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| Almgedudel: Pressack mit Musik |
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| TafelMuzak Nº 086 von Philipp Steglich | ||
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Alpenhain. Hochgebirge. Knirschender Schnee. Bergauf gehts zum Adlerhorst. „Das ist jetzt aber kein Deckname für einen NS=Wehrmachts=Gefechtstand. So ala 'hallo Adlerhorst, hier Wolfsschanze'?“ „Nein, nein. Das sind nur ein paar Handlanger eines deitschen Alpenvereins, die hier im Österreichischen die Wanderer versorgen. Die Leute, die es herauszieht aus ihrem bürgerlichen Elend: Für die einen ist es ein Gamsbart, für die anderen der Irokesenschnitt. Hauptsache ein Puschel.“ Hans war gar nicht einverstanden mit der Diskussion: „Du Spießer! Hauptsache ist doch, da oben bewegt sich was!“ Sprach das Machtwort.Und ja, wir bewegen uns hinauf. Serpentinen. Immerhin: wenn man sie erwandert, muss man nicht so kotzen wie beim Autofahren. Also ungetrübte Freude angesichts der Postkartenlandschaft. Tannen. Da, dort. Da auch. Schau, gell! Und so umstehen uns die Tannen. Oder Kiefern. Man steckt ja nicht drin, in diesem Walddings. Wir sind ja nur urlaubende Städter mit einem gewissen Spleen. Irritation. Reflexion. Was wollen wir nur hier? Aber der angeleinte, kackbraune Hund treibt uns keuchend weiter. Ins Gebirg hinein. Ein Höhenmesser zeigt uns das eigene Fortkommen an. Den Schildern am Wegesrand wissen wir nicht zu trauen. „Adlerhorst / 20 Minuten“ etwa. Das ist natürlich Narretei. Bewusst natürlich geben sie ein äußerst relatives Maß an. Wanns länger dauert, war man halt zu lauffaul, mag es gemütlicher. Aber mit uns Hungrigen können Sies ja machen, weil: weit und breit keine konkurrierende Garküche am Wegesrand. In Asien eben nicht möglich! Wobei: die haben auch einsame, bizarre Berglandschaften und sogar Gondellifte, diese zu erkunden. Da machen sich dann auch die Garküchen rar. Und so: In jedweder Kehre ein weiteres Stoßgebet, hoffentlich haben sie offen! Und dann kommt: das Licht. Also Sonnenterrasse und Sonnenschein und Gasthaus gleichzeitig. Und Blick ins Tal, großartig. Und ein schielender auf die Speisekarte. Da kann man auch schonmal tagsüber trinken, das goldene, das güldene Nass. Auch: was ist das für ein Blau, welche Luft? Ein synästhetisches Erlebnis, alles so scharf und klar. Wie in einer anderen Dimension. Schrecklicher Verdacht: Ist man etwa gar dem Oberförster ins Garn ...? Aber nein, die jüngere Bedienung schlurft ehrlich herbei. „Fräulein Ober, was ist denn 'Pressack mit Musik'?“, fragt Hans. Aha, also eine Sülze mit rohen Zwiebelringen in Essig. Das nehmen wir zwomal. So 'Handkäs mit Musik' das kennen wir aus Frankfurt. F/Main natürlich. Wir essen nur, was wir kennen. Gerade auch im Ausland. Und wirklich eine solch schöne Komposition: Feiner, aber handgemahlener Pfeffer über dem sauren und saftigen, sulzigen Schweinskopf. (Man möchte die eigene, erhitzte Stirn hineintauchen, ein wenig baden. Gewiss, dass das Linderung verspräche ...) Dazu heute keine Bratkartoffeln, doch Brot mit Koriandersamen. Biblisches Gewürz, das. „Historisch belegt!“, sagt Hans und akklamiert fortan eigene Apokryphen. Auf Fliesen ins Gasthaus. Hinter der Eingangstür findet sich ein Mobile, dessen Klang den Eintretenden verrät. Aber keine Glockenstäbe schlagen hier, sondern Stoffbollen an die Saiten einer kleinen, senkrechten Zither. Ganz manierlich, diese Miniatur. Oh Alpenland. |
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| Künstler: Acetobacteraceae http://de.wikipedia.org/wiki/Acetobacteraceae |
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| Rezept | ||
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| Zutaten | ||
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| 400g guter Pressack (oder Sülze) vom Metzger des Vertrauens 2 weiße, feste Zwiebeln in ordentliche Ringe geschnitten ca. 200 ml guter Weißwein-Essig ca. 4 EL Öl 1 Prise Zucker handgemahlener, schwarzer Pfeffer Salz Sauerteigbrot (für zwei Personen) |
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| Zubereitung | ||
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| Die Sülze rechtzeitig aus dem Kühlschrank nehmen, dass sie nicht zu kalt ist. Dünn (ca. 0,5cm) aufschneiden und auf den Tellern anrichten. Darauf großzügig die Zwiebelringe verteilen. Aus Essig, Öl, Zucker, Salz und Pfeffer eine Marinade herstellen und darübergeben. Abschmecken! Dazu Brot und Bier reichen. Toll an lauen Sommerabenden. Aber auch sonst. Wohl bekomms. |
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