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Schweinebauch mit Knoblauchlauch und Dis*ka
TafelMuzak Nº 070 von Philipp Steglich
 
Pfingstwochenendeende, also eigentlich: Pfingstmontag. Und die Welt war wieder eine Scheibe. Nein, nicht der King of Rome hatte obsiegt, nein, nur er sah wieder in das finstere Nichts. In das schwarze Stahlrund seines Woks. Groß und weit und leer und schwarz. Ein mattes, dunkles Auge, das seinen suchenden Blick nicht erwiderte, blind blieb. Blind und stumm.

Aber da muss doch was rein! Herrje, da muss man was knistern hören im heißen Öl, ein paar Proteinstrukturen knacken, Farbe annehmen und Düfte von sich geben lassen. All das. Action! Also hacken und schneiden, zuerst die köstliche Pancetta. Sehr, sehr oberarmdick und gleich ein purpurrotes Würfelchen in den Mund schieben, die Scheiben sorgsam daneben. Dann das Gemüse, also Knoblauchlauch und Frühlingszwiebeln, schräg und stückig.

Ja, Frühlingszwiebeln. Da waren jetzt immer mehrere Bund im Kühlschrank. Es ist schon merkwürdig, wenn man seine Küche, sein Gebaren irgendwann umstellt, umsortiert. Früher, in fernen Zeiten, da musste er wohl einmal im Jahr Gummiringe kaufen. Ja mein Gott, fürn Haushalt und so. Braucht man eben für dies und das.

Aber nachdem er nun einen ordentlichen Durchlauf an Schluppen hatte und zudem ein jeder Bund mit zwei Gummiringen, hinten & vorn, gesichert war und er die sammelte ... Seitdem diese Kausalkette wirkte, widerstand er den Verlockungen der Gummiringtütchenindustrie. Ja, es war nun so weit, dass sein Vorrat überzuquellen drohte. Dass er gezwungen war, sich zu überlegen, welchem seiner Freunde er zukünftig einen Teil seines Überschusses vermachen sollte. Ohne dabei rot zu werden, noch erröten zu lassen.

Gut, es ergäbe wohl nur ein 99ct-Tütchen. Aber das eben war das Problem. Wem kann man heute eine solch geringe Überschussbeteiligung, eine dermaßen kleine Freude andienen? Und er erinnerte sich des Herrn Senators, den Franz-Josef Degenhardt einst besang. Der sein Geld damit gemacht hatte, dass er als Schulbub die Milch weit weg, auf Rechnung seiner Eltern kaufte, dort wo sie günstiger war, denn die Differenz durfte er selbst behalten. Mit diesem angesparten Betrag hat er dann sein erstes Hüttenwerk gebaut. Und ein zweites und noch ein drittes.

Doch die Zeit der Hüttenwerke war vorbei. "Aber das Lob der Unternehmer kann man immer singen", dachte er. Und wirklich dis*ka sangen "Save our managers". Und immer wieder: "Save our managers, they are working hard on decisions". Und nur das. Ein hölderlinscher Imperativ: mehr bedarfs nicht! Nicht in Zeiten ohne ein jegliches Hüttenwerk.

Und er drehte die Gasflamme zum Anschlag auf. Ließ die Pancetta im heißen Öl erst rot, dann leicht knusprig werden. Er wollte das rosa Ferkel sehen, einmal noch, das sie einst gewesen war. Und warf Chilis und Knoblauch, dann den Rest hinein. Das Grünzeug schnurrte arg zusammen. Löschte mit Shaoxingwein aus dem roten, pah!, China ab und servierte.

Morgen also würde er seinen Vorrat an Gummischnürln irgendwie, irgendwo in eine Kugel Limoneneis tauschen wollen. Diese sofort verzehren. Um den tendenziellen Fall der Profitrate ein wenig zu beschleunigen. Auf die angenehme Art: kein Senator werden.
 
Künstler: dis*ka
http://www.myspace.com/echokammerdiska
 
Album: Save our Managers
 
Label: Echokammer
http://www.echokammer.de
 
Vertrieb: Hausmusik
 
Rezept
 
Zutaten
 
300g Pancetta
2 Bd Knoblauchlauch aus dem Asiamarkt
1 Bd Frühlingszwiebeln, wer mag kann auch 1-2 Pak Choi hinzunehmen
3 Knoblauchzehen, gehackt
4 getrocknete chinesische Chilischoten; entkernt und geviertelt
1 EL Tafelöl
4 EL Shaoxing-Wein oder trockener Sherry
1 TL Sesamöl
Salz
(reicht für 3-4 Portionen)
 
Zubereitung
 
Am besten eignet sich Pancetta für dieses Rezept, im Notfall des Alltags nimmt man Bacon. Mit dem in der BRD üblichen "Gelderländer Bauchspeck" lassen sich nur deutlich weniger großartige Ergebnisse erzielen.
Die Pancetta in ca. 3 mm dicke Scheiben von 4 cm Länge schneiden. In ein ebensolches Längenmaß den Knoblauchlauch, Pak Choi und Frühlingszwiebeln teilen.
Den Wok erhitzen und danach das Öl hineingeben und verteilen. Die Pancettastreifen ca. 1min heiß anbraten. Die Chilischotenstückchen und den Knoblauch hineingeben und nach einer halben Minute alles weitere Grünzeug. Unter ständigem Pfannenrühren ca. 4-5 min braten. Das Gemüse sollte noch Biss haben.
Mit Shaoxingwein ablöschen, mit Sesamöl sparsam beträufeln und mit etwas Salz abschmecken. Dazu Reis oder dünne chinesische Weizennudeln.
Voila!