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| Lou Rhodes und kein Mahlstrom im Milchkaffee. |
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| TafelMuzak Nº 057 von Leonhard Lorek | |
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Lieder von der Weisheit, von der Unschuld, von der Liebe, von der Suche wonach auch immer. Café Lebensart. Berlin Kreuzberg, Kreuzung Mehringdamm,Yorckstraße. Das sollte es sein. Es war mehr der Wunsch nach einem Symbol für ihre Rastlosigkeit, als ein Verlangen, was Barbara dazu veranlasste, sich auf den Weg zu machen. Bei Nieselregen zuhause aus dem Fenster in den trüben Frühling hinauszustarren und dabei Lou Rhodes hören, das brachte es grad nicht. Nun aber saß sie in einem ganz anderen Laden. Sie war schon seit Jahren nicht mehr in dieser Gegend gewesen.Piñadas stand jetzt über der Tür. Die Cola wurde in der Flasche serviert; kein Glas dazu, nicht einmal ein Trinkhalm. Sie hatte aus dem Fenster starren wollen, in den Nieselregen hinein. Omas anschauen, draußen auf dem Mittelstreifen. Langsame, leise Omas. Unter Schirmen. Die Omas gab es noch immer. Nicht aber das Café Lebensart. Der Kuchen am Buffet hatte immer gut ausgesehen im Lebensart, früher. Geschmeckt hatte er jedoch nie. Auf den Tellern hinterließen die Gäste immer zerklüftete, morbide Kuchenlandschaften. Kaum jemand wollte aufessen. Und in den Tassen war überall Mahlstrom gewesen. Ein ganz langsamer. Barbara hatte das Café Lebensart gemocht, wegen der Stille und wegen der Abwesenheit in den Gesichtern der Gäste. Im Piñadas hingegen machte sich Straßenlärm breit, ganz ungeniert. Barbara stöpselte den Discman ein. Lieder von der Weisheit, von der Unschuld, von der Liebe, von der Suche wonach auch immer. Bei Lamb, erklärte Louise Rhodes, hatte sie sich als etwas gefühlt, das größer zu sein hatte, als das Leben. Also ist sie weggegangen von Lamb. Vor dem Piñadas kamen die Omas bei Grün immer nur bis zur Mitte der Kreuzung. Die Ampel war tückisch. Ein Schub Omas. Ein Schub Autos. Schöne und hässliche Omas. Mit blauen Haaren, mit Hüten, mit Regenhauben, unter Schirmen. Barbara hatte einen „Salat mit Chicken“ bestellt und bekam etwas vorgesetzt, worin sie misstrauisch mit der Gabel herumzustochern begann. Mit einer Kinderessbesteckgabel. In einer Maisbrotmuschel, die nach altem Frittierfett roch, war winzigklein gehackter Eisbergsalat mit einpaar Maiskörnern und wenigen klitzekleinen Tomaten- und Gurkenstückchen vermischt. Darüber Hühnerfusseln. Das Fleisch sah aus, als hätten sie es geraspelt. Ein Klecks rote, ein Klecks weiße Sauce. Alles schmeckte nach nichts, nach gar nichts, nicht einmal nach Holland. Selbst die rote Sauce hatte keinen Geschmack. Lou Rhodes, die mit ihren Kindern mittlerweile in einer beschaulichen Landkommune wohnte, würde das, worin Barbara herumstocherte, bestimmt nicht essen wollen. Frauen, die Gitarre spielen zu schönen Liedern von der Weisheit, von der Unschuld, von der Liebe und von der Suche wonach auch immer, essen so etwas nicht. Früher saßen im Café Lebensart an den Nebentischen immer türkische Dealer in Lederjacken, ganz stille Jungs. Und Studentinnen, hinter Zeitungen. Im Piñadas waren keine Dealer. Vor den Fenstern lief lediglich ein Typ in einer hellbraunen Wildlederjacke mit weißem Fellkragen auf und ab, nervös mit Autoschlüsseln spielend. Aus dem würde nie ein Dealer werden. Nein, nicht aus so einem, der mit einem weißen Fellkragen im Nieselregen herumläuft, im Mai. Früher war das anders. Früher war Lou Rhodes Frontfrau von Lamb gewesen. Nun aber war sie friedfertig, bescheiden. Gern hätte Barbara zu den schönen Streichern in den Liedern von der Weisheit, von der Unschuld, von der Liebe und von der Suche nach was auch immer in einem Milchkaffe herumgerührt. Aber nix da. Kein Mahlstrom. Sie schob den Salat beiseite und nippte an der Cola aus der Flasche. Es war mehr eine Geste, als ein Verlangen. Eine symbolische Geste für die Suche wonach auch immer. |
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| Künstler: Lou Rhodes |
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| Album: Beloved One | |
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| Label: Infinite Bloom Recordings |
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| Vertrieb: SPV | |
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