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| In Streifen die Kartoffeln mit der Lone Lady |
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| TafelMuzak Nº 097 von Philipp Steglich | ||
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Wehmut :: ein schönes Thema. Melancholie auch. Oder sind das jetzt so Synonyme, neuerdings. Wann hat man denn Zeit darüber nachzudenken? Wann, frage ich? Und entschlossene Antwort: doch nur bei körperlicher Arbeit. Nur da hat man mal den Kopf frei. Luxusbedürfnis und -gefühl, zugleich. Ihr seht schon, ich wische und putze. Also vor allem den Küchenfußboden. Ich weiß nicht warum, aber meine Mutter hat mich auch nicht davor gewarnt, ein schwarz-weiß gekacheltes PVC gerade dort zu verlegen. Sollte ich damit nun endlich gutbürgerlich werden, nur weil man den Dreck jetzt sieht??? Weil ich jetzt die Feudel öfter schwingen lassen muss? War es das wert? Und außerdem ist es ja voll Achtziger. Ich trage ja auch keine Krawatten, auf denen die Klaviatur eines Pianos abgebildet ist. So dieses Ska-Dings. Heaven in Hell. Oder Hell in Heaven? Also erstmal Wasser heiß machen und nass: Alles. Früher habe ich ja immer mit Alizée geputzt, dieser korsischen Techno-Lolita. „Live in Concert“ – und alle jubeln mit. Aber das ist schon lang her. Geht vielleicht auch nur im Frühling, wenn auch noch ein paar Fenster drankommen sollen. Oder verstaubte Leitungen, die schon längst einmal... Doch heute, da ich mich um mein Schachbrettmuster kümmere, soll die Lone Lady singen. Denn sie singt von Stagnation. Die Tasten ihres Synthesizers nutzt sie nicht für Melodien, sie drückt die jeweilige einfach mehrfach. Und dann wieder die andere Taste. Dazu als Auftakt der Imperativ „Critisize, critisize!“ Natürlich eine schöne Verlorenheit und ein Erstmaldagegensein. Die Kunst liegt in der Ruhe – nicht zu viel. Reduktion. Wie wenn ich meine Küche wische. Ist alles klitschenass, kann ich sie stundenlang nicht betreten. Und hungere und durste. Aber ja!, das sind meine Gedanken. Nicht zu viel und nicht zu fett. Sozusagen eine anlasskonforme Sensibilität. Also eine Platitüde, aber bitte. Leben wir nicht in Zeiten, da man das ehedem Selbstverständliche nicht oft genug wiederholen und in die Köpfe klopfen muss? (Gern geschehen.) Lone Lady ist sowas wie eine Schallplattenalleinunterhalterin des Kalten Krieges, eine Diva der Verzweiflung. Wie war das in den Achtzigern? Da gab es die schöne Angst vor dem Atomkrieg und auch vor le Waldsterben. Und was jetzt? Kinder genießt den Krieg, der Frieden wird schrecklich. Das schöne am Schmerz ist ja, dass man weiß, dass man noch lebt. An der Verlustangst – dass es noch was zu verlieren gibt. Aber jetzt gibt es nur noch den Schmerz über den Verlust der Verlustangst. Und der ist natürlich groß. (Und wir sind wieder gerettet.) // Aber das heikelste ist immer der Bereich unterm Herd. Fettecke. Was sich da alles verfängt. Mit dem Wischer hole ich es heraus und staune. (Immer noch keine Käfer, puuh!) Einzelnes Kartoffelstroh hat sich verfangen, Streichhölzchen gleich. Wenige Wollmäuse, ein paar Chilischotenstückchen schwimmen nun oben im schwarzen Eimer. Und dann seh ich sie – nicht die Brandflecken – sondern die Dellen und mark-, nein eurogroßen Löcher, die mir die Liebste in den PVC mit ihren Stilettos aus den Weddinger Straßengrabbeltischen einst gestoßen hat. Zeige Deine Wunde. |
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| Künstler: Lone Lady http://lonelady.co.uk/ |
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| Album: Nerve Up | ||
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| Label: Warp http://warp.net/ |
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| Vertrieb: Rough Trade | ||
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| Rezept | ||
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| Zutaten | ||
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| 1 kg Kartoffen (festkochend) 2 handvoll getrocknete chinesische Chilischoten, entkernt und in wenige Stücke geteilt 2 Frühlingszwiebeln, gehackt 2 Knoblauchzehen in Schale, angedrückt. 3 EL Tafelöl 1 EL Sesamöl 1 EL Sichaunpfeffer Salz |
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| Zubereitung | ||
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| Weil wir schon etwas weiter sind, als vor 20 oder 30 Jahren und die braune Spezialsauce im Chinarestaurant auch nicht mehr mögen, dies: Die Kartoffen schälen und julienne – also etwas dicker als Streichhölzchen – schneiden. Wässern, die Stärke auswaschen und gut abtropfen lassen. Den Backofen auf ca. 200°C stellen. Ein oder zwei Blechen mit Tafelöl bestreichen und die Kartoffelstreifchen zusammen mit den Knoblauchzehen darauf verteilen. Nach ca. 40 min sollten sie kross sein. Zwischendurch mehrfach wenden. Ca. 15 min vor Ende der Garzeit Chilischoten, Sichuanpfeffer und Sesamöl unterheben. Vor dem servieren salzen und mit den gehackten Frühlingszwiebeln garnieren. Macht süchtig. |
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