protokoll. Alles ist Programm. Zu Beginn herrscht Stille.

Auf der einen Seite der Tafel sind geräuschlos die Gastgeber aufgezogen: 6.102.700.000 Naniten, bestens organisiert. Auf der anderen Seite reihen sich schweigend die Gäste. Königen samt Hofstaat. Eine ansehnliche Delegation in disziplinierter Front. 40.408 Ameisen in Schwarz. Dazwischen: Die Tafel. Darauf: Exakt 21 Meter Nahrungskette; Replikat, feinste Qualität im Block, präzise geschichtet. Es gibt keine Ansprachen. Keine Worte. Keine Missverständnisse. Die Naniten verneigen sich sanft. Die Königin nickt kurz. Die Kapelle setzt ein. Tafelmusik vom „Institut Fuer Feinmotorik“. Ein Festakt der Vollbeschäftigung nimmt seinen Lauf.

Zum Auftakt: Trennkost. Grönlandeis enteisent. Bewegung ist Wettbewerb. Die Fronten rücken vor. Während die Ameisen das Eis spalten, Block für Block, schaben die Naniten das Eis herunter, Schicht um Schicht. Nach 5 Minuten und 27 Sekunden: Gleichstand. Alles unter Kontrolle. Und: 4 Sekunden Pause. Protokollarisch festgelegt, zwischen jedem Gang.

Mit dem 2ten kommen die gesinterten Mineralien, farblich separiert. Während die Ameisen die Kristalle knacken lassen, hobeln die Naniten. 3:51.

Im dritten Gang: 4:01 Minuten Plankton, treibgasaufgeschäumt. Die Ameisen saugen sich fest. Die Naniten rütteln und gurgeln. Vehemenz liegt in der Luft; die Kontrolle droht zu kollabieren.

Während der darauffolgenden Pause sind mehrere Ameisen außer Atem. 4ter Gang: Venusmuscheln in geschlossenen Schalen. Als erste dringen die Naniten durch die Kalkgehäuse und lassen‘s dahinter wabern, während die Ameisen auf der anderen Seite immer noch draufdreschen. Aber dann: Die Zitrone, instant. Die Kapelle zieht im Tempo an. Die Ameisen holen auf.

Gott hat seine Freude bei 5:50 und an dem 5ten Gebet: Krebsfleischsalat. Es gibt was zu analysieren. Natriumbenzoat und Kaliumsorbat. Die Naniten und die Ameisen gehen völlig verschieden vor. 25% Krebsfleisch, Zucker, modifizierte Stärke usw. Die Kapelle hält alles zusammen. Die Königin schenkt der Vollbeschäftigung bei 5:07 einen wohlwollenden Blick.

Im 6ten Gang gibt‘s Wodka, pur. Da kommt Verwirrung auf, da wird Disziplin klinisch. Beide Fronten nehmen sich die Zeit, einander in die Augen zu sehen und durchzuatmen. Und auszuatmen. Und dann schlucken sie elastisch. 4:08.

Den darauffolgenden 7ten Gang haben die Austauschschüler besonders raffiniert angelegt: Dorschleber in Öl in Büchsen. Scheren lösen das Metall. Öl flutscht und fließt und tropft. Die Leber wabert. 6:20. Partizipation ist allergeilste Arbeit. Pause.

Und dann der 8te, der letzte Gang: Das Ende der Nahrungskette. Am Ende der Nahrungskette: Thunfischskelette. Weiß und blank. Gut für die Panzerung. Der übliche Gleichstand nach 4:44.

Auf den Takt genau tritt die Kapelle ab. Es gibt keine Fronten mehr. Alles ist vorbei. Niemand verneigt sich. Außer Gott, der immer noch swingt, weil es ihm wohl gefallen hat und zur Ehre gereichte.

Es gibt nichts mehr wegzuräumen in der Kantine im Institut Fuer Feinmotorik, außer der Stille, im 24sten Jahrhundert.
 
Künstler: Institut Fuer Feinmotorik
 
Album: Penetrans
 
Label: Staubgold
 
Vertrieb: Grooveattack/Kompakt