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Hans Appelqvist, ohne angetrocknete Kekse und Tee.
TafelMuzak Nº041 Leonhard Lorek
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Zugfahrt von Berlin nach Bremen. Christian hatte vergessen, was zu lesen einzustecken. Der Zug war so gut wie leer. Draußen war es bereits dunkel. Hin und wieder zuckte Dorfbeleuchtung durch die Finsternis. So gut wie kein Straßenverkehr. Er hatte die Vorhänge in seinem Verschlag aufgezogen. Schlechte Laune.
Und er hatte auch vergessen CDs einzustecken. Sein Discman nutzte ihm nichts. Ratlos begann Christian in der Reisetasche herumzukramen. Irgendetwas musste doch aufzutreiben sein, die Zeit zu vertreiben.
Hm. Bremort von Hans Appelqvist. Die CD war eigentlich das Geburtstagsgeschenk für seine Schwester. Er wusste nichts von der Musik darauf, nur, dass Andrea sie mochte und dass das Album nagelneu war. Also hatte er es gekauft, verpackt und eingesteckt.
Vorsichtig zog er den Tesafilm vom Papier ab, faltete das Papier sauber auseinander und hoffte inständig, mit der Musik etwas anfangen zu können. Discman auf. CD rein. Go!
Erst Piano. Dann Knistern. Ein vorbeifahrendes Auto. Er sah in die Dunkelheit hinaus. Abwarten. Noch ein Auto im Ohr. Dann eine Männerstimme. Schwedisch. Er konnte kein Schwedisch. Aber Schwedisch hörte sich gut an. Dann richtige Musik, asymmetrisch und, zugegeben, nicht unangenehm. Christian lehnte sich zurück. Gerettet!
Draußen gabs Autobahn zu sehen, parallel zur Zugstrecke. Immerhin etwas. Zuhause stand auf dem Küchentisch eine Blechdose, halbvoll mit Weihnachtsgebäck. Die hätte er gern hier gehabt, jetzt. Und dazu Tee. Heißen Tee und übrig gebliebenes Weihnachtsgebäck, ja, das hätte gut zu Hans Appelqvist gepasst und zur Autobahn, der parallelen, im Dunkeln. Was zu Essen hatte er auch vergessen einzustecken.
Bei Appelqvist begann eine Frau zu singen, schwedisch. Ein Hörspiel wars nicht. Aber ein Album mit aneinander gereihten Songs wars auch nicht. Und er verstand überhaupt kein Schwedisch. Stimmen gabs, wie aus einer benachbarten Gastwirtschaft. Ob in den Nachbarverschlägen doch jemand drin steckte? Er starrte aus dem Fenster. Irgendetwas musste nachts auch in spärlich beleuchteten Dörfern vor sich gehen. Familiendramen womöglich. Oder es tippte grad irgendwer das Finale eines weltbewegenden Romans in die Tastatur seines PCs. Ein angedüselter Rentner vielleicht. Spätes Talent.
Christian hätte jetzt sehr gern das leicht angetrocknete Weihnachtsgebäck in heißen Tee getaucht. Appelqvist kam gut, nachts im Zug nach Bremen. Tee wäre auch gut gekommen. Bei Appelqvist sang ein Mann vor sich hin. Christian stand auf, stützte sich an der Ablage vor dem Fenster ab, starrte ins Dunkel hinaus und wackelte mit dem Arsch zur Begleitung zweier Celli.
Cello aus. Frau an. Die Frau sang in Englisch. Ein Kinderlied mit naivem Klavier dazu und Gitarre und ein klein wenig Schlagzeug obendrauf. Hübsch. Und Telefongeklingel.
Ach, wie süß: Liebesgeflüster am Telefon. In Schwedisch. Christians Laune besserte sich. Irgendwie würde er es schon bis Bremen aushalten, mit Hans Appelqvist. Bei Appelqvist platzierte just in diesem Moment eine Standuhr ihre Botschaft ins Telefongeflüster.
Ob der Tesafilm nachher wohl wieder kleben würde? Christian verschenkte nur ungern ohne Verpackung. Auf jeden Fall musste er Andrea fragen, woher sie diesen Appelqvist-Film hatte. Und das in Bremen. Vielleicht konnte seine Schwester sogar Schwedisch. Vielleicht.
Künstler: Hans Appelqvist
Album: Bremort
Label: Komplott ()
Vertrieb: A-Musik
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