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The Modernist am lautesten Kiosk der Stadt mit Currywurst Nummer eins vom berühmtesten Imbiss der Stadt.
TafelMuzak Nº021 Leonhard Lorek
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Eine Wohnung, vier Stockwerke über dem lautesten Kiosk der Stadt. Die selbe Wohnung: Vier Stockwerke über dem berühmtesten Imbiss der Stadt. Ein und die selbe Wohnung: Seine Wohnung. In dem lautesten Kiosk der Stadt hatte er am Morgen den Tagesspiegel gekauft. Thema: Immobilienmarkt: Mietwohnungen. Das war jetzt sechs Stunden her. Das Leben meinte es gut mit ihm: Vertrag in der Tasche. Schlüssel in der Tasche. Kreuzung Schönhauser Allee, Eberswalder Straße. Berlin, Prenzlauer Berg. Irre viel leere Quadratmeter mit abgezogenem Parkett. Der Ausblick war ein Draufblick.
Draufblick auf die U-Bahn als Hochbahn: U2. Draufblick Konopke. Der berühmteste Imbiss der Stadt mit der besten Currywurst der Stadt; er hatte sich vorher informiert. Schwaben sind schlau. Konopke kam oft vor im Netz. „Die Currywurst Nummer eins von Konopke, Imbiss am U-Bahnhof Eberswalder Straße, Prenzlauer Berg.“ war bei Yahoo gleich mehrmals zu finden. Selbst auf Ami-Seiten. „Blick auf den lautesten Imbiss der Stadt“, davon stand nichts im Netz, aber er: Er hatte ihn.
Wenn man von der Hochbahn die Treppen herunter kam, kam man direkt auf den Kiosk zu. Umzingelt von hohen Zeitungsständern dröhnte die Mucke. Gut wohnte er hier. Angemessen. Vier Stockwerke über dem lautesten Kiosk der Stadt. Er konnte die U-Bahn-Geräusche und den Sound aus dem Kiosk dadurch regeln, dass er die Fenster verschieden weit offen ließ. Windowpane-DJ. Den Kiosk-Mann hatte er nach der Musik gefragt. Schwaben sind soziabel. The Modernist war’s. The Modernist machte für Berlin die Kiosk-Mucke. Berlin: So hatte er es gewollt.
Als er der Mietvertrag unterschrieben war, war er schnurstracks in den nächstbesten Plattenladen gegangen und hatte genau diese CD rausgeholt: . Und bei Konopke hatte er sich drei Currywürste und eine Pommes mit Mayo gekauft. Jetzt saß er auf einem Stuhl, es war ein mit Stoff bespannter Klappstuhl, den die Vormieter als einzigen dagelassen hatten, auf dem abgezogenen Parkett, auf den vielen Quadratmetern in der total leeren Wohnung am Fenster, stocherte in den Pommes herum, steckte hin und wieder was von dem Hügel mit den aufgeschnittenen Currywursthappen in den Mund und hörte „The Modernist“ vom Kiosk her. Der Kiosk-Mann spielte die CD immer wieder von vorn. Am Kiosk gab’s den Soundtrack zu seinem Berlin-Film. Er hatte eine Wohnung, vier Stockwerke über dem lautesten Kiosk der Stadt. Er kniff die Augen zu und die U-Bahn fuhr vorbei wie in einem Video von Kunsthochschulstudenten. Er versuchte zu raten, welches Modernist-Stück gerade unten lief. Auf dem Cover waren 11 Titel verzeichnet. „Silicon Miner“ vielleicht.
Zweihundert Meter entfernt von seiner Wohnung wohnte der Bundespräsident. Zweihundert Meter entfernt hatte der Bundeskanzler einst mit Bill Clinton gespeist. Zweihundert Meter entfernt hatte der Kanzler kürzlich mit Chirac in der „Letzten Instanz“ gesessen. All das würde er ab jetzt auch tun. Leisten konnte er sich das. Er war Schwabe. Er hatte eine Wohnung Schönhauser Allee, Ecke Eberswalder Straße. Die Stadt begann sich in seinem Körper anzusiedeln: Hier gab’s Currywurst, The Modernist und die U2. Und alles war so, wie in einem Film. Wie in einem Farbfilm von Kunsthochschulstudenten: Mit U-Bahn und Tram und Ketchup und Mayo. Und er, er konnte sich diesen Film leisten. Er konnte auch zum Kiosk hinunter gehen und fragen, welches Stück gerade lief. Er war Schwabe, er war soziabel und er hatte eine Wohnung, vier Stockwerke über dem lautesten Kiosk der Stadt. Zuvor aber musste noch der Currywursthügel aufgegessen werden. Weil: So etwas lässt ein Schwabe nicht verkommen.
Künstler: The Modernist
Album:
Label: Wonder ()
Vertrieb: EFA
Rezept
Zutaten
Zubereitung