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| Streifenhörnige Lammkoteletts mit oignons rouges und Au revoir Simone |
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| TafelMuzak Nº 068 von Philipp Steglich | ||
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Hallo Lammkoteletts, hallo Welt. Tu ich euch erst mit Zitrone beträufeln, dann mit Olivenöl salben. Und marinieren, die ganze Nacht lang. Weil ich euch leicht glasiert sehen möchte. Dann salzen, dann pfeffern. Es gibt nämlich gar keine Poren, die es beim Anbraten zu verschließen gälte. Das sind nur alte Mythologien alter Männer, dass man das nicht darf, vorher salzen; sie sagen, es würde euch den Saft entziehen. Aber so läuft das nicht. Da läuft gar nichts raus, es wird jedoch viel schmackhafter. Richtig!, da muss man erst einmal darauf kommen.Euch, Lammkoteletts, brauche ich das nicht zu erzählen. Ihr seid eh schon angststarr in Anblick der wirklich sehr heißen, gusseisernen Grillpfanne, die euch ein so schönes Muster in die Seiten ritzt. Ein schickes Branding, wie es sonst nur amerikanische Streifenhörnchen, aber a la nature, tragen. Aber wie komme ich darauf? Au revoir Simone sind keine Streifenhörnchen. Brooklynerinnen, das ja, gewiss. Drei Synthesizermädels mit langen, glatten Haaren, die einen Hang zum Ätherischen im Konkreten haben. Die also singen tun: "You make wanna measure stars in the backyard with a calculator and a ruler baby / I found a letter that describes how the moonlight will lead me to the distant place that you will be." Taschenrechner und Lineal zu besingen, das ist Fortschritt. Das sind ja sonst bloß die Lieblingsspielzeuge der pubertierenden Siebtklässler. Und heute, Lammkoteletts, mache ich euch ein, "wie mit dem Geodreieck" gezogenes, parallel laufendes Linienmuster auf die verölten Flanken. Ganz akkurat, so wie früher. Denn worum geht es? Doch darum, das ist hier die Ringparabel, das Leben mit ein wenig Orientierung zu versehen und irgendwie ohnbeschadet zu meistern. "In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister, und das Gesetz nur kann uns Freiheit geben." Das solltet ihr dem Alten, Goethe, nicht verargen, dass er so zu euch spricht, Lammkoteletts! Der hat gut reden? Muss nicht neben euch schmoren? Gut gegeben. Aber so wie Au revoir Simone neben einander stehen und singen, so müsst auch ihr einen parallel geschalteten Chor ergeben. Individualismus ist Beschissmus, hier geht's um Performance und deren Qualitäten. Und so werden natürlich die drei flötenden, glatt- und langhaarigen Musikerinnen gern mit "Virgin Suicides" und (von mir) mit den Beatles verglichen. Müsst euch dreimal John Lennon vorstellen. Nein, Lammkoteletts, dafür braucht's kein LSD, dafür sollte euer Endorphinausstoß jetzt schon reichen. Nun aber kurz den Blick gewendet und auf die eigenen Finger, sonst steigen die Endorphine allzu schnell in mir hoch. Die roten Zwiebeln häuten und in wirklich feine Ringe schneiden. Schön parallel im Wiegeschnitt das scharfe Messer durchziehen und sehen wie sie erschöpft zur Seite klappen. Einer nach dem andern. Wenig durcheinanderwirbeln, dabei grob gehackte Petersilienblättchen durchziehen und mit Sumak bestreuen, ist eines. Sumak, das ist dieses saure, violette Gewürz, welches sich gut in türkischen Supermärkten finden lässt. Oh, was sind das für schöne Formen des rohen Zwiebelsalates! Halb spiral-, halb ringförmig: ganz Abbild des Kosmos oder dessen Teil, den wir zu kennen glauben. Ich weine? Einerseits vor Ehrfurcht, andererseits, naja, wegen die Zwiebeln. Ach, Lammkoteletts, reiht euch ein, lasst uns an den Händen fassen. Meinetwegen auch mit Messer und Gabel, lasst uns ein gemeinsames "Willkommen und Abschied" rezitieren und jene dazu singen hören. |
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| Künstler: Au revoir Simone http://aurevoirsimone.com/ |
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| Album: The Bird of Music | ||
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| Label: Cooperativ |
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| Vertrieb: Rough Trade | ||
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| Rezept | ||
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| Zutaten | ||
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| 4 Lammkoteletts 2 rote Zwiebeln 1 Bd. glatte Petersilie 1 EL Sumak (Sumach, Sumac) Olivenöl, extra vergine Saft einer halben Zitrone Salz & Pfeffer (für 2 Personen) |
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| Zubereitung | ||
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| Den Fettrand der Lammkoteletts mehrfach einschneiden, dass sie sich in der Hitze nicht krümmen. Mit Zitronensaft beträufeln, in Olivenöl wenden und (am besten über Nacht) marinieren. Salzen und pfeffern und in einer gusseisernen Grillpfanne je Seite ca. 3 Minuten braten. Die Zwiebeln häuten und in sehr feine Ringe schneiden. Gezupfte und grob gehackte Petersilienblättchen unterziehen, mit Sumak bestreuen. Dazu passt auch noch: Joghurt mit Knoblauch, Rosmarinkartoffeln und/oder Spinat. |
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