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| Einen Finger mit grüner Ricottacreme im Mund und „9 modules.+“ von Yoshihiro Hanno im Rechner. |
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| TafelMuzak Nº 017 von Leonhard Lorek | |
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Berlin Mitte. Hackescher Markt. Ingenieur-Büro, hell, trotz Hinterhof. Eine Firma, die im Hinterhof anmietet, aber was auf sich hält, achtet darauf, zumindest im dritten Stock unterzukommen. Im dritten Stock hat auch Mitte Licht. Das Büro würde er wohl vermissen.Kleines Fondue. Der Rechaud und die anderen Gerätschaften waren leicht zu transportieren. Er gab seinen Ausstand in der Firma, heute. Das Fleisch hatte er in der Mittagspause geholt. Putenbrust. Lamm und Filet vom Rind. Und Welsfilet. Während des Einkaufs war ihm eingefallen, dass er seine CDs bereits alle zuhause hatte. Im Büro war nichts mehr. Nur war das Büro ohne Musik nicht zu ertragen. Die Akustik war angsteinflößend: Jede Muskelkontraktion beim Schlucken jedes noch so kleinen Häppchens würde man hören können, wenn keine Musik da war. Also machte er einen Abstecher zum Alexanderplatz und holte bei Saturn das raus, was ihm auf den ersten Blick als Tafelmusik kompatibel mit einem Fondue zum Ausstand in einem Ingenieur-Büro schien: „9 modules.+“ von Yoshihiro Hanno. Außerdem waren sie 9 Leute und er hatte auch 9 Dips angerührt heute früh. Er mochte Greenaway-Filme; er mochte sie wahrscheinlich auch deshalb, weil Greenaway einen ähnlichen Zahlen-Tick hatte wie er selbst. Am besten waren ihm der Olivendip und der Joghurt-Walnuss-Dip gelungen. Die Preiselbeer-Orangen-Sauce allerdings ging total daneben. Das Zeug schmeckte wie eingedickte Fanta. Dennoch hatte er den süßen Pamps mitgenommen, der 9 wegen. Allerdings könnten sich „9 modules.+“ als ein ebensolcher Flop entpuppen, wie die Sauce Nr. 9. Nicht dass die Musik klebrig war, nein: Ganz im Gegenteil. Hierzu ließ sich bestens Fleisch klein schneiden. Akkurat und schnell. Und es war auch an der Zeit, das Fleisch klein zu schneiden. Und auch das Gemüse. Die Paprika, die Zwiebeln, die Zucchini. Zum Olivendip kam die Musik vielleicht auch noch ganz gut. 159 g kleingehackte schwarze Oliven unter 2 Esslöffeln Balsamico Essig und je einem Esslöffel Zitronensaft, Olivenöl und Dijon-Senf mit ordentlich Salz und Pfeffer drauf, gaben dem spröden Kram von Yoshihiro Hanno einen satten Beigeschmack. Aber Gemüse und Fleisch langsam in heißem Öl versenken und angenehm plaudern, nein: Das ging dabei nicht, bestimmt nicht. Für den Joghurt-Walnuss-Dip waren am Morgen je ein halbes Bund glatte Petersilie und Basilikum und Schnittlauch unters Messer gekommen. Kleingeschnitten mit einer gepressten Knoblauchzehe und 2 Esslöffeln zerhackten Walnusskernen und einem Esslöffel Walnussöl unter 150 g fettarmen Joghurt gezogen und etwas gesalzen, lag das Zeug gut unterm Gaumen. 9 Zutaten. Aber die Musik forderte nicht zum Bleiben auf. Wie sollten sie da miteinander noch was reden zum Abschied? Fondue dauert halt. Die Musik jedoch ließ selbst einen Fahrstuhlaufenthalt wie eine Ewigkeit erscheinen. Nicht dass sie langweilig war, aber solcher Art elektrifizierter Minimalismus machte Aufenthalte unmöglich. Ohne Musik wiederum war dem Raum unerträglich. Scheiß Akustik. Jedes Wort würde einzeln im Raum stehen bleiben. Selbst das Zischen des Öls im Rechaud konnte in diesem Büro mit dem Lärmpegel eines Platzregens auf einem Wellblechdach konkurrieren. Die kleinen Hügel Fleisch und Gemüse zwischen den 9 Schälchen mit den Dips erinnerten ihn an japanische Gartenlandschaften. Die „9 modules.+“ von Yoshihiro Hanno hingegen schienen ihm als Soundtrack für eine Termiteninvasion im Innenraum eines neuen Lexus von Toyota vorgesehen. Er kostete etwas von der grünen Ricottacreme, behielt den Finger im Mund und wusste nicht, was er tun sollte. Er wusste es einfach nicht. (Dabei hatte er noch 9 Finger frei. Anm. d. Red.) |
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| Künstler: Yoshihiro Hanno |
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| Album: 9 modules.+ | |
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| Label: Progressive Form |
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| Vertrieb: Hard Wax | |
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