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| Parking non-stop in Investitions und Illusionsruinen |
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| TafelMuzak Nº 083 von Philipp Steglich | ||
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Das Entree: Abfahrt von der Autobahn, idyllische Landstrasse. Keine verbeulten Nazischleudern in den brandenburgischen Alleebäumen, kein zerfetztes Onkelz-T-Shirt (frakturdeutsch: 'Leibchen'?) in den Zweigen. Schade.Dann weitet sich der Blick und eine Fläche wird frei. Ah, die berüchtigte Zeppelinhalle, in der die Aktionärsträume von Cargolifter und viel Steuergeld begraben sind. Eine Investitionsruine, ein stählerner Sarkophag? Ja, und zugleich neudeutsches Spassbad. Feuchter Traum in die Ferne: Tropical Island: unser Ziel. Parkplätze davor wie ne Messehalle oder n Flughafenvorfeld. Das Entree II: Photo am Pepsi-Automaten. Der hat ein Hütchen auf: Nicht reetgedeckt, sondern Stroh oder sowas. (Wir sind hier nicht in St. Peter Ording.) Eintreten und Hüllen fallen lassen, sind eines. Die Schrankfachnummer, vierstellig!, liegt um die 8000 rum. Ah, Südsee mit 1,30 Meter Wassertiefe. So haben wir uns das nicht geträumt, die wir mit der CLIFF-Werbung der Achtziger aufgewachsen sind. Akustisch ne Hallenbadkulisse. Aber schön warm das Wasser und nicht frostig-sportlich. Eintauchen, untertauchen. Haare schütteln, schön stromlinienförmig drapieren. Luftholen. Das ganze Programm: Drei Rutschen: jede rutschen, zuletzt den Turbo. Ich sehe sie in der Röhre verschwinden – und ihr Schreien, lauthals. Nach den ersten Metern auch ich, ein Brüllen, s'geht nicht anders und heftig Wasser schlucken. Einen riesigen Eileiter, eine Harnröhre hinunter. Ein langer Geburtskanal – aus dem wir nicht gekrochen, aus dem wir geschossen kommen. Entree III: Sechsfuffzich Aufpreis – willkommen im textilfreien Bereich. Stimmt, hier muss man nackig sein. Wenigstens unterm Handtuch, das als Lendenschurz getragen wird. Bloß nicht den Bauch einziehen, sonst Adamskostüm. Oder Eva. Oder was auch immer – wir schauen da nicht so genau hin. Dabei lauter Hüttchen und Tempelchen mit Saunen und Kräuterbad und hier Dampf und hier das. Austesten wie wirs aushalten. Auch Sprudelbäder. Dabei weniger Geschrei als beim Volke draußen in der Südsee, das gerade musikalisch und tanzbongomäßig bespaßt wird. Wir können die nicht sehen. Die dürfen uns nicht sehn. Wir sind ja textilfrei, wir san ja die Nackerten. Wenn ich mal einen Vorschlag machen dürfte: Nicht so blöde Disco-Tribal-Mucke spielen. Da wird einem schlecht von beim Baden. Eher sowas wie Parking non-stop. Da haben wir akustische Reiseaufzeichnungen. Und zwar authentische. Da können wir mit den Gedanken spielen. Alles baumeln lassen. Und die Synthietöne machen uns nicht erschrecken, die machen uns froh. Die sorgen für eine Großstadtremineszenz. Und wenn dann selbst ein Specht den Beat angibt, dann ist das auch ok. Das ist moderne Musik, die geht auch in so einem riesigen Hallendingsbums, wo man sich wie ein nasser Furz vorkommt, mit seiner Schrankfachnummer 8041. Man braucht nämlich n bisschen Freiheit. Aber schon regiert der Bauch. Essen gehen, wir nehmen das tropische Barbecue. All-you-can-eat. Alles schön, wie für die Zubereitung im Wok, klein geschnitten. Ente und Känguruh, Frühlingszwiebeln und Austernpilze. Und dann füllt man sich das eigene Schüsselchen schön randvoll, gibt es ab und ein Mensch in weißer Kochkleidung kippt das ganze auf eine heiße Edelstahlfläche. Und wenn es durchgegart ist, noch eine Marinade druff, die sich der Gast bei der Bestellung hat aussuchen können. Aber Marinade? War das nicht son Flüssigszeug, in das man das Gargut _vorher_ einlegt? Und hier gibt’s also braune Pampe hinterher eingerührt. Aber das macht nun auch keinen Unterschied mehr, wird doch alles, was wir im Buffet zusammengesucht haben, auf einmal erhitzt. Ohne Ansehen der unterschiedlichen Garzeiten: abgekocht. Weil deren Grillplatte nicht das Höllenfeuer eines Woks hat. Ein schönes Modell von Wahl und Freiheitssuggestion. Wähle, was du essen magst. Aber wir bereiten das zu, und ohne jede Kunst!, mein Freund. Und kippen da unsere Soße drauf. Und ihr, zahlende Gäste, sitzt dann brav und gleich vor euren Näpfen, und macht wie fette Karpfen den Mund auf. Und zu. Alles Illusion. |
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| Künstler: Parking Non-Stop http://www.skald.omnia.co.uk/ |
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| Album: Species Corridor | ||
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| Label: Klangbad http://klangbad.de |
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| Vertrieb: Broken Silence | ||
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| Rezept |
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| Zutaten | ||
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| 500g grüne Bohnen 1 Zweig Bohnenkraut, gehackt 4 Knoblauchzehen, in dünnen Scheiben 3 Frühlingszwiebeln, gehackt 2 Handvoll getrocknete, chinesische Chilischoten 3 EL Oliven-Öl Salz |
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| Zubereitung | ||
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| Die Stiele der Bohnen entfernen, in ca. 5cm lange Teile schneiden und waschen. Den Stielansatz der Chilischoten mit einer Schere abschneiden, mit den Klingen in die Schote fahren, die Kerne lockern und herausbröseln. Zuletzt die Schoten in 1cm große Stücke zerteilen. Das Öl in einem Topf oder Wok erhitzen und Chilischoten wie Knoblauch für ca. 1 Min anschwitzen bis sie Aroma entwickeln. Dann beides aus dem Öl nehmen und beiseite stellen. Es ist Fingerspitzengefühl gefordert: Nicht die Chilis verbrennen lassen! Die noch tropfnassen Bohnen mit dem Bohnenkraut ins Öl geben und 'pfannenrühren', also mit einem Kochlöffel ständig wenden. Sie können ruhig etwas Farbe annehmen. Wenn sie schön 'al dente' sind, salzen und Frühlingszwiebeln, Knoblauch und Chilis unterheben. Zu Lamm oder Rind servieren. Dies ist die mediterrane Variante des chinesischen Gerichts „gan bian si ji dou“ aus der Region Sichuan, das die englische Autorin Fuchsia Dunlop in ihrem wundervollen Kochbuch „Sichuan Cookery“ (London 2001) unserem Kulturkreis überlieferte. Das Original, auch super, bereitet man zusätzlich mit Ingwer und Sichuan-Pfeffer zu. |
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