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| Berlin Hardcore | |
| Von Stefan Wirner | |
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| Vielleicht haben Sie gestern auch über die Hitze gestöhnt? Und vielleicht haben Sie auch eine von ihnen gesehen - die schönen, tapferen Schwangeren von Berlin. Die trotz Schwüle, trotz praller Sonne immer noch ein Lächeln auf dem Gesicht haben. Stolz ihre Babybäuche durch die Straßen und Parks schieben. Sie wissen, bald sind ihre Sonnenkinder da und ein langer schöner Sommer mit ausgedehnten Kinderwagenspaziergängen liegt vor ihnen. 30 Grad, die Stadt kocht. Berliner Männer zeigen den Oben-Ohne-Mädchen ihre Muckis. Die Stadt brodelt. Drüben die starken Kerle, hüben die kessen Berlinerinnen. Dann zeigt mal, was ihr habt. Und beide Seiten haben wirklich viel zu bieten. Vom Baugerüst pfeift es, die Damen genießen schweigend. Berlins Ladys klatschten. Der kleine Augenschmaus zwischendurch, morgens und den ganzen Tag in Berlin. Die Stadt kocht. Und dabei ist noch nicht mal Sommer. Berlin ist heißer als Athen. Überfüllt Straßencafes und Biergärten, hitzefrei in den Schulen, proppenvolle Badewiesen und Schwimmbäder, Warteschlangen beim Eis, Sonnenbrände allerorten, vorgezogene Sommerfeste, knochentrockene Parks und Wälder, zu frühe Mückenschwärme und erste Blätter, die schon an Farbe verlieren.. Die Stadt ist im Sommertaumel und genießt, wo sie nur kann, eine südliche Urlaubsstimmung. Das Lebensgefühl perlt wie Champagner, das Stöhnen der Städter über die Hitze klingt wie ein Ritual, das man gern über sich ergehen lässt. Die Kehrseite des sonnigen Vergnügens ist zum Beispiel, daß ich merkwürdigerweise in letzter Zeit einige Menschen kennengelernt habe, denen es nicht so gut geht. Die oft nur zu Hause vor der Glotze abhängen und dabei sehr einsam sind. Dazu kann ich immer nur sagen, macht einfach diesen Schritt vor die Tür und schon sieht alles wieder anders aus und gar nicht mehr so schlecht. Und man findet immer irgendetwas in der Stadt, wo was los ist, nur müssen die Augen dafür auch offen sein. Türkische Berlinerinnen finden deutsche Männer immer attraktiver. Deutsch-türkische Liebe, das ist natürlich längst Alltag in unserer Stadt. Bislang waren es zumeist deutsche Mädchen, die die Qualitäten eines türkischen Partners zu schätzen wußten. Doch neuerdings interessieren sich immer mehr Türkinnen für deutsche Männer. Der deutsche Mann ist direkt und authentisch, besonders beim Werben um die Angebetete. Der türkische Mann nimmt es da mit der Wahrheit nicht so genau. Mit deutschen Partnern ist die Arbeitsteilung beim Haushalt selbstverständlich. Für einen türkischen Mann undenkbar. Außerdem sind Deutsche nicht so eifersüchtig. Deutsche Männer sind viel umgänglicher als türkische. Deutsche Männer sehen ihre Frauen als gleichberechtigte Partner an. Nordeuropäer sind meistens nicht so streng wie die Türken. Zisch, wumm! Die Tür schlägt zu. Und langsam fährt die S-Bahn an. Pech für Schwarzfahrer, denn spätestens jetzt sitzen sie wie die Maus in der Falle. Die Schwarzfahrfänger von Berlin. Diese sieben Sünder haben sie gestern in einer Stunde erwischt: Erwischt: Dachdecker aus Lichtenberg. Erwischt: Schüler aus Mitte. Erwischt: Schüler aus Neukölln. Erwischt: Studentin aus Mitte. Erwischt: Bauarbeiter aus Hellersdorf. Erwischt: Hausfrau aus Schöneiche. Erwischt: Hausfrau aus Köpenick. Berlins einsamste Mutter: Nach Selbstmord ihres Sohnes vergiftete sie ihren Hund und dann sich selbst. Berlins bösester Untermieter: Er sah so nett aus, als er einzog. Gestern fesselte und knebelte er die siebenjährige Tochter der Vermieterin und stach ihr ein Messer in die Brust. Intensivstation. Meckern löst keine Probleme. Es kann vorkommen, daß eine Mitarbeiterin des Sozialamts Neukölln von einem, der Sozialhilfe will, ins Gesicht geschlagen wird. Es kann auch vorkommen, daß einer, der sich als Kunde vom Sozialamt schlecht behandelt fühlt, einen Tisch umwirft oder eine Glasscheibe zerschlägt. Es passiert nicht nur im Neuköllner Sozialamt; in Tiergarten oder Wilmersdorf gibt es Leute, die nicht minder brutal handeln, wenn sie meinen, sie würden falsch behandelt. Am Pinnbrett der Weddinger Quartiersmanager hängen rote und grüne Karten. Auf die roten haben die Anwohner im Soldiner Kiez ihre Probleme geschrieben: "Verkehrslärm", "zu viele Ausländer", "junge Leute ziehen weg". Essen in der BVG verboten. Diese Erfahrung mußte ein zuckerkranker Mann jetzt machen. Er ist Diabetiker, leidet an Unterzuckerung. Stand kurz vor einem Kreislaufkollaps. Und biss deshalb in ein Brötchen. Berlins herzlosester BVG-Fahrer stoppte den Bus, holte die Polizei. Alle Fahrgäste müssen aussteigen. Bis die Polizei kommt. Vorschrift ist Vorschrift. Berliner Bäcker müssen kleine Brötchen backen. Die kleine Bäckerei an der Ecke, der Duft von frischen Schrippen, von warmen Sauerteigbrot, fast ausgestorben in der Hauptstadt. Warum? Große Backwaren-Ketten machen den kleinen Handwerksbetrieben zu schaffen, sie gehen kaputt. Brot in Berlin wird teurer. Berliner Wurst-Millionär verprügelte seine Gattin. Alles begann nach einem schönen Abend im Varieté "Wintergarten". Während der Show hatte Johannes G. einige Gläschen Sekt getrunken. Die Ehefrau: "Dann forderte er, setz du dich ans Steuer, ich will meinen Führerschein behalten." Aber Claudia G. weigerte sich, der Luxus-Mercedes blieb stehen. Das zerstrittene Paar fuhr im Taxi nach Hause. Die Ehefrau: Als ich die Haustür öffnete, bekam er dieses böse, blutleere Gesicht und schlug zu." Der Kampf ums Überleben tobt. An der Ecke Seydel-/Neue Grünstraße nahm am Morgen ein 19-jähriger Pole einem Kurierdienst die Vorfahrt. Der Transporter geriet ins Schleudern und kippte auf die Seite (Foto). Überall in Europa arbeiten - geht das? Fest binden wollte sich die gelernte Masseuse, die Miniröcke und knappe Shirts liebte, noch lange nicht. Was Doreen wirklich im Leben suchte, war Wärme. Sie sammelte Leute um sich wie Blumen. Das war ihr Hobby. Und Andreas war einer unter vielen. Und er hatte immer Geld, keiner weiß woher, wohnte in Hotels, kam im Taxi. Eine gepflegte Erscheinung. Und er trug ein Basecap, schicke Hose und Schuhe in beige. Doreens Lieblingsfarbe. Ex-Fremdenlegionär Andreas Störzel, 38, wird als Mörder gesucht. Der Mann, der das Mädchen am vergangenen Freitag auf offener Straße hinrichtete. Ihr Motto war: Lebe deine Träume, träume dein Leben. Sie vertraute auf Naturheilkräfte, badete täglich in Öl, nahm Bienenwachs für die Haare. Sie las ständig alte Bücher. Der Liebestod einer modernen Berlinerin. Warum schuf Gott Tag und Nacht? Damit der Mensch den Überblick behält. Wir weisen dir den Weg! Voll das Leben! Super Chancen! Eine Stadt, in der fünf kleine Entchen gerettet werden, ist nicht schlecht! Die Demo des Lächelns. 50 000 Christen marschierten singend, tanzend, betend zum Roten Rathaus. Ein Meer von Transparenten für Jesus. Schwester Emilia, 46, Nonne aus Rheinbreitbach: Als Kind habe ich von Jesus geträumt. Er war blond und sehr freundlich. Brian Spinnecken, 29, Versicherungsfachwirt aus Köln: Ich stelle mir das Himmelreich als eine riesige Party vor. Simone Kopf, 24, Studentin aus Reinickendorf: Bei einer Freundin war zu befürchten, dass ihr Baby behindert geboren wird. Ich betete - es ist gesund. Lisas Hoettendhaus, 13, Schülerin aus Dortmund: Das Himmelreich stelle ich mir vor wie das Paradies. Jens Fröhlich, 21, Forstwirt, aus Würzburg: In der Bibel steht, dass man jeden Tag Gottesdienst halten soll. Stefan Schulz, 25, Student aus Braunschweig: Ich wollte mal mit meinem Auto rückwärts ausparken und war mir sicher, dass hinter mir frei ist. Die Handbremse war aber angezogen, ich kam nicht weg. Ich sah dann, dass doch ein Motorradfahrer da war. Jesus hat mich vor dem Fehler bewahrt. Renat Spelter-Siedschlag, 52, Physiotherapeutin aus Hamburg: Ohne IHN geht nichts, durch Gott wird alles. Michael hüpft von einem Fuß auf den anderen, klatscht in die Hände und singt: Es geht los, es ist der Tag des Himmels. Manchmal ist die Scheiße groß und Gott größer. Am Potsdamer Platz beten die Gläubigen, dass die Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklung für einen gerechten Ausgleich weltweit sorgt, am Abgeordnetenhaus, dass Gott den Parlamentariern Weisheit geben möge. Das ist ein Vorgeschmack auf den Himmel. Jesus for Bundeskanzler. Der Zug hat sein Ziel erreicht. Berlin! Berlin, das ist eine der faszinierendsten Städte in Europa. Berlin, das ist der permanente Wandel, aus dem stets Neues entsteht. Kurzum, Berlin ist eine Welt für sich, in der es immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt. Auf zu neuen Welten. 3 348 060 Menschen leben in dieser Stadt. 263 Rekruten sind in Berlin zur Zeit in der Grundausbildung. Einen davon begleiten wir einen ganzen Tag. Erik Luboeinski, Wehrdienstleistender. 5.00 Aufstehen, Waschen, Ankleiden - bitte schnell, in fünfzehn Minuten wird angetreten. In der Grundausbildung beginnt alles etwas früher und endet etwas später. Heute ist das Tagwerk um 19 Uhr vollbracht. 11.15 das Wachbataillon bewacht in Kriegszeiten die Regierung, in Friedenszeiten dient es Repräsentationszwecken und stellt den Ehrenempfang bei Staatsbesuchen. 14.15 Auch ein Rekrut des Wachbataillons absolviert eine infanteristische Ausbildung, dazu gehört das Tarnen. 15.00 Zur Zeit der Mauer waren die Franzosen nahe dem Flughafen Tegel beheimatet. 16.00 Sport und Gymnastik sind besonders wichtig für das Wachbataillon. 19.10 Es ist ja nicht ganz einfach, immer weg von zu Hause. 19.30 Nach Dienstschluss fährt er einfach ein bisschen durch die Gegend und lernt Berlin kennen, schließlich wohnt er erst seit dem 1.März hier. 21.00 Der Abend endet im Mannschaftsheim früh: Um 22 Uhr ist in der Grundausbildung Zapfenstreich. Was war die bislang wichtigste Entscheidung in Ihrem Leben, Herr Luboeinski? Die Wahl meiner Lehrstelle. Wo waren Sie am 9.November 1989, als die Mauer fiel? Ich saß mit meiner Familie zu Hause vor dem Fernseher, und wir haben uns die Nachrichten angesehen. Welche wichtige Entscheidung werden Sie als nächstes treffen? Wie lange ich mich beim Bund verpflichten werde. Wegen des Verdachts der Volksverhetzung ist ein Berliner Polizist vom Dienst suspendiert worden. Der Beamte soll ausländerfeindliches und antisemitisches Material aus dem Internet an Kollegen weitergegeben haben. In der Wohnung des 24 Jahre alten Mannes fand man leergeschossene Patronenhülsen aus Beständen der Bundeswehr und einen scharfen Nebelwurfkörper. Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) Brandenburg hat sich dafür ausgesprochen, öffentliche Straßen und Plätze mit Videokameras zu überwachen. Es ist nicht so einfach, morgens um acht Uhr den Schülern eines Gymnasiums in Berlin-Zehlendorf zu erklären, dass die Welt gefährlich ist. Natürlich haben die Schüler schon von den Krisenherden gehört, von den Kriegen in Afrika und auf dem Balkan. Aber all das ist auch ziemlich weit weg, und es leuchtet nicht sofort ein, warum man deshalb in Deutschland noch eine Armee braucht. Jetzt stellt euch mal vor, auf dem Pausenhof will einer euren Schokoriegel haben. Alexander Wilke ist 27 Jahre alt und Jugendoffizier. Seine Aufgabe besteht darin, die Schüler von der Attraktivität des Dienstes bei der Bundeswehr zu überzeugen. Und von der Sinnhaftigkeit einer allgemeinen Wehrpflicht. Die Wehrpflicht steht für den Charakter der Bundesrepublik. Sie symbolisiert eine gute bundesrepublikanische Tradition. Wenn die Wehrpflicht ausläuft, müsste ich in letzter Konsequenz sagen: Das ist nicht mehr meine Armee. Wilke macht diesen Job aus voller Überzeugung. Ihm hat die Bundeswehr immer das geboten, was er sich gewünscht hat. Schon als Schüler fuhr er gerne Ski, also begann er seine Laufbahn bei den Gebirgsjägern. Später wollte er Politik studieren - an der Bundeswehrhochschule fand er dafür seinen Platz. Christian aus Prenzlauer Berg ist nicht gerade mit Leidenschaft Lehrling im Installationsgewerbe. Nach der Ausbildung würde er sich auch als Zeitsoldat verpflichten, wenn er danach eine berufliche Zukunft sähe, vielleicht im Wachschutz oder beim Bundesgrenzschutz. Ich würde auch auf den Balkan gehen, sagt der 19-Jährige, aber nicht, wenn er zu dem Zeitpunkt schon Familie hätte. Ist irgendwie `ne Pflicht, sagt er. Wie die Lehre. ... |
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