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| Ricard Anisette, Freitag der 13. und Capell Meister. |
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| TafelMuzak Nº 006 von Leonhard Lorek | |
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Ingrid am Fenster. Hochparterre. Neubau. 3-Zimmerwohnung, mit Küche und Bad und PVC-Fliesen. Freitag, der 13. Februar 1970, mittags um 12. Vor dem Fenster: Die winterfest verpackte Hollywoodschaukel auf schneebedecktem Rasen. In der Bratröhre: gefüllte Paprikaschoten. Dazu Kartoffelpüree. Das Püree machte sie selbst. Zum Nachtisch: Dr. Oetker-Vanillesoße auf Bananasplit.Heinz war mit den Kindern am See, wegen der Schwäne. Der See war zugefroren. „Was essen die Schwäne zu Mittag, wenn der See zu ist?“ Die Kleinen beschäftigte das Thema den ganzen Vormittag über. Seit dem Frühstück quengelten sie. Heinz hatte Nachtschicht gehabt und wollte vor dem Mittagessen wie üblich noch etwas schlafen. Aber sie kriegten ihn weich. Er schnitt Toastbrot klein, holte die Schlittschuhe aus dem Keller und packte sie mitsamt den Kindern in den roten Opel. Heinz konnte gut Schlittschuhlaufen, und die Kleinen stellten sich auch schon ganz geschickt an. Ingrid schlitterte in Puschen durch die Wohnung. Die Füllung für die Paprikaschoten war zur Hälfte Rind, zur Hälfte Schwein. Immer wenn sie am Wohnzimmer vorbeikam, drehte sie die Platte um. Zu Weihnachten hatte Heinz ihr die neue Platte von Peter Thomas geschenkt. Beschwingte, heitere Musik ohne unterschwellige Aggressionen; wie Capell Meister. Heinz würde den Nachmittag über schlafen können. Ingrid freute sich auf den Abend. Ihre Mutter würde auf die Kinder achtgeben. Sie und Heinz würden in die Stadt fahren, sie würden Ricard Anisette trinken, eiskalt aus Wassergläsern. Und sie würden ein wenig tanzen. Ingrid swingte in der Hüfte. Und dann stand sie wieder am Fenster und schaute nach dem roten Opel Rekord. Sie hielt die Hand vor die Augen, weil der Schnee in der Mittagssonne so blendete. Als es draußen bereits stockdunkel war, stand Ingrid immer noch am Fenster. Das war jetzt 32 Jahre her. Heinz und die beiden Kleinen waren nicht zurück gekommen. Aber Ingrid wartete. An jedem 13. Februar stand sie am Fenster und wartete. Ohne unterschwellige Aggressionen. Die Platte von Peter Thomas war schon lange hinüber. Ingrid hatte eine junge Studentin zur Untermiete. Diese hatte Musik mitgebracht, die ähnlich klang. Ähnlich beschwingt. Also hatte Ingrid sie danach gefragt. „Demi Nuendo“ von Capell Meister, hatte ihr die junge Frau geantwortet. Und Ingrid hatte sich die CD gekauft, heute früh. Heute war der 13. Februar. Ein Mittwoch diesmal. Aschermittwoch. Die gefüllten Paprikaschoten waren in der Röhre, die Füllung wie immer: Halb Rind, halb Schwein. Während der BSE-Krise hatte sie nur Schwein verwendet, wegen der Kinder. Ingrid trank Ricard Anisette. Den hatte sie auch mit dem Kommissar getrunken, aus Wassergläsern, eiskalt. Der Mann hatte damals den Fall übernommen. Und er hatte sie mehrmals zum Tanzen eingeladen. Die Diskokugel hatte geglitzert, wie der Schnee in der Mittagssonne im Februar. Ingrid stand am Fenster, wippte mit dem Fuß, schnipste mit den Fingern, swingte in der Hüfte und schaute nach dem roten Opel Rekord. Ganz ohne unterschwellige Aggressionen. Hin und wieder lief sie ins Wohnzimmer, um den einen oder anderen Titel von Capell Meister nochmals laufen zu lassen. Die gefüllten Paprikaschoten waren gar und sie hielt sie warm in der Röhre. Sie wurde nicht ungeduldig. |
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| Künstler: Capell Meister |
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| Album: Demi Nuendo | |
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| Label: Elbtaler Schallplatten |
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| Vertrieb: ZYX Music Germany | |
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