![]() Verbrecher Verlag |
|
| Startseite |
|
| Verlagsprogramm (mit Bestellfunktion) Belletristik Sachbuch/Politik Stadtbücher Kunst/Comic Schnäppchen Vorschau/Vorbestellen T-Shirts CD / DVD Warenkorb |
|
| vergriffene Titel |
|
| Verbrecherversammlungen |
|
| Lesungen |
|
| Textarchiv |
|
| AutorInnen |
|
| Newsletter |
|
| Tafelmuzak |
|
| Links |
|
| Kontakt |
|
| Das aktuelle Programm zum Download |
|
| Marina And The Diamonds und das uigurische Lamm |
||
| TafelMuzak Nº 100 von Philipp Steglich | ||
| |
||
„Guess what? I'm not a robot, a robot.“ Hören und automatisch memorieren. Ist's ein neuer Code, der da in mein Unbewusstsein eingeschleust werden soll. Dabei bin ich doch einer dieser neuen Dienstleistungsautomaten, first come, first serve, und ich bin das hinter der Bar, ders ausführt. Kundenwünsche, Kundenwinke. Hände hoch, stellt euch an die Bar und – ich zapfe euch das frische Rothaus. Oder das Löwenbräu, was immer ihr verlangt und uns der Pachtvertrag diktiert. Auf das schale Bier noch ne Blume drauf, hier – büddeschön.Warentausch kann so schön sein. Andererseits. Also Gläser polieren. Das Linnen außen und innen rum wickeln. Bon. Und die zarten Weingläser nicht mit einem starken Daumen brechen, doch der fremde Lippenstift muss ab. Zuhause macht das ja keine Sau, aber hier fordern, ja erwarten wirs. Irgendwie. Eines von den ungeschriebenen Gesetzen – und derer sind viele. Es ist nicht die Küche, es ist nicht dein Wohnzimmer, und das Klo solltestu auch abschließen. Offener Raum? Aber es ist natürlich ein Käfig aus Eichenplanken. Durchaus schmuck und ein Radius wie im Kinderzimmer, seinerzeit. Und ich weiß nicht, ob mich das Geviert drinnen oder sie alle draußen hält. Um die Hüften den schwarzen Lendenschurz, fuffzich Prozent Polyamid, der nach dem Waschen immer in der Sonne meines Fensters trocknet. Und ob der Plaste&Elaste des Baumwollgemischs muss ich noch nicht mal mit heißen Topfböden bügeln. Bei Kunstfaser auch ein allzu irrsinniger Gedanke. „Büdde ja, na klar, einen Doppelten mit Leitungswasser dazu, sofort.“ Und Marina brüllt durch den Laden „I'm vulnerable, I'm vulnerable. I am not a robot“ und die Meute tanzt dazu. Hatte Siggi nicht mal gesagt, für einige Leute sei's unverschämt, so sie überhaupt „Ich“ sagten. Oder erinnere ich das falsch, egal, hier ist auch niemand mehr der mich korrigieren könnte. Right? Correcto! Doch, ich gestehe nur, dass man ohne Maskentheorie jetzt lieber nicht zur Welt kommen sollte. Überhaupt: Signifikat und Signifikant, Schein und Sein aufgehoben, arg verwurstelt, wir könnens gar nicht mehr erkennen. Wir können's nur verkennen, selbst die eignen Suggestionen. Projektionen! Projektionen! Sag ich nur. Ein Irrgarten nichts, gar nichts dagegen. Und die Ironie eine stumpfe Waffe. Wozu noch in all dem Wahnsinn sich künstlich noch verstellen. Pathos dagegen vielleicht auch die falsche Hoffnung. Hohl&leer. Was tun? Marina singt zu und mit ihren Diamanten: „Don't be so pathetic, just open up and sing“. Die hat aber gut reden, die ist ja schließlich Sängerin. Und ich Barkeeper in einer Bar, die nur von LinguistInnen betrieben wird. Ausnahme: Chef. Der Rest promoviert so dahin. Ich wische noch den Tresen, die wirklich hässlichen Ränder von den ganzen Gläsern auf dem Holzpaneel da ab. Und dann steht sie da, auf der anderen Seite, na an der Barecke und verlangt Orangensaft mit Vodka. Bon: Vitamine und Haudruff. Sie schüttelt ein gelbes Lockenköpfchen, mehr kann ich schon gar nicht mehr – vor aufkommender Wollust – erkennen. Tja warum, ich weiß es selber nicht: Ein Konglomerat von Präsuppositionen, Axiomen und Obsessionen drischt auf mich ein. Jetzt gar zu schwierige Wörter. Wechsel, vielleicht, auf etwas in der Zukunft liegendes. Ein Pfand. Jetzt aber empfange ich erstmal ihre erwärmten Münzen in meinem Handteller. Bis dahin nur Imagination. Pecunia non olet – aber ich suche doch ein wenig in dem ausfransenden Haaransatz ihres Nackens zu schnuppern. Und sie zieht mich mit freundlichen Worten über den Tresen heran und spricht: „Nun erzähle ich dir mal eine richtige Geschichte, nich nur sone narratologisch interessante Minimalerzählung, auf dass du deine Theorien prüfen kannst.“ |
||
| |
||
| Künstler: Marina And The Diamonds http://www.marinaandthediamonds.com/ |
|
|
| |
||
| Album: The Family Jewels | ||
| |
||
| Label: Warner http://www.warnermusic.de/ |
||
| |
||
| Vertrieb: Warner | ||
| |
||
| Rezept |
|
|
| |
||
| Zutaten | ||
| |
||
| 800g Lamm, ausgelöst (aus Schulter oder Keule) 1 EL Chilibruch 6 Knoblauchzehen, sehr fein gehackt oder durchgepresst 4 EL Cumin (gemahlener Kreuzkümmel) 2 EL Ingwerpulver 3 EL Tafelöl 4 EL dunkle Sojasauce 2 EL Sesamöl 1 EL Sichuanpfeffer (angeröstet, dann gemörsert) 2 TL Salz grober schwarzer Pfeffer ½ Zitrone ca. 15 lange Holzspiesschen |
||
| |
||
| Zubereitung | ||
| |
||
| Das Lamm noch vom Metzger auslösen lassen. Zuhause von restlichem Fett und Haut befreien, und in kleinere Würfel oder Streifen schneiden. Die Marinade aus Chilibruch, Knoblauch, Cumin, Ingwerpulver, Öl, Sojasauce,Sesamöl, Sichuanpfeffer, Sesamöl, Salz und Pfeffer gut vermischen. Nach Bedarf mit noch mehr Sojasauce zu einer cremigen Konsistenz rühren. Fleisch und Marinade miteinander vermengen und am besten über Nacht ziehen lassen. Die Holzspiesschen eine Stunde vor der Zubereitung in Zitronenwasser ziehen lassen. Dann das Fleisch nicht zu dicht aufstecken. Auf einer Grillpfanne oder (natürlich noch besser) einem Holzkohlengrill brauchen die uigurischen Lammspiesschen ca. 5 min, abhängig von der Hitze. Be prepared: Es ist der absoulte Knaller. Die verwendete Menge Cumin ist völlig ok – dennoch überwältigende Erfahrung. (Alternativ funktioniert das Rezept auch mit ausgelöstem Hähnchenkeulenfleisch.) |
||