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Grußwort zur Verbrecherparty, 25.11.2006
Von Jürgen Kiontke
 
Liebe Anwesenden, lieber Jörg, lieber Werner,
ich kann heute leider nicht bei euch sein; mein schweres gesundheitliches Leiden führt mich an einen sehr schrecklichen Ort. Für dieses Mal sei gesagt: Es ist eine kleine hässliche Insel inmitten des Atlantik, deren grässliches Klima laut Arzt gut für mich sein soll - es herrschen dort fürchterliche 28 Grad im Schatten, die Sonne scheint den ganzen Tag durch die grausamen Palmen, das Wasser schwappt mit brutalsten 25 Grad ans Ufer. Hoffen wir, dass ich die nächsten zwei Wochen überstehe.
Liebe Anwesenden, lieber Jörg, lieber Werner,
weil ich selbst nicht dabei sein kann, gestattet mir ein Grußwort! Denn ich habe schon viele schöne Stunden mit dem Verbrecher Verlag zugebracht. Ihr müsst wissen: Es gibt nichts Schlechtes am Verbrecher Verlag. Alle Menschen, die dort tätig sind, sehen toll aus und sind superfreundlich. Vor allem die Autoren!
Jedes einzelne Buch, in dem mein Name steht, ist dort auf ein rotes Samtkissen gebettet und wird mehrmals am Tag freundlich angesprochen und gelobt. Man kriegt dort nie geschimpft oder bekommt gehauen. Und nicht nur das: Überall auf der Welt wird einem die Tür aufgehalten. Man darf immer das Teuerste auf der Karte bestellen - denn man bezahlt mit der Golden Verbrecher Express Card (ohne Limit). Gegessen wird selbstverständlich von teuersten Tellern. Egal, wo man sich zeigt: Man darf immer ausreden und wird als Erster drangenommen. Zeitungen drucken große Bilder von einem und schreiben die dollsten Sachen.
Der Verbrecher Verlag hat die schönste und beste Buchgestalterin der Welt. Wer beim Verbrecher Verlag veröffentlicht, genießt besten Schutz: Gern erinnere ich mich, wie mal eine Zeitung mein Buch rezensiert hat, wo der Kritiker Sachen geschrieben hat, die nicht ganz stimmten bzw. uns nicht richtig gut gefallen haben, also wo wir uns jetzt nicht so gefreut haben, als wir das gelesen haben. So schlimm war`s jetzt nicht, aber man hätte es auch durchaus schöner machen können, ich hätte ja fast drüber hinweggesehen, wenn Werner und Jörg jetzt nicht gesagt hätten, das ist jetzt nicht sooo gut; also eigentlich war's nur ne Kleinigkeit. War denen aber egal.
Sofort fuhren Jörg und Werner los, schnappten sich den für diese Sauerei verantwortlichen Täterredakteur und zogen ihn ohne Rücksicht auf Verluste zur Rechenschaft, auch wenn er noch ganz neu im Job war. Sie hörten auch nicht auf zu treten, als er schon richtig zermatscht am Boden lag. Jörg zerquetschte mittels seiner 120 Kilo Erdanziehungskraft, im Kontaktbereich gekleidet in Springerstiefel, die Organe, von denen unsereins nur hinter vorgehaltener Hand spricht - also, Luft holt man damit nicht -, auf dem Fußboden, während Werner auf dem Ende stand, wo man die Luft mit holt. Anschließend übergossen sie die ganze Bescherung mit einer äußerst langsam brennenden Chemikalie, das war sehr interessant, den Namen dieses Stoffes hab ich jetzt leider vergessen, und zündeten sie das Ganze an. Das muss unvorstellbar weh getan haben. Der Typ soll auch gesagt haben, dass er große Schmerzen hat, sogar ziemlich laut, das haben die Leute gesagt, die drei Straßen weiter wohnen.
Dann riefen sie mich an und sagten, ich könnte jetzt vorbeikommen , es wäre alles vorbereitet zum Ohrenlangziehen. Hab ich dann auch gemacht und wurde dementsprechend gelobt vom Werner und vom Jörg. Der Typ brannte dann noch drei Wochen vor sich hin. Wenn`s mal wieder Ärger gibt, sag uns ruhig Bescheid, meinten die beiden. Wir kommen dann und helfen dir. Da hab ich mich gut aufgehoben gefühlt. Neulich ist mal irgendwo eine Brücke eingekracht, da sind die dann hingeflogen und haben das wieder in Ordnung gebracht und die herabstürzenden Menschen vor dem sicheren Unfalltod bewahrt - so verbringen die ihre Freizeit.
So ist es gerecht, so entsteht die große Literatur. Was soll ich anderes sagen: Ich arbeite gern für den Verbrecher Verlag. Im Verbrecher Verlag ist den ganzen Tag eitel Sonnenschein. In den Büros ist immer kreative Stimmung eingeschaltet und die Luft vor Liebe rosa. Die Praktikantinnen sind wunderhübsche Wesen mit drei Doktortiteln, genau wie die Praktikanten. Wenn einem nichts mehr einfällt, schreiben die dann was oder helfen einem. Kostet nicht mal ein Butterbrot. Das ist optimale Betreuung. Es ist so schön da, dass dort selbst jede Topfblume schon mindestens eine Miss-Wahl gewonnen hat.
Dumm ist nur: Als Verbrecherautor kann man leider nicht oft an diesem schönen Ort verweilen, die Booking-Abteilung verschafft einem ja mindestens 150 unglaublich gut bezahlte Lesungen pro Jahr, und das ausschließlich in großen Hallen, ach ja. Da können die anderen Verlage nur von träumen.
Noch eine kleine, andere Einschränkung gibt es. Wenn man beim Verbrecher Verlag veröffentlicht, das sollte man wissen, bevor man ein Manuskript einschickt, muss man einen Führerschein haben - denn sonst kann man den Dienst-Ferrari nicht fahren. Oder man hat eine Allergie gegen Gold. Das wäre dann ganz schön blöd? Aber mit solchen Dingen kann man leben, denke ich.
Liebe Anwesenden, lieber Jörg, lieber Werner, ich wünsche euch und eurem Imperium - und mir erst - für eure Party und die nächsten tausend Jahre alles Gute! So lieb gehabt werdet ihr von eurem Autor

Jürgen Kiontke