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| Von Frédéric Valin | |
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| Mimoun Und dann war er hier gestrandet. Der Regen tropfte von seinem Mantel, seine Mütze war mit Wasser vollgesogen, er machte kleine Pfützen auf dem Parkett. Seine Schuhsohlen quietschten, als er ohne einen Gruß an uns vorbeistolperte, sein Zeug in den Flur stellte, ins Wohnzimmer schlurfte und auf dem Sofa Platz nahm. Die zwei Koffer hatte er in den Flur geschmissen, da waren wohl Klamotten drin und die Zahnbürste, und ein fest verschnürter Karton, um den herum sich kleine, braune Seen ausbreiteten. Er hielt den Kopf in den Armen gestützt und sah sich um, sein Kinn zitterte. Wir gaben ihm eine Decke, und ohne ein Wort zu sagen schlief er einfach ein. Er schnarchte nicht. Er brummte nicht einmal. Nur seine Nase kräuselte sich, wenn er träumte. Wir standen etwas ratlos um ihn herum, hatten wohl auch einige Bedenken, ob das Sofa die Feuchtigkeit vertrüge und ob er sich nicht erkälten würde, so wie er da schlief. Wir setzten uns im Kreis um den kleinen, gläsernen, geschmacklosen Couchtisch und sahen einander hilfesuchend an. Wir wohnten noch nicht lange hier, es hingen keine Bilder an der Wand. Wir waren uns noch nicht einig geworden, welche. Der Esstisch stand etwas verloren in der anderen Ecke des Raumes. Vor der Fensterfront warf die Straßenlaterne ihr aufdringliches Licht in den Raum. Hinter der Tür warteten einige alte Bretter darauf, dass wir sie zu einem Regal zusammenbauen würden. Auch wenn wir sowieso nicht gewusst hätten, was wir hätten hineinstellen sollen. Wie wir den Tisch arrangieren sollten. Wohin wir das Sofa stellen sollten mit den ganzen Sesseln, dem geschmacklosen Glastisch, uns. Eine neue Wohnung, das ist immer auch ein neues Leben und wir hatten uns noch nicht entschieden. Wir wollten uns nicht entscheiden. Mimoun. Mimoun lag da und zog die Nase kraus. Wir hatten längst vergessen, woher wir ihn kannten. Wir erinnerten uns dunkel daran, wie er hieß, aber was er machte, woher er kam, wann wir ihn das letzte Mal getroffen hatten, all das wussten wir nicht mehr. Wir beratschlagten mit gedämpften Stimmen: Vielleicht war das Anfang September gewesen, unser letztes Grillen im Park. Oder war es bei diesem Flohmarktbesuch gewesen, als wir uns nicht einigen konnten, welche Art Couchtisch wir in der neuen Wohnung … Oder eines Abends in einer der Bars, die neuerdings hier im Viertel im Dutzend eröffneten, jedenfalls mussten wir ihm einmal die Hand geschüttelt haben, vielleicht ein Bier zusammen getrunken, ein wenig miteinander gesprochen haben. Aber das muss lange her gewesen sein, vielleicht Wochen oder Monate. Wir kamen zu keinem Ergebnis, schüttelten unwillig den Kopf und verteilten uns auf unsere Zimmer. Am nächsten Morgen schlief Mimoun noch immer, während wir Kaffee kochten und die Wurst auf den Tisch stellten. Die Morgensonne schien ihm ins Gesicht, das ausgemergelt und mager über seinem Schädel lag. Seine Haut musste einmal braun geglänzt haben, mit einem leichten Stich ins olivgrüne, jetzt aber war es grau und großporig. Seine dichten Augenbrauen waren fast zusammengewachsen, darunter hob sich scharf und zackig seine schmale Nase. Er hatte wohl vor einer Woche aufgehört, sich zu rasieren, und in seinem erstaunlich gepflegten, dichten Bart schimmerten die ersten grauen Haare. Während er träumte, kräuselte sich seine Nase und sein voller, sinnlicher Mund zuckte manchmal. Wir diskutierten leise, ob nicht einer von uns zu Hause bei Mimoun bleiben sollte und ein Auge auf ihn, auf die Wohnung haben, aber dann gingen wir doch alle unserer Wege und wünschten uns einen erfolgreichen Tag. (...) |
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