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| Bad Dates | |
| Von Sarah Schmidt | |
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| Ausschnitt aus der Geschichte ?Ruf mich an!? Ein paar Mal im Jahr habe ich das große Bedürfnis mein Leben komplett neu zu ordnen. Das funktioniert am besten mit einem System. Meines basiert auf Sammelschachteln. Dazu verteile ich Schachteln an strategisch wichtigen Stellen in der gesamten Wohnung, werfe wochenlang alles hinein, was im Alltag anfällt, aber stört. Schon herrscht die Illusion von Ordnung in der Wohnung. Wichtig ist es, die Kisten groß und deutlich zu beschriften und abzustauben. Vor einigen Wochen war es wieder einmal soweit - ich schaute in diese Kisten hinein. Diesmal hatte ich mir zwei Kartons vorgenommen. In dem einen sammelte ich unbezahlte Rechnungen, in dem anderen alte Liebesbriefe. Ich sah mir zwei Rechnungen kurz an, dachte: ?Oh Mann, oh Mann, wie soll ich das nur alles bezahlen??, dann legte ich schnell eine neue Kiste an, beschriftete sie mit ?Abwarten?, und verstaute sämtliche Rechnungen darin. Danach kramte ich zur Entspannung und Ablenkung in den alten Liebesbeweisen. Dabei fand ich einen kleinen, längst vergilbten Zettel, auf dem stand: ?Hallo Sarah! Ruf mich bitte nie wieder an! Lutz.? Sonst nichts. Das Wort ?Bitte? war mehrfach unterstrichen. Wer war noch mal Lutz? Ich musste eine Weile überlegen, denn ich habe es mir in den vergangenen Jahrzehnten mit einigen Männern verdorben. Plötzlich wusste ich es wieder. Oh, Gott. Es hatte schon seinen Grund, warum ich Lutz Bodorowski vergessen wollte. Er war mein privates Armageddon, meine Titanic, mein totales und absolutes Versagen. Denn Lutz wollte mich nicht. In keiner Hinsicht. Ich war 15, er 17 und ich konnte nicht fassen, dass ich abgewiesen wurde. Ich meine: ?Ich war schließlich ich! Bezaubernd. Gutaussehend. Charmant. Unwiderstehlich! Hast du gehört? Na bitte, dann verhalte dich auch entsprechend!? ? so dachte ich in meinem jugendlichen Selbstbewusstsein und machte mich an ihn ran. Er übersah mich. Ich schrieb ihm Briefe. Er zeriss sie. Ich weinte. Er lachte. Also beschloss ich zu sterben und legte mich nachts auf die Schmargendorfer Hauptverkehrsstraße, um mich überfahren zu lassen. Nach einer Viertelstunde stand ich wieder auf, denn kein einziges Auto kam und mir wurde langweilig. Ich hasste Schmargendorf. Lutz liebte den Bezirk. Dann wurde ich renitent. Ich rief ihn an. Oft. Sehr oft. Irgendwann schließlich bekam ich diesen kleinen, blöden Zettel von ihm zugesteckt und begriff, es war hoffnungslos. Ich kann allerdings nicht gut verlieren. Grade in so wichtigen Fragen wie Liebe sehe ich überhaupt nicht ein, warum ich verlieren können sollte. Daher vergaß ich ihn einfach. Das war nicht allzu schwer, denn direkt neben unserer Wohnung befand sich ein Lehrlingsheim, in dem rund neunzig einsame Jungen im besten Alter wohnten. Ein dankbares Gebiet, um Liebeskummer zu vergessen. Bald darauf zogen wir aus Schmargendorf weg und mein Leben wurde wirklich schön. Jetzt aber saß ich in meinem Zimmer mit diesem Brief in der Hand. ?Ruf mich bitte nie wieder an!? Na, der war ja wohl ein Spinner! Wann und ob ich anrufe, das bestimme immer noch ich. Ich schnappte mir das Telefonbuch und fand seinen Namen sofort. ?Ja hallo Lutz, hier ist Sarah.? (...) |
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