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Sechs Sirenenklippen und die einzig wahre Argonautennahrung auf MySpace.
TafelMuzak Nº 085 von Leonhard Lorek Evgenij Dvorkin
 
DIESER TAFELMUZAK IST ETWAS ANDERS GERATEN, ALS SONST ÜBLICH. ZUM EINEN GIBT ES IHN ERSTMALS ZWEISPRACHIG: HIER IN DEUTSCH UND DANN NOCHMAL IN ENGLISCH. ZUM ANDEREN IST DIESMAL KEIN NEUVERÖFFENTLICHTES ALBUM THEMA, SONDERN NEUE, TEILS UNVERÖFFENTLICHTE MUSIK, DIE AUF MYSPACE ZU FINDEN IST. HINZU KOMMT: DIE EINGABEMASKE FÜR DEN TEXT IST NUR FÜR EINEN EINZIGEN AUTOR GEDACHT. DIESE KOLUMNE HAT JEDOCH ZWEI AUTOREN: LEONHARD LOREK UND EVGENIJ DVORKIN.

----- Original Message -----
From: "Evgenij Dvorkin"
To: "Leonhard Lorek"

Hallo Leonhard, ich sitz hier gerade fest, in Melbourne. Flieger ist nicht da. Die sagen nichts. Die Welt dreht sich zu schnell für mich! Habe einen Wein aufgemacht – australischer Cabernet Sauvignon, mit Känguru drauf. Den wollte ich ja mitbringen, heißt "yellow trail*". Ich trinke! Zuhause ist es warm und weich. Hier ist es kalt und das Metallstuhlgitter drückt in meinen Allerwertesten lauter kleine Märtyrerkreuze. Ich sitze mittendrin – irgendwie ganz allein. Schrecklich.

----- Original Message -----
From: "Leonhard Lorek"
To: "Evgenij Dvorkin"

Mitgefühl! Mitgefühl! Evgenij, einfach zu leben wird immer komplizierter! Den Wein mit dem Känguru kenne ich übrigens. Ist okay, passt aber nicht zu Oliven. Bin mit 'nem ganzen Teller voll vorm Monitor, mit Schafskäse und so – das Zeug, das wir im Oktober in Kräuter gepackt haben. Apropos Melbourne: Leute aus Melbourne haben wir auch auf der Mendelsson-Seite. Guck mal Pause Record. Ähm: stopp! Die heißen nicht mehr Pause Record, sehe ich grade. Die heißen jetzt Mirrored Silver Sea. Und außerdem: kein Plural mehr, ist bloß noch einer übrig. Einer ganz allein. Wo der andere abgeblieben ist, weiß ich nicht.

----- Original Message -----
From: "Evgenij Dvorkin"
To: "Leonhard Lorek"

Ach, allein bin ich doch auch. Egal, ich mach's mir bequem. Weiß überhaupt nicht, ob ich vor morgen noch über den Teich komme. Die Musik bringt mich jedenfalls in angenehmere Gefilde. Definitiv! Da gibt es keine Menschen, da gibt es keinen Ärger, und noch besser: Da gibt es keine Schwerkraft. Ich fliege! Von oben sehen Alltag und Hektik ganz harmlos aus.

----- Original Message -----
From: "Leonhard Lorek"
To: "Evgenij Dvorkin"

Ähm: Hörst Du dieselbe Musik wie ich? Ich habe hier 13 Minuten und 6 Sekunden "Coromandel" auf den Boxen! Abgründe tun sich auf, zwischen Steilwänden. Da kann einem schwindlig werden. Hat was! Absolut! Müsste man sich live antun, das Stück, schon wegen der Bässe. In MP3 funktionieren die nicht wirklich. Die Oliven funktionieren übrigens auch nicht, weil: Von irgendetwas ist da eine Spur zu viel drin. Lorbeerblatt? Ich mach jetzt einen Malbec auf. Prost! Auf die Schwerelosigkeit! Mendoza - Argentinien - steht auf dem Etikett. Ist zwar auch nicht das ideale Begleitgetränk zu marinierten Oliven, passt aber besser als ein Cabernet Sauvignon.

----- Original Message -----
From: "Evgenij Dvorkin"
To: "Leonhard Lorek"

Leonhard, mein lieber, was soll denn da zu viel sein? Da ist nix zu viel. Die Gitarren hämmern mir Bolzen in die Stiefel rein. Kein Entkommen! Raum und Zeit sind zweitrangig. Ich hab da einen Schimmer auf der Haut. Raumschiff Coromandel goes far out into the space!

----- Original Message -----
From: "Leonhard Lorek"
To: "Evgenij Dvorkin"

Evgenij, das "zu viel" bezog sich auf irgendeine – ich weiß noch nicht welche – Aromanuance der Oliven, nicht aber auf die Musik. Apropos Coromandel: Ist das was zum Essen? Und apropos Argentinien: Lass doch Deinen Fug über Mendoza umleiten :) Dort wartet man auf weicheren Stühlen, hab ich mir sagen lassen! Und Tebori haben sie auch da. Hör mal rein.

----- Original Message -----
From: "Evgenij Dvorkin"
To: "Leonhard Lorek"

Leonhard, Coromandel ist eine Insel. Versuch Du mal eine Insel zu essen, mit Steilklippen dran. Sturmwarnung! Sturmwarnung! Mir wird’s zu eng auf dem Eiland hier. Diesen Sturmregenschauermist will ich nicht mehr. Zugegeben: So ein seltenes Exemplar des Debütalbums von MSS hätte ich noch besorgen sollen. 70er Auflage! Aber. Mendoza? Argentinien? Klingt sehr gut.

----- Original Message -----
From: "Leonhard Lorek"
To: "Evgenij Dvorkin"

Tebori klingt auch gut. Auch elektrische Sphären, aber anders als die australischen. Und ohne Gitarren. Der hatte lange nur ein Stück im Player. Jetzt sind es immerhin zwei. Fragiles Zeug, porös, luftdurchlässig. Das könnte auch aus Japan kommen, hat so ganz und gar nix von Maradonna. Ich meine: Ist überhaupt nicht vorlaut.

----- Original Message -----
From: "Evgenij Dvorkin"
To: "Leonhard Lorek"

Luftdurchlässig? Luft brauche ich nach einer solchen Reise bestimmt. Ein argentinischer Nachmittag würde mir jetzt gefallen. Raus in die Weite: Ich, zusammen mit dem Malbec vom Duty Free! Mal nach einem ruhigen Plätzchen zum Picknicken umschauen. Danach Weinlesefest in Mendoza! Neben den besten Weinen des Landes soll es hier Tanz, Weib und Gesang rund um die Uhr geben, steht in der Touristenbroschüre. Jedoch einzig und allein der liebe Gott weiß, wie ich dort hinkommen soll. Puta madre!

----- Original Message -----
From: "Leonhard Lorek"
To: "Evgenij Dvorkin"

Ja Evgenij – träum schön! Weinlese im Januar - ich bitte Dich.

----- Original Message -----
From: "Evgenij Dvorkin"
To: "Leonhard Lorek"

Du kannst einem auch alles verderben! Stimmt. Hab gegooglet: Im März erst gibt's in Mendoza den nächsten Weinlese-Termin. Mein Gott, ist das hier still. Du wirst es nicht glauben - ich kann Tebori nicht mehr von meinem Atem unterscheiden. Ja, auch Klänge kann man einatmen – probier mal! Der Atem ist etwas windig und: ähm, zitronig! Ein bisschen bitter! Ich weiß es jetzt: Wir haben zu viel Zitrone zwischen die Oliven gelegt. Das wird es sein.

----- Original Message -----
From: "Leonhard Lorek"
To: "Evgenij Dvorkin"

Stimmt! Das Weiße, diese Wattierung der Zitronenschale, macht den bitteren Beigeschmack aus. Respekt! Du hast sensible Geschmacksrezeptoren! Und das als Raucher. Ich hab mal kurz nachgesehen: Der nächste Flug in Richtung Europa geht nach Moskau. Ab in die (k)alte Heimat Herr Dvorkin! Sei tapfer. Sag mal, was heißt denn "Puta madre" überhaupt?

----- Original Message -----
From: "Evgenij Dvorkin"
To: "Leonhard Lorek"

VERDAMMTE SCHEISSE heisst das. Ich hier: Mit leeren Taschen vor leeren Flaschen. Herrgottnochmal. Und Du schickst mich nach Moskau! Hast Du sie noch alle? Vom Busen der Natur – an den kalten Arsch der Welt! Wo bleiben da die Sirenen? Außerdem kostet in Moskau eine Nacht im Hotel mehr als ein Kleinwagen in Köln. Ich will jetzt Oliven essen!

----- Original Message -----
From: "Leonhard Lorek"
To: "Evgenij Dvorkin"

Apropos Köln: Ich fürchte, das wird wirklich eine Odyssee für Dich. Von Moskau nach Köln dauert's ewig Evgenij. Immerhin: In Berlin sitze ich im Trockenen vor dem Monitor. Ich kann Dir die Navigation besorgen, mit dieser Argonauten-Ration auf dem Teller. Als Proviant für unwägbare Reisen hat sich das Zeug übrigens bewährt: Oliven, Schafskäse. Nur Baguette werden sie nicht eingepackt haben, die Argonauten. Bei der Odyssee hatten sie dann dasselbe Zeug dabei. Und dazu auch noch reichlich Wein. Beim Polyphem beispielsweise.

----- Original Message -----
From: "Evgenij Dvorkin"
To: "Leonhard Lorek"

Oliven in Moskau? In was für einer Tradition stehen wir denn? Hm, in Moskau kenne ich nicht einmal warme Schlafplätze – jedenfalls nicht solche, die ich mir leisten kann – außer Lenins Mausoleum vielleicht. In St. Petersburg stehen die Sterne allerdings besser: MySpace - Wialenove hätten wir da. Er und seine Traumklänge erinnern mich an das, was die deutschen Labels Ohr und Pilz in den 70ern produziert haben: Sterntaler, abseits von Raum und Zeit.

----- Original Message -----
From: "Leonhard Lorek"
To: "Evgenij Dvorkin"

Nix da mit Ausflug nach St. Petersburg! Ich lots Dich an den Sirenen vorbei. Hab grad die Seite von Wialenove durchgehört. Von wegen: großes Russland, weites Russland – das reicht dem gar nicht. Alexey greift nach Galaxien, Quadranten. Und nicht nur er. Da sind noch andere mit von der Partie. Wieso ist denen denn Russland zu klein? Eine Odyssee ist dazu da, nach Hause zu finden, Evgenij. In den Wialenoveregionen verläufst Du Dich aber, glaub's mir. Also: in Moskau umsteigen, sofort.

----- Original Message -----
From: "Evgenij Dvorkin"
To: "Leonhard Lorek"

Sofort? Das geht nicht. Leonhard – ich hab so meine Traditionen. Will heißen: Letztes Jahr war ich in Paris um mir den Stockhausen anzuhören. Dort wollte ich im Louvre pinkeln gehen, um der Stadt etwas von mir zu geben. Nicht immer nur "nehmen" – nein, nein, so einer bin ich nicht! Ich gebe gern. In Moskau dieselbe Geschichte, genau jetzt. Ich frage mich allerdings, ob ich bei den ortsüblichen Klo-Eintrittspreisen noch genug Kleingeld für den Weiterflug übrig behalte. Unmarkiert verlasse ich das Revier jedoch nicht! Bin dann mal weg.

----- Original Message -----
From: "Leonhard Lorek"
To: "Evgenij Dvorkin"

Ja! Immer daran denken, dass keine Flüssigkeiten mit an Bord dürfen. Ähm, Evgenij, gibt es mittlerweile schon Körperflüssigkeitsscanner auf Flughäfen? Es ist auch sehr tapfer von Dir, dass Du keine 100 Gramm kippst in Moskau. Der Argonaut als solcher hält sich nun mal an die klassische Diät: Wein, Käse, Oliven.

----- Original Message -----
From: "Evgenij Dvorkin"
To: "Leonhard Lorek"

Wieder da! Junge Junge, in diese Moskauer Toiletten möchte man als deutscher Student ja fast einziehen. Keine Sau und keine Sauereien drin! Die sind so teuer, dass sie sauberer sind als frisch geleckte Katzenärsche! Übrigens: Wenn es auf dem Moskauer Flughafen Körperflüssigkeitsscanner gäbe, würden diese mehr Radau machen, als alle Jamba Spar-Abos zusammen! Wie soll man's im Ausland auch aushalten, ohne Wodka, als Russe? Ich glaube, das bringe bloß ich fertig. Ach, was soll's: Lass uns zur Abwechslung Acid schmeißen! Guck mal: My Acid EyE – Valencia, Kalabrien! Oliven!

----- Original Message -----
From: "Leonhard Lorek"
To: "Evgenij Dvorkin"

Bella Italia! Ja! Kriegen wir hin, wenn auch nicht ganz odysseetauglich, weil: Die Jungs aus Ithaka kauten, wie zuvor die Argonauten, griechische Oliven und griechischen Schafskäse. Aber egal! Hauptsache Olivenhaine bis zum Horizont! Und Thymianfelder. Und Lorbeerbäume. My Acid EyE lässt sich übrigens erstaunlich gut in Wialenove hineinmixen, oder auch heraus. Hätte ich nicht gedacht. Dabei hört sich sein erstes Stück an, als würde sich eine Brummiladung frisch gefällter Weihnachtsbäume vom Wald verabschieden. Ergreifend. Evgenij, wir können uns aber gern in einer Jahreszeit, die warm ist – womit wir wieder beim Thema wären – das große weite Russland von Alexey noch mal ganz in Ruhe antun. Übrigens: Er und seine Freunde sind alle bei ein und demselben Net-Label.

----- Original Message -----
From: "Evgenij Dvorkin"
To: "Leonhard Lorek"

Ja, lass uns die kosmischen Russen für später aufheben. Jetzt: Punktlandung bei Marcello aka My Acid EyE. Wenn Rock und House Musik amalgamieren, dann darf das gerne genau so klingen. Sehr verspielt! Außerdem macht er aufregende Bleistiftzeichnungen und fotografiert. Aber irgendwas fehlt mir, irgendwas fehlt mir! Ich weiß es: Bier! Mir fehlt Bier. Die Italiener haben schöne Menschen, schöne Architektur, leckeres Essen, wunderbar tanzbare Musik - aber Bier haben sie nicht! Nein! Vor ein Paar Ewigkeiten habe ich sehr leckeres tschechisches Bier getrunken. Wie hieß denn das Zeug? Hm.

----- Original Message -----
From: "Leonhard Lorek"
To: "Evgenij Dvorkin"

Wie "Wie hieß es denn, hm?" Wahrscheinlich war's Budweiser; ich meine nicht Bud aus dem Amiland, ich meine das echte, wahre, satte, tschechische Budweiser. Auf jeden Fall wird es irgendein Pils gewesen sein. Etwas Anderes kommt gar nicht in Frage. Und wer hat's erfunden, das Pilsner, hm? Evgenij, einen direkten Flug finde ich aber grad nicht. Du müsstest via Prag in westböhmische Regionen. Übrigens: Ein Herr Sladovník hat in Pilsen schon 1520 Bier gebraut. Das war ganz übles Zeug. Die Bürger von Pilsen haben's geschluckt, dreihundert Jahre lang! Tapfer, sehr tapfer! Dann aber haben sie aufgemuckt, kräftig in Bier investiert und das Pilsner kreiert. Jawohl! Ähm, wie alt ist eigentlich Gustav Tutre?

----- Original Message -----
From: "Evgenij Dvorkin"
To: "Leonhard Lorek"

Ich kann Dir nicht sagen, wie alt er ist. Guck ihn Dir an, in Röntgen: Ein Kind der nuklearen Welt! Die flüchtige Erinnerung an Erinnerungsverlust. Die Hoffnung, der vermessene Versuch, alte Zeiten zu beleben. Ach Europa! Vermessen schön! Irgendwas Religiöses haben Gustavs Fleischklänge schon. Sie schneiden sich vor, bis unter die Haut und dann in die Arterien: Puls! Kontrarhythmisch. Hat Prag eine Mitte? Gustav kommt ohne Mitte aus. Leonhard, ich bin in Prag! Pragmatisch wie ich bin, muss ich auf andere Gedanken kommen. Ich gehe mal aus und suche nach dem Bier, an dessen Namen ich mich nicht erinnern kann.

----- Original Message -----
From: "Leonhard Lorek"
To: "Evgenij Dvorkin"

Nein. Nur das nicht! So wie ich Dich kenne, wirst Du alles Tschechische durchprobieren. Alles! Und dann: willkommen im Nirwana! Obwohl: Bei der Gelegenheit kannst du mal testen, ob Deine Mitgliedsbeiträge beim Arbeiter Samariter Bund gut angelegt sind. Die versprechen ja, einen aus jedem - egal wie tiefen - Loch dieser Welt herauszuholen und sicher heimzufliegen. Andererseits: Evgenij, ein wahrer Argonaut trinkt kein Bier! Und auch keinen Slibowitz, nicht einmal in der goldenen Stadt.

----- Original Message -----
From: "Evgenij Dvorkin"
To: "Leonhard Lorek"

Hat etwas gedauert. Bin Dionysos begegnet, bin durch die goldene Stadt getautorkelt, voll vergeistigt. Ja, war schön: Prag bei Nacht. Irgendwo hat mich der Gott dann abgehängt und – ich hab in einer Bankfiliale übernachtet. Allein, ganz irdisch. Ja Leonhard, warm war es vor den Geldautomaten und ruhig, wie auf einem Moskauer Klo. War übrigens die Deutsche Bank, wo ich geschlafen hab. Banken sind jetzt wie die Kanarischen Inseln in der Vorsaison: menschenleer! Gustavs apokalyptische Klänge waren übrigens Vorboten: Muss nach so knapp dreißig Anläufen tatsächlich das gesuchte Bier erwischt haben. Ein tiefes schwarzes Loch, irgendwo in den Weiten meines Gehirns, hat allerdings meine Erinnerung an den Namen wieder eingesaugt. Sag mal: Kafka und Schwejk – sind die beide aus Prag?

----- Original Message -----
From: "Leonhard Lorek"
To: "Evgenij Dvorkin"

Frag doch Gustav! Oh, stopp! Geht gar nicht. Wohnt nicht mehr in Prag. Hab ich soeben erst gesehen. Ist umgezogen. Ähm: Wie kommst Du überhaupt auf Kafka und Schwejk? Wegen Tutres bizarren E-Gitarren? Da ist Gustav nicht alleine! Wialenove hatte auch mal ein Stück mit E-Gitarren im Player. Ist jetzt aber raus. Und Herr Mirrored Silver Sea bringt Coromandel. He hallo Evgenij, pass mal auf: Du hast da eine Entdeckung gemacht: Die E-Gitarren erobern den elektrischen Sektor! Na ja: den neueren meine ich. Reisen bildet; wer sagt's denn! Womöglich hast du einen Trend aufgespürt: Die bizarre E-Gitarre beim Elektroartisten des frühen 21sten Jahrhunderts. Darf ich jetzt Herr Humboldt zu Dir sagen? Willst Du gleich nachhause und es dem Kaiser erzählen?

----- Original Message -----
From: "Evgenij Dvorkin"
To: "Leonhard Lorek"

Alles Beckenbauer erzählen? Oder sprichst Du vom wahren Kaiser, von dem aus Japan? Hat der Kaiser dem Humboldt überhaupt zugehört? Ich bin hin- und hergerissen! So muss es Mog Vogel auch gehen. Sie scheint nämlich regelmäßig zwischen Tokyo und Berlin zu pendeln. Ihrer Musik merkt man von der Hektik allerdings nichts an. Sehr weiblich, etwas jazzig und vor allem: liebevoll. Musik zum Einfach-Nur-So-Daliegen und Träumen. Ein Blumengarten mit vielen Aromen: Afrika, Asien, Europa, Amerika. Da muss man sich doch einfach hinlegen, Oliven und Schafskäse naschen und lauschen.

----- Original Message -----
From: "Leonhard Lorek"
To: "Evgenij Dvorkin"

Ist machbar: Du kannst Dich im botanischen Garten ausstrecken. Oder anders: Wenn Du jetzt in Prag losfliegst, bist Du um 20:40 Uhr in Berlin-Tegel. Letzter Weiterflug nach Köln-Bonn ist 20:30 Uhr. Pech gehabt. Oder auch nicht! Du brauchst von Tegel bis zum Mehringdamm in Kreuzberg 32 Minuten mit der U-Bahn. Ich hol Dich ab und wir gehen in die Haifischbar: Durchmachen, bis morgen früh, bis der nächste Flieger geht. Du bist doch gut im Training. Hinlegen kannst Du Dich dann in Köln.

In Berlin hätten wir auch alles beisammen: In der Haifischbar gibt's eine Sushi-Theke. Die Sushi löschen wir aber nicht mit Pflaumenwein ab, sondern mit einem sauberen tschechischen Slibowitz. Das mit den Pilsnern lassen wir bleiben, stattdessen können wir uns die Nacht über durch die Cocktail-Karte zappen; wir nehmen den "Argentine Julep" nicht mit Brandy, sondern mit Wodka und stoßen auf die russischen Weiten an und auf das Universum. Ich steck noch ein Paar von unseren Oliven ein – die schmeißen wir zwischendurch. Bella Italia! Und was Australien angeht: Als Schwimmer kennst Du ja die Legende, wonach Australier vor allem deshalb so olympiatauglich sind, weil ihnen die Trainer Angst einjagen, im Becken wären Haie hinter ihnen her. Also: Haifischbar! Schließlich bist Du Sirenen entwischt. Wie sieht's aus, passt Dir das?

----- Original Message -----
From: "Evgenij Dvorkin"
To: "Leonhard Lorek"

Einverstanden! Einverstanden! Vor allem: Ich will jetzt endlich an die Oliven ran! Und: Der Espresso vom Flughafen knallt ordentlich – bin putzmunterflinkmäuschenwach! Aktives Hirn: Mir fallen die Märtyrerstühle in Melbourne wieder ein - geprägt haben sie mich, geprägt! Und dann diese Wiese in Mendoza. Übrigens: Irgendwann bringe ich einen Welttoilettenführer raus, Moskau war somit eine wichtige Station - kommt zu den Akten. Recht hast Du: Reisen bildet. Die Olivenhaine hab ich allerdings verpasst. Dafür aber: Exzess in der Kaiserstadt! Hat gut getan, der Schlaf in der Bankfiliale. Mit Mog Vogel werde ich jetzt bis Berlin schweben. Ich hab Heimweh Leonhard!

----- Original Message -----
From: "Leonhard Lorek"
To: "Evgenij Dvorkin"

Und ich hab Oliven!


NOCH EIN NACHSATZ: DIE EINGABEMASKE FÜR DIESE KOLUMNE ERLAUBT NUR EINEN EINZIGEN KÜNSTLERLINK. DARUM STEHT AN DIESER STELLE JETZT DER LINK ZUR TAFELMUZAK-MYSPACE-SEITE. ALLE SECHS KÜNSTLER WURDEN GEBETEN, SICH AN DIESER STELLE ALS "FREUNDE" EINZUFINDEN.
 
Kόnstler: Mirrored Silver Sea, Tebori, Wialenove, My Acid EyE, Gustav Tutre, Mog Vogel
http://www.myspace.com/TafelMuzak
 
Rezept
 
Zutaten
 
Marinierte Oliven

800 g Schwarze Oliven, in Salzlake eingelegt
1 unbehandelte Zitrone
2 Knoblauchzehen
2 Lorbeerblätter getrocknet, oder 6 frische
Chilischoten
Olivenöl
Thymian
Rosmarin
Salbei
Basilikum
Petersilie
 
Zubereitung
 
Die Oliven in einem Sieb über Nacht gut abtropfen lassen, falls sie zu salzig sind: vorher mit Wasser abspülen.

Die Knoblauchzehen in sehr kleine Stücke schneiden.

Die Zitrone in Stücke zerschneiden, die in etwa die Größe von Würfelzucker haben. Wer den leicht bitteren Beigeschmack vermeiden will, presst die Zitrone aus und schabt mit einem Reibeisen etwas Schale ab.

Den fein geschnittenen Knoblauch und (falls keine Zitronenstücke verwendet werden) Zitronensaft sowie Zitronenabrieb zwischen die Oliven mischen.

In passende Schraubgläser schichtweise Oliven, reichlich Kräuter, Chilischoten und Lorbeerblätter legen. Falls die Zitrone vorher nicht ausgepresst wird, gehören Zitronenstücke ebenfalls hinein.

Die Anzahl der Chilischoten und die Kombination der Kräuter bleibt dem individuellen Geschmack überlassen.

Anschließend Olivenöl hineingießen, bis die Oliven bedeckt sind.

Die Schraubgläser verschließen und mehrmals langsam wenden, bis alle Luftblasen zwischen den einzelnen Schichten entwichen sind.

Nach etwa 2 Monaten kühler Lagerung sind die Oliven reif für den Verzehr.