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| Jens Friebe in Artischockenherzen |
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| TafelMuzak Nº 074 von Philipp Steglich | ||
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"Erstens: Wir werden alle älter. Zweitens: Das Glück wird (wenn überhaupts) nur unter unerträglichen Schmerzen und unsäglichen Opfern erkauft. Drittens: Wenn der liebe Gott eine Tür zuschlägt, macht er wieder eine neue auf. Wenn man seine Hand aber noch in der alten Tür drin hat, tut's sehr weh." Franziska wiederholte ihr Credo wieder und immer wieder. Sie konnte energisch sein, ja enervierend, wenn sie einmal die Pillen der Erkenntnis gefressen hatte."Salut", sagt er, nahm den letzten Schluck aus der Pulle. Und hackte weiter Schalotten und Knoblauch. "Du und deine Heiner-Müller-Gewissheiten. Wo führt das denn hin. Nihilismus? Romantik?" Und er ließ das (fein geschliffene) Messer den Takt vorgeben, bloß die Finger raus, bloß an den geballten Knöcheln, wie ein guter Koch, entlangschaben. Franziska war dabei eine Dose Artischockenherzen zu öffnen. Auch im 21. Jahrhundert keine einfache Aufgabe. Sie hatte nur auf seinen Einwurf gewartet: "Nihilismus und Romantik? Ist das nicht ein und dasselbe?" Und als Imperativ formulierte sie: "Get back to life! - Wir hören schon die ganze Zeit Jens Friebe. Das macht dir aber auch gar nichts aus." Beim Blick in das noch laue, heißer werden sollende, Olivenöl, überlegte sich der Mann vorm Herd die Antwort gut. "Also gut: wir haben hier ein Gefälle vor uns. Wir können es nicht Friebe zum Vorwurf machen. Sein erstes Lied beginnt mit 'Komm und setz dich', und wir möchten natürlich einstimmen mit Bertolt Brecht und das Zitat fortführen. - Also?, so Franziska, - Komm und setz dich lieber Gast, setz dich uns zu Tische." "Ja und Friebe macht da einfach nicht weiter. Tradition durchbrochen. Aber ich glaube, er ist nicht schuld. Man kann das wohl heutzutage nicht weiterführen. Der falsche Traum. Aber natürlich nicht der Traum von Brecht, sondern praktisch: Menschheitsentwicklung. Fatal Error. Bluescreen. Keine Diskussion." Franziska taute gerade ein tiefgefrorenes, portioniertes Stück Hühnerbrühe in der Mikrowelle auf. Nein, keine Diskussion, aber doch widersprechen: "OK. Jens Friebe steht ja wohl für eine gewisse Form der Melancholie." "Melancholie heißt aber nicht aufgeben. Heiner Müller ist: Oh Gott, so viele Opfer. Bloß nicht auf die Straße gehen. Geht doch nur schief. Immer nur auf Großmutter hören, immer nur: Angst haben. Und was singt Friebe: 'Weltraumschrott / Steht hoch am Himmelszelt / Kein Tribun, kein Gott / Erschreckend aktuell // Erschreckend aktuell / Dass sie dich nicht will / Dass sie dich nicht fragt / An diesem Sommertag.' Und wenn jemand Weltraumschrott mit Himmelszelt kompiliert, dann ist das keine Romantik." "Sondern Ernst Jünger?", fragte Franziska in aller Unschuld. Sie wusste die Eskalationsstufen zu bedienen. Erst Romantik, dann Ernst Jünger. Herrgott. Zeige deine Wunde! Aber musstu darin wühlen? Also gut, once more: "Wenn Friebe singt 'Traurig machst du den Regenwurm vom Stacheldraht ab', dann ist das natürlich Jünger im Drahtverhau in Stahlgewittern oder im Wäldchen 125. Aber wenn er schwört: 'Frau Baron / Das Land, auf dem ich wohn / Gehört ihnen / Und ich muss ihnen dienen. / Frau Baron / Ich bin ein Bauernsohn / Und heute Nacht / Geb ich ihnen die Pacht.' Das ist eben keiner. Das ist das ius primae noctis. Aber umgedreht. Und diese Umdrehung spricht von Heiterkeit. Ein 'heiterer Abschied' ala Karl Marx. Einmal als Tragödie." "Und mal als Komödie," ergänzte Franziska. "Schon klar. Und sind es nicht doch alles Männerphantasien? Sone und so welche?" |
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| Künstler: Jens Friebe http://neu.jens-friebe.de/ |
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| Album: Das mit dem Auto ist egal, Hauptsache dir ist nichts passiert | ||
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| Label: Zick Zack http://www.whatssofunnyabout.de/shop/catalog/product_info.php?manufacturers_id=110&products_id=357 |
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| Vertrieb: Indigo | ||
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| Rezept | ||
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| Zutaten | ||
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| 400g Spaghetti 1 Dose Artischockenherzen 3 Schalotten 2 Zehen Knoblauch 100g Parmesan, selber reiben! 100ml Hühnerbrühe 100ml Weißwein Olivenöl Salz, Pfeffer aus der Mühle |
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| Zubereitung | ||
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| Gehackte Schalotten und Knoblauch in heißem Olivenöl anschwitzen. Gewürfelte Artischockenherzen zugeben. Mit Weißwein ablöschen. Hühnerbrühe zugeben, ein wenig anziehen lassen. Parmesan unterrühren. Mit wenig Salz und viel Pfeffer abschmecken. Über die gekochten Spaghetti geben. | ||