![]() Verbrecher Verlag |
|
| Startseite |
|
| Verlagsprogramm (mit Bestellfunktion) Belletristik Sachbuch/Politik Stadtbücher Kunst/Comic Schnäppchen Vorschau/Vorbestellen T-Shirts CD / DVD Warenkorb |
|
| vergriffene Titel |
|
| Verbrecherversammlungen |
|
| Lesungen |
|
| Textarchiv |
|
| AutorInnen |
|
| Newsletter |
|
| Tafelmuzak |
|
| Links |
|
| Kontakt |
|
| Das aktuelle Programm zum Download |
|
| Krankhafte Lichtung | |
| Von Elfriede Czurda | |
| |
|
| Auszug aus der Erzählung ?Weißer Geruch? Sie weiß nicht, welcher Tag heute ist. Ihr Geburtstag. Sie erkennt mich nicht. Ich, die fremde Frau, lächle. Sie macht Anzeichen, die Augen zu öffnen. Ihre Mimik lächelt nicht. Ihre Haut ist steif wie unelastisches Plastik. Sie haben viel Haut transplantiert. Diesen Kampf muss sie alleine kämpfen. Es hängt von ihr ab, wie lange er dauert und wie er ausgeht. Das Koma kann dauern. Ungewiss, ob ein paar Tage oder immer. Ich, die fremde Frau, sehe sie durchs Sauerstoffzelt wie durch leicht bewegtes klares Wasser. Ihre schweren Lider hebt sie einen Spalt liegt unter einer Kuppel Glas mitten in makelloser Schneelandschaft bläuliche Schatten da und dort. Schwer die Lider schwer fallen zu riecht nach verbranntem Fleisch wie riecht in einer Landschaft voll Schnee nach verkohltem Fleisch? Sie hat brennende Schmerzen wie ein Sturz mitten in die Sonne als wäre sie mitten in die Sonne gefallen. Sie will hochfahren schreien eine Stimme existiert nicht ihre Stimmritze öffnet sich nicht richtig eine Art Grunzen entfährt ihrer Kehle. Sie schämt sich versucht noch einmal einen Laut hervorzubringen grunzt. Gegen ihre Müdigkeit versucht sie die Beine abzuwinkeln sich aufzusetzen aufzustehen kein Muskel regt sich an ihrem Leib ihr Wille hat sich von ihrem Körper getrennt. Diese Schmerzen sind schrecklich dieser Gestank ist grauenerregend sie will diesen Ort verlassen will auf der Stelle weg hier. Das motorische Leben ist von ihr gewichen sie liegt hier als ein von irgendwem irgendwo liegen gelassenes Ich das nichts über sich vermag sich nichts fragen kann wer wo warum dieser erbärmliche Zustand ein Herz schlägt ein Puls pocht eine Bauchdecke hebt und senkt sich. Sie kann nicht sagen wer sie ist wo sie ist woher diese jämmerliche Unbeweglichkeit sie kann nicht weg. Sie ist gefangen in einem Leib der schmerztder entsetzlich schmerztder neben ihrem Willen liegt nicht einmal ihre Lider gehorchen ist sie tot? Sie sieht schwache Konturen eines Bildes Glas Schnee Stille bläuliches Licht Abend- oder Morgendämmerung? Himmel, sie muss aufstehen. Um sieben muss sie am Flughafen sein. Es wird ein glühend heißer Tag. Der Asphalt schmilzt. Sie riecht es. Das Gras verdorrt, man kann es binnen Stunden von grün zu graugelb mutieren sehen. Teergeruch steigt in die flimmernde Luft.Verbrannter Gummi von Reifen. Jetzt, im Hochsommer, kommt sie leichter aus dem Bett als sonst. Aber sieben Uhr, das ist hart. Noch ist der Himmel bläulichweiß sie kommt von einer schlaflosen Nacht nach Hause ein hitziger Leib führt sie durch die Stadt verwechselt sich manchmal mit ihrem hitzigen Geist jagt sie von Ort zu Ort von Buch zu Buch von Bahnhof zu Bahnhof. Um acht geht das Flugzeug nach Amsterdam. Im Hotel Finn ist sie mit Adrian verabredet. Sie muss noch die roten Wollsocken in den Koffer tun. Jetzt gleich. Oder ist sie mit Fabian verabredet welches Jahr haben wir denn sind die Ferien zu Ende muss sie zurück in die Schule zu dieser widerwärtigen Handarbeitslehrerin die sie vor der ganzen Klasse verhöhnt weil sie nicht weiß was Paspeln ist wie man ein gestürztes Knopfloch herstellt? Eines Tages wird sie zurückkommen und sie von ihrem Handarbeitsthron stürzen ins handwerkliche Nirwana ohne Näh- und Häkelnadeln dort wird sie schmoren bis zum Jüngsten Tag und die restlichen Äonen am höllischen Reißwolf ausharren wo alle genähten Textilien der Welt zu Abfall gerupft werden jedes Knopfloch und jede gestürzte Naht zerstört und zerrissen bis in Ewigkeit. Sie liegt unter einer Kuppel aus Glas die sich spannt und bewegt im Wind und ein- und ausatmet Glas bewegt sich nicht im Wind. Doch sie sieht dass es atmet ist es vielleicht alles auf einem Floß im Meer und die Glaskuppel schwimmt auf eigenen Pontons aber wo um Himmels willen kommt so etwas vor dass eine Glaskuppel auf Pontons über ein Meer gleitet? Im weißen Schnee piepst kläglich und gleichmäßig wie ein Metronom ein Vogel dessen beide Augen grün aufleuchten und erlöschen aufleuchten und erlöschen und im Flug gezackte Linien schreiben in den schneeweißen Himmel alles so weiß wie Schnee so still wie eine verschneite Landschaft. In rasender Fahrt jagt sie den Hang hinunter ins Ziel hui! huiiii!!! jagen Blitze durch ihre Schläfen wie Vogelrufe wie das Flackern der bläulichen Blitze. Sie... wo ist der Brandherd brennt der Justizpalast der Reichstag der tägliche Brand eines so gespenstischen Palastes mitseinenKolossalstatuen mit seinen kolossalen Verhandlungen und Verkündigungen... die Bibliothek von Alexandria von Dubrovnik brennt Kiens Bücherschatz ihre eigenen Bücher ihre Fragen ihre Vermutungen ihre Recherchen? Sie riecht es brennt hier irgendwo es riecht verkohlt... verschmort hier hat Fleisch gebrannt Haut von Menschen und Haut von Büchern jemand ist in den Stromboli gesprungen! Ruft doch jemanden zu Hilfe hier hat Fleisch gebrannt Menschenfleisch! |
|