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| Fast letzte Erzählungen 2 | |
| Von Peter O. Chotjewitz | |
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| Ein Solcher, wie ein Anderer einst gewesen zu sein schien, hätte ich werden wollen. Doch wozu? Um ihn zu wiederholen? Oder mich? Wo kein Sich-Einholen möglich ist? Nur ein Nachhinken? Jeden Tag wird der Abstand größer und kein Ende in Sicht. Man schrumpft dahin und macht gute Miene zum eigenen Mittelmaß. Schon meine Ankunft war ein Kompromiss. Es war einmal ein Vater, der wollte vier Söhne, seine Frau aber wollte kein Kind. Heraus kam ich. Während der Jugendirre hatte ich Großes vor mit mir: Philosoph, Komponist oder so was, jedenfalls ein Genie. Sollte sich meine Begabung als zu gering erweisen, kam nur noch dies in Frage: Landedelmann mit Schloss in englischer Neugotik oder havelländischer Klassizistik und einer großen Bibliothek. Dazu natürlich Bedienstete, da ich schon früh unter Hexenschüssen litt, und Liebschaften mit Milchmägden auf Heuböden in riesigen Schafställen nach Art des Augias. Überlandfahrten zu befreundeten Landedelleuten mit großen Bibliotheken und Milchmägden im Einspänner. Ich überspringe nun die Jahre in Berlin, wo ich zur Welt kam und aufwuchs, Prenzlau/Uckermark, wo ich schwimmen lernte, Mecklenburg, wo ich die Befreiung erlebte, der Wasserpolackei, wo meine Altvorderen bestattet wurden, im Erzgebirge, wo ich mal meinen Turnbeutel liegen ließ, Kurhessischen, wo ich mit Uli Kasten Kreismeister im Tischtennisdoppel wurde, und andernorts, die mit dem Ende der Schulzeit einher gingen. Stichtag: Kassel, den 29. September 1955. Ich kann also sagen, dass die Bundesrepublik und ich ziemlich gleichzeitig das Zeugnis der Reife bekommen haben! Darüber entweder demnächst eine Dekalogie von 7.000 Seiten oder heute nur so viel: „Wenn es dir“, sagte ich mir, „gelingt, die Pensionsgrenze zu erreichen, ohne zu arbeiten, anderen in den Hintern zu kriechen und billigen Wermut zu trinken, dann wird das Schicksal es gut mit dir gemeint haben.“ |
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