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Der 100 000 Euro Job
Von
 
Wie man 100.000 Euro bekommt und sie wieder ausgibt

Laborversuche ? ganz ohne Tiere
Arbeit kann man sich wie einen Maiskolben vorstellen. Sie besteht aus vielen kleinen Körnern, die alle zusammen ein großes Ganzes ergeben. Arbeit ist in bisschen langweilig. Das kann man ändern.
Gesagt, getan. Die 47 Projektteams beim 100.000 EURO JOB haben diesen Arbeits-Mais ins Ideenlabor getragen, Korn für Korn auseinandergepflückt und mit der Lupe gründlich untersucht.
In jedem Korn steckt etwas anderes, das Arbeit prägt: Ängste, Vorurteile, Wünsche oder Fragen. In einem besonders farblosen Korn findet sich beispielsweise die Arbeitskleidungs-Vorstellung von AnzugträgerInnen mit merkwürdigen Krawatten.
Im Rahmen des 100.000 EURO JOBs wurden die Körner dieses Arbeits-Maises an eigene Wünsche angepasst, aufpoliert, miteinander vermischt, weggeworfen und neu geformt. So konnte einfach die Vorstellung von grauen Zweiteilern hin zu CD-Röcken und ausgelatschten Sandalen verändert, oder der Angst vor Hartz IV mit Streicheleinheiten und mutmachendem Keksebacken begegnet werden.
In der Forschungs- und Testphase wurden hier Theaterstücke einstudiert, da Arien gesungen, dort Bauzäune für den Arbeitslosenzoo aufgestellt ? und im Labor veränderte sich der Aufbau vom Arbeits-Mais Stück für Stück.
Alle ProjektteilnehmerInnen haben die Körner wieder zu einem großen Ganzen zusammengebaut. Da lag schlussendlich ein ganz neuer Arbeitsbegriff auf dem Labortisch des knallrosa Ideenlabors. Knackig. Schillernd. Vielfältig. Vollgestopft mit verqueren, fantastischen oder bodenständigen Zukunftsvisionen für Arbeit.

Raus auf die Bühne des Lebens
Doch wozu ist Laborarbeit gut, wenn sie im Labor verschimmelt? Der Höhepunkt, auf den die Projekte monatelang hingearbeitet haben, waren ihre Aufführungen. Ab September 2006 wurden letzte Konfettis produziert, Zeitpläne durchgezogen, finale Umsetzungsschritte ausgefeilt ? und schließlich präsentierten sich die Projekte außerhalb der Labore. Auf der Bühne. In Ausstellungsräumen. Auf Straße und Leinwand. Im Netz. Die verschiedenen Ideen, Wünsche, Definitionen, Fragestellungen von und zu ?Arbeit in Zukunft? wurden in die Köpfe der Zuschauer gesät. So haben sich die Samen des neu definierten Arbeitsbegriffes deutschlandweit verbreitet.
Genützt hat die Projektarbeit beim 100.000 EURO JOB allen. Den Geldgebern, die miterleben konnten, wie Projekte zur neuen Arbeit umgesetzt wurden, den Projektteams, die ihre Ideen verwirklicht haben und besonders den Zuschauern. Sie konnten bei den Veröffentlichungen der Projekte nicht nur zuschauen, sondern mitdiskutieren und mitmachen. Erfahren, wie es ist, wenn bisherige Vorstellungen auf den Kopf gestellt werden und sich neue Wege im Umgang mit Arbeit eröffnen.

Backstage-Pässe oder warum jetzt das Buch?
Wie die Tests am Arbeits-Mais im Ideenlabor letztendlich verlaufen sind, ist hier in Buchform festgehalten. Die verschiedenen Projektberichte nehmen uns mit hinter die Kulissen ihrer Umsetzungen ? und Aufführungen: Wieviel Geld ?Ein Glas Luft fangen? bringt, wo die Öko-Schweine herkommen und wer sich für ein paar Stunden von seiner Arbeit freikaufen ließ.
Viele der Jugendlichen haben mit den Projektumsetzungen erste Arbeitsschritte gemacht und so rausgefunden, wie sie gut arbeiten können. Im Büro oder zu Hause. Nachts oder morgens. Im Team oder allein oder lieber gar nicht.
Mit Arbeitserfahrungen könnten ganze Bücherregale gefüllt werden. Von einmalundniewieder bis hocherfolgreich. In diesem Buch finden sich neben Projektberichten viele solcher spannenden Texte. Profis im Umgang mir Arbeit, wie Johnny Häusler, Kathrin Passig und viele andere erzählen in kleinen Geschichten, Berichten oder Blogartikeln vom Umgang mit Arbeit (und ihrer Vermeidung)
Mehr Licht in die verwinkelte Arbeitswelt soll die Kolummne ?Wie arbeitet eigentlich ?? bringen. Die verschiedensten Arbeitenden stellen sich vor und berichten. Die eine, die jeden Tag glücklich von 9 bis 17 Uhr im Büro arbeitet, der andere, der 10 Projekte gleichzeitig managt, immer zwischen 20 und 6 Uhr. Und dann kommen da auch noch die zu Wort, die ganz andere Arbeitsformen für sich entdeckt haben.
Dieses Buch gibt nützliche und neue Gedankenanstöße, wie man trotz Arbeit und mit Arbeit glücklich werden kann. Es ist gleichzeitig Wegweiser und zeigt neue Trampelpfade, die manchmal sogar besser zum Umgang mit Arbeit führen, als die geteerte 9to5-Straße. Vor allem aber soll dieses Buch die Ergebnisse zu ?Arbeit in Zukunft? verbreiten und Impulse für Weiterentwicklungen geben. Für Projekte, deren Ziel es ist, Arbeitsbedingungen zu schaffen, die an verschiedene Lebensstile, Vorstellungen und Wünsche angepasst sind. Es bleibt spannend: Was die Samen des veränderten Arbeitsbegriffes wohl so in den Köpfen der Menschen machen? Ob sie büschelweise zu kleinen Ideen heranwachsen, Wurzeln schlagen? Oder ob die zarten Pflanzen dann von ersten Gedankenhamstern angeknabbert werden und einknicken?
Zeit, es rauszufinden. Zeit für den Flächenversuch!


Von Öko-Dörfern und CD-Röckchen
Die Jugendlichen haben mit ihren Projektideen zu ?Arbeit in Zukunft? bewiesen, wie facettenreich dieses Thema bearbeitet werden kann: Von MUT-MACH-MASCHINEN mit Konfetti-Dusche bis hin zum Arbeitslosenstreichelzoo mit Ein-Euro-Jobs wie ?Wolken zählen? , war an Projektumsetzungen alles dabei. So auch ein Film über Öko-Dörfer, in denen Arbeit und die Menschen frei sind. Und das Konzert, das erst beginnen würde, wenn das Publikum die Stirnlampen der Band zum Leuchten bringt ? und dafür auf Fahrrädern strampeln muss. Und die futuristische Arbeitskleidungsmodenschau, auf der Mädchen mit Zöpfen und CD-Röckchen lächelnd über die Bühne laufen. Und all die anderen Projekte, die hier zwischen den Zeilen stehen.
Das Fördergeld hat für die Projektteams eine attraktive Situation geschaffen. Sie konnten erleben, was es heißt, ein Kamerateam zu leiten, Buttons zu pressen und Projektplanungen zu verwirklichen, ohne von Geldsorgen abgelenkt zu werden.

Glück trotz Arbeit
Seit März 2006 haben sich über 500 junge Menschen mit ?Arbeit in Zukunft? beschäftigt.
Im Rahmen des 100.000 EURO JOBs waren Jugendliche dazu aufgerufen, ihre Ideen künstlerisch umzusetzen. Die Kulturstiftung des Bundes ? kurz KSB ? hat das Projekt in Zusammenarbeit mit Sebastian Sooth ins Leben gerufen und dafür 100.000 Euro zur Verfügung gestellt. Quer durch Deutschland haben sich daraufhin Jugendliche mit Fragen zur Arbeit auseinandergesetzt. Wie Arbeit heute ist, was Arbeit überhaupt bedeutet, was ihr fehlt, wie grau oder bunt ihre Zukunft aussieht, wie man sie verbessern kann.
Den künstlerischen Formaten für die Projekte waren keine Grenzen gesetzt: Von Fotoserien über Theaterstücke, Online-Präsentationen, Hörspiele und Filme ? alles war möglich. Hauptsache, die Projekte waren in vier Monaten durch die Jugendlichen selbst und mit dem zur Verfügung stehenden Geld realisierbar.

Wie man 100.000 Euro verteilt
Innerhalb von zweieinhalb Monaten konnte das Leipziger 100.000-EURO-JOB-Projektbüro 306 eingegangene Projektideen zum Thema ?Arbeit in Zukunft? erfassen/dokumentieren/verzeichnen. Mit dessen Unterstützung entwickelten die EinreicherInnen aus ihren Ideen Projektskizzen, in denen das Waswerwannwo und das jeweilig geplante Budget zu Papier gebracht werden sollte. Am Ende dieses Prozesses waren 98 Projektskizzen soweit ausgearbeitet, dass sie an der Auswahl teilnehmen konnten. Der Auswahlkatalog mit Beschreibungen der jeweiligen Projekte wurde in den folgenden Tagen an die TeilnehmerInnen geschickt. So konnten sie sich ein genaues Bild von den anderen Projekten machen, bevor es an die Auswahl ging.
Und dann war Entscheidungsfähigkeit gefordert.
100.000 Euro Fördergeld. 98 Projekte. Welche davon finanziert werden, sollte durch das innovative Modell Selbstförderfonds entschieden werden, das zum ersten Mal in Deutschland eingesetzt wurde. Bei diesem Fördermodell bestimmten nicht Jurymitglieder über die Verteilung des Geldes, sondern die ProjekteinreicherInnen selbst.
Sie alle entschieden über einen jeweils gleichgroßen Teil der 100.000 Euro. Mit dem extra dafür eingerichteten Online-Auswahltool konnten sie dieses Geld denjenigen Projekten zuteilen, die sie verwirklicht sehen wollten. Anfang September stand schließlich fest, welche Projekte durch diese Geldverteilung ihr beantragtes Budget erhalten, und sich so für die Förderung qualifiziert haben. So schnell wird man 100.000 Euro wieder los.

47 ? 16-26 ? 315-4.772 ? 15 ? Peng
So klingt Arbeit. 47 Projekte hatten es geschafft.
16-26 Jahre jung waren die TeilnehmerInnen, deren Projekte gefördert wurden. Von 315 bis 4.772 Euro hoch waren die jeweiligen Einzelbudgets der Projekte, die in 15 verschiedenen Bundesländern entstanden und präsentiert werden sollten. Der Startschuss für die Umsetzungen der Projektideen wurde gegeben.
Peng.