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| Weiße Nächte mit einem Glas Ayran in Havanna; Gustav hörend |
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| TafelMuzak Nº 082 von Philipp Steglich | ||
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Fritzi bohrte weiter. Lüsterklemme versus Phasenprüfer. Fritzi bohrte weiter, tiefer in das dispersionsfarbenverklebte Plasteteil. Irgendwo wird ja noch Strom zu finden sein und eine Schraube auf seine Drehbewegungen reagieren und sich winden: Ihm entgegen. Hoffte er wenigstens, auf einer Holzleiter stehend, in Olivias neuer Wohnung. Ach ja Olivia, wo kroch die eigentlich auf allen ihren Vieren rum?Denn es war ja so: Im Nebenraum lackierte Olivia den Fußboden ihrer neuen Wohnung in weiß. Waghalsiges Unterfangen natürlich, so einen Estrich von Stierblutrot, wie das hier im Osten halt so war, in unschuldges Reinweiß zu tauchen. Mussi grundieren, mussi net grundieren: Glaubensfrage. Mussi zwischenschleifen? Mussi alten Lack vorher anlaugen? Usw! Olivias Antwort war, die Knie anzuwinkeln, sich daraufabzustützen und den Fußboden einfach zu lackieren. Gut, sauber war er schon. Sauber war er schön. War ja auch sonst nixn in der Wohnung. War weiß und leer, ihr neues Domizil. Außer Handwerks- und Putzzeug, zwei Stühle, 1 Klinexrolle, nur noch eine Stereokompaktanlage, ja mit einem Radioteil und CD-Player. Von einigen vorherigen Renovierungsunterfangen schon verkleckst. Darin – neue Wohnung, neue Musik – „Verlass die Stadt“ von Gustav. Ein Imperativ dieser Sängerin. Allerdings kein ernstgenommener, zumindest von Olivia nicht. Aber was sie liebte, war die Klarheit von Gustavs Stimme und Sprache. „Wie Tau der von Gummibäumen tropft oder das Wasser aus Kokosnüssen“, verglich der hereinkommende Fritzi die Musik. Naja, passende Metaphern immer n Problem; gibts keinen Königsweg. Aber Gustav hatte schon Drama, Baby! „Hör dir mal die Tuba an“, empfahl ihm Olivia, „im Song 'Alles renkt sich ein'. Das ist sowas von zünftig, zukunftsgewiss und apokalyptisch zugleich.“ Und auf ihren weißen Knien, berollte sie den Boden mit weißer Farbe. In-Besitz-nehmen von Wohnung. Flur & zwei Zimmer. Ein ostzonales Bad, das nach leichtem Schimmel roch. Darin allerdings tropische Assoziationen: diese Feuchtigkeit in der Luft & der allseits präsente Moder. Hach. Durchatmen. So riecht der Sommer in Havanna. Eben nicht wie in der Eiswerbung, nicht nach Frucht, Tropic oder Meeresfrische, nein nach schwülem Schimmel. Und wenn man dann im Katalog gebucht hatte und alles ist nicht so wie auf den Bildern, vor allem gewisse, schwarz betupfte Ecken in der Nasszelle, dann muss man Gustavs Lyrics memorieren und singen: „Lass den Kopf nicht hängen, Sweetheart, es wird alles wieder schön. Halt die Ohren steif, my Darling, und unser Glück wird in Erfüllung gehen.“ „Oh, ob das hilft bezweifle ich“, fuhr Fritzi durch Olivias Überlegungen. „Autosuggestion schön und gut – aber am Schluss meint die das doch ironisch.“ Aber war das nicht egal? Gustavs Stimme fuhr hier durch die Räume, so zwischen einer 50er Jahre biederen Lilo Pulver und dann doch das R-rollend rotzig. Klar & interessant. Pathos & Pose. Die Musik den Bogen schlagend von der Schlager-Bums-Musik zur Elektronik. Aber ach Pose! Olivia wurde es auf ihren Knien, rutschend, zu fade. Auch ungemütlich. Erhob also ihr Haupt und sah fragend in Richtung Fritzis Leiter: „Magst auch ein Glas Ayran, zur Erfrischung?“ Da war Fritzi aber schon, die Treppe runter, im Kellergewölbe. Und dabei sollte es noch so ein langer und luftiger Sommer werden. |
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| Künstler: Gustav http://gustav.cuntstunt.net/ |
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| Album: Verlass die Stadt | ||
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| Label: Chicks on Speed Records http://www.chicksonspeed-records.com |
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| Vertrieb: Indigo | ||
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| Rezept | ||
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| Zutaten | ||
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| Joghurt kaltes Leitungswasser Salz ggf. Spritzer Zitronensaft ggf. Minzezweig |
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| Zubereitung | ||
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| Joghurt (am besten: türkischer) im Verhältnis 2:1 bis 1:1 mit Wasser verrühren und schaumig schlagen. Schön salzig abschmecken. Wer es sauer=spritzig mag, gibt Zitronensaft zu. Für Freunde des Dekorativen: einen Minzezweig hineinstecken. | ||