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| Soul nach dem Fall der Mauer - Manfred Krug feiert sein Comeback als Sängerdarsteller | |
| Von Felix Klopotek | |
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| Manfred Krug feiert sein Comeback als Sängerdarsteller "Was bis heute nur seine engsten Freunde wussten: Er verließ die DDR keineswegs, weil es im Westen pro Drehtag drei Mark fünfundachtzig mehr gab, sondern weil die stalinistischen Kulturbonzen und Stasi-Zensoren ihm schon 1970 bedeutet hatten, dass sie ihn die Rolle seines Lebens nie würden spielen lassen: den Cicerone in 'Deutsche Telekom - Die Aktie'." Hermann L. Gremliza über Manfred Krug (in: Konkret, 7/98) Hey, Manfred Krug hat zwei neue Platten gemacht, zwei richtig ambitionierte Platten, wie es sie von ihm seit den 70er Jahren, als er "der wahrscheinlich erste und einzige Soul-Star der DDR war" (Max Annas), nicht mehr gegeben hat... was? Du hörst Manfred Krug? Nein, wie extravagant! Oh Gott, wie peinlich! Ich erinnere mich an eine Autofahrt durch Ostberlin vor drei Jahren im Sommer nach einem ausgiebigen Gelage. Bis auf den Fahrer (muss man das betonen?) waren alle schwer besoffen, die Sonne stand schon am Himmel. Das Autoradio lief, der Moderator kündigte einen alten Hit von Manfred Krug an. Dann federte ein entspannter Groove, die Bläser waren supergut arrangiert, die Musik schlenderte und war gefasst und akkurat wie es nur guter Jazz sein kann. Und davor, leicht distanziert und von den Produzenten pointiert in Szene gesetzt: Krugs Stimme, sich Sentimentalität und Expressivität verweigernd und eine Geschichte erzählend von einer Frau, die was besseres zu tun hat, als sich mit irgendwelchen Kerlen abzugeben. Das war sozialistischer Pop - in dem Sinne, wie Peter Hacks sozialistische Klassik schrieb: das Komplizierte, sorgsam Durchgearbeitete mit dem Eingängigen verbindend, niemals sich dem Kitsch hingebend, sondern Emotionen und Liebes- wie Trennungsgeschichten als vernünftig gestaltbare Angelegenheiten beschreibend. Davon sprach der Easy-Going-Jazz, diese klare Stimme und die etwas zu verstiegenen, aber nie manierierten Texte. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass es gerade zwei neue Krug-Platten gibt, ich hätte sie mir gekauft, sofort. Statt dessen gibt es einen Manfred Krug, der für Geld alles macht - von den Kneipengesängen mit Tatort-Partner Charles Brauer wollen wir mal komplett schweigen. Das ist der Kapitalismus, Manni war da nur konsequent. Er erzählte keine Jammergeschichten über die DDR, die er 13 Jahre vor ihrem Ende verließ. Dafür verscherbelte er sein Talent an die nächstbeste Vorabendserie. So eine bizarre wie komplette Persönlichkeit, die in ihren Filmen mal den linientreuen Grenzer und dann bürokratiefeindlichen Baubrigadier gab und die dennoch in ihrer Gesamterscheinung als DDR-Popsstar stimmig war, überlebt den Westen nicht ohne Beschädigungen. Deshalb macht Krug für Geld alles. Nur: in seine CD "Deutsche Schlager", wo es um seine Kindheitserinnerungen und die 50er Jahre geht, da hat er eigenes Geld rein gesteckt, von 150.000 Mark ist die Rede. Der 63jährige riskiert doch noch ein bisschen, genauso wie auf der zweiten CD,"Schlafstörungen", auf der er internationale Hits wie den "One Note Samba", "What A Wonderful World" oder "Wand'rin Star" auf deutsch singt und sie cool ausbremst. Überhaupt mimt er lieber den Sänger als wirklich zu singen. Er nuschelt nicht, er spricht, das ist und bleibt distanziert, das kann man nur respektieren. Natürlich: "Deutsche Schlager" ist zu nostalgisch und reflektiert überhaupt nicht, dass man nicht, unter all dem deutschen Dreck auch das sympathische Deutsche, eben den Edelschlager, finden kann, weil auch der deutsche Schlager an diesem Dreck als seinem (wie auch immer sublimierten) Gefühlssubstrat partizipiert. Und natürlich: "Schlafstörungen" reproduziert diverse Jazzklischees, etwa wenn der Sunshinejazzer Till Brönner den Chet Baker gibt. Peinlich, aber nicht deutschtümelnd. Wir schreiben das Jahr 2000, da muss man sich an diesen Standard gewöhnen, der ist nicht mehr so hoch. DDR-Soul nach dem Mauerfall. Man ahnt die Größe, die das mal besessen hat. (Notiz, Köln, 20.11. 2000) |
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