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| Souveräne | |
| Von Joachim Rohloff | |
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| Aus dem Porträt von Otto Schily (...) Was ihn trieb, sich während der achtziger Jahre in der grünen Partei mit den Ebermännern zu plagen, um doch im SPD-Ortsverein Unterhaching zu landen, von dort aus aber einen erneuten und schließlich erfolgreichen Angriff aufs Innenministerium zu beginnen, verrät das Munzinger Archiv. Er arbeitete nicht nur an einer politischen Karriere, sondern vor allem an der Bewältigung eines Kindheitstraumas: ?Zur prägenden Erinnerung wurde für den jungen Sch., dass Hitlers Schergen 1941 im Haus seiner Eltern, die Anthroposophen waren, Bücher beschlagnahmten.? So etwas durfte nie, nie wieder geschehen, jedenfalls nicht in seinem Haus. Nun ist er auf der sicheren Seite, und andere müssen ihrem Nachwuchs klarmachen, dass man auch im Kinderzimmer nicht ?Fuck!? sagen darf, denn Onkel Otto hört alles, und dass im Falle, die Beamten des Ministers kommen, diese die Guten sind und Mama und Papa die Bösen. Ob seine Frau und seine beiden Töchter ihn seit fast zwei Jahren als den Herrn Bundesminister des Inneren anreden müssen, weiß man nicht. Er jedenfalls spricht von sich selbst gern in der dritten Person: ?Ich bestreite nicht, dass sich eine Situation ergeben kann, wo der Minister gut daran tut, sich an einen solchen Ort zu begeben. Vielleicht tut er es demnächst auch.? Gemeint waren in diesem Satz: Otto, Schily, Otto Schily, der Bundesinnenminister und Dessau, der Tatort eines rassistischen Mordanschlags. Während mancher womöglich erschräke bei der Beobachtung, dass er selbst nicht zu Hause bleiben kann, wenn der Bundesinnenminister eine Dienstreise unternimmt, ist Otto Schily einfach nur stolz: ?Ich bin der erste sozialdemokratische Innenminister der Bundesrepublik Deutschland. Ich verstehe es als große Auszeichnung, als der erste sozialdemokratische Innenminister einer traditionsreichen Partei zu fungieren.? Also wird er wohl in die Geschichte eingehen oder doch wenigstens in die Statistik. Denn künftige Historiker werden es schwer haben, im Oktober 1998 den Anbruch einer neuen Epoche deutscher Innenpolitik auszumachen. Fest steht nämlich schon heute, dass ebenso wie seinem Vorgänger auch dem Minister Schily kein anderer folgen wird und dass auch dieser, ebenso wie jene beiden, dereinst wird sagen können: ?Ich habe meinen Dienst für das Vaterland getan.? Kurz vorm Ende seiner Karriere, das Schily aufs Jahr 2002 datiert, lässt sich noch immer nicht entscheiden, ob er in der Politik jemals etwas anderes wollte als dieses hohe Amt. Vielleicht wollte auch er einst die Gesellschaft zivilisieren, und erst als sich herausstellte, dass es damit wohl nichts werden würde, kam ihm die Idee, dem Vaterland zu dienen. (...) |
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