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| Wer macht den Sport kaputt? | |
| Von Rolf-Günther Schulze und Martin Krauß (Hg.) | |
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| Vorwort Doping macht den Sport kaputt. Diesen einfachen Satz liest und hört man oft. Doch ähnlich häufig, manchmal sogar in den gleichen Texten, liest man auch dies: Doping gibt es, solange es den Sport gibt. Was stimmt denn nun? Geht der Sport kaputt, seit es ihn gibt? Ist die Geschichte der Weltmeisterschaften und Olympischen Spiele eine Geschichte des Niedergangs? Schon immer gewesen? Schon wenn man flüchtig hinschaut, merkt man, dass das Thema Doping komplizierter und diffiziler ist, als es häufig dargestellt wird. Dieses Buch handelt nicht nur von Doping sondern auch von Antidoping. Von dem, was Sportler ihren Körpern antun, aber auch von dem, was bei den Dopingkontrollen mit den Sportlern geschieht. Das wirft beinah von allein die Frage auf, ob das mit der Menschenwürde zu vereinbaren ist. Bei Dopingkontrollen müssen beispielsweise Athletinnen und Athleten nicht nur im Beisein, sondern sogar in Sichtkontakt mit den Kontrolleuren urinieren, und zwar mit freiem Blick auf die Geschlechtsteile! In welchem anderen Bereich als in dem des Spitzensports werden die Schamgrenze und die Privatsphäre von Menschen derart missachtet wie im Spitzensport? Und warum wird darüber kaum berichtet, wo der Öffentlichkeit doch sonst jede Pikanterie aus dem Sportbusiness mitgeteilt wird? Und mit welchen Argumenten und mit welchem Recht fordern gerade große Teile der liberalen Öffentlichkeit immer mehr Kontrollen und immer mehr Verbote? Darum geht es in diesem Buch. Auch die Behauptung, dass das Dopingverbot wirklich Chancengleichheit herstellt, sollte zumindest in Frage gestellt werden. Warum werden soziale, technologische und geografische Unterschiede in der Vorbereitung von Sportlern auf große Ereignisse ausgeblendet, aber bei Mitteln und Methoden, die auf die Dopingliste gesetzt wurden, soll ein betrügerischer Verstoß gegen die Chancengleichheit vorliegen? Auch darum geht es in diesem Buch. Wer den Sport mithilfe von Kontrollen dopingfrei bekommen möchte, gelangt bald zu der Erkenntnis, dass dies im nationalen Rahmen nicht möglich ist. Schnell ist man mit Forderungen nach einer »internationalen Eingreiftruppe« bei der Hand, die wie eine Art Weltpolizei überall auf der Erde sofort zuschlagen dürfe. Woher, so ist zu fragen, kommt der Furor, ausgerechnet den Sport als Vorreiter zu nehmen, um so etwas Ähnliches wie einen Weltpolizeistaat voran zu treiben? Dieser Frage wird in diesem Buch auch nachgegangen. Doch geht das überhaupt: in einem Land oder gleich auf der ganzen Welt einen dopingfreien Sport zu installieren? Was hat es mit der Forderung auf sich, der Sport solle von »sauberen«, von »reinen« oder von »natürlichen « Menschen betrieben werden? Wie viel Ideologie steckt in diesen Begriffen? Und in den Körperbildern, die solchen Begriffen zugrunde liegen? Auch ein Thema dieses Buches. Und warum stürzen sich die Dopinggegner auf einige Sportarten, während andere weitgehend verschont bleiben? Es fällt auf, dass überwiegend weniger kommerzialisierte Sportarten durch Dopingfälle und ?vorwürfe Probleme haben, sich zu rechtfertigen und ihre Fortexistenz zu sichern. Warum geht es gegen die Leichtathleten, die Schwimmer, die Biathleten? Warum sind die Fußballer, die Tennisspieler, die Formel-1-Piloten, die Boxer, Vertreter also jener Sportarten, in denen viel Geld verdient wird, den Attacken deutlich seltener ausgesetzt? Und warum sind die Radsportler die große Ausnahme: hochgradig kommerzialisiert und dennoch in der Existenzkrise? Auch darum geht es in diesem Buch. Des Dopings überführte Sportler werden gesperrt: manchmal zwei Jahre, manchmal lebenslänglich dürfen sie ihren Beruf nicht mehr ausüben. Die Nonchalance, mit der seitens des Sports Berufsverbote verhängt werden, verblüfft. Soll die grundgesetzlich garantierte Berufsfreiheit dann nicht mehr gelten, wenn Sportverbände Einwände erheben? Um diese Problematik geht es in ebenfalls diesem Buch. Immer wieder wird gefordert, dass sich Journalisten von Sportereignissen, bei denen gedopt würde, abwenden müssten. Bei der Tour de France 2007 haben das einige Zeitungen und Fernsehsender getan, und es gibt sogar schon Stimmen, die ein Verbot solcher Sportübertragungen fordern. Woher kommt dieser Wille, genau dann, wenn der behauptete Skandal da ist, keine Informationen mehr erhalten zu wollen. Und woher die mitunter aufflackernde Lust an der Zurückhaltung von Nachrichten, an Zensur? Auch dies ist einer der Aspekte, die in diesem Buch behandelt werden. Das Thema Doping bietet noch mehr Aspekte. Längst nicht alle können in diesem Buch behandelt werden. Die Autoren dieses Bandes sind nicht nur politisch verschiedener Couleur, sie vertreten auch bezüglich der Fragen, die sich entlang des Dopingthemas stellen, sehr unterschiedliche Positionen: Einige plädieren strikt für Freigabe, andere wollen beim bisherigen Verbot bleiben, wieder andere wollen sich einer solch pragmatischen Diskussion am liebsten entziehen. Was aber alle Autoren eint, ist, dass sie das Dopingthema auf einem hohen Niveau diskutieren, das so in Deutschland noch nicht erreicht wurde: Dafür wollen wir ihnen danken. Martin Krauß und Rolf-Günther Schulze Berlin im März 2008 |
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