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| Septentrio Novantiquus - Die Newe NortWelt des Hieronymus Megiser | |
| Von Wolfgang Müller | |
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| (aus dem Vorwort) Im Jahr 1613 brachte der heute nahezu vergessene Universalgelehrte Hieronymus Megiser ein kleines, 532 Seiten umfassendes Buch heraus: Septentrio Novantiquus ? Oder die Newe NortWelt. Es enthielt jüngst erschienene Reiseberichte und Landesbeschreibungen einiger bekannter Autoren über die Polaren Länder Island und Grönland sowohl Berichte über die südpolaren Regionen. In dieser Sammlung finden sich einige erstmals ins Deutsche übersetzte Reiseberichte. So der in vollständiger Fassung sechs Jahre zuvor in Lateinischer Sprache erschienene des Holländers Diethmar Blefken über Island, dazu nachfolgend eine kurze Beschreibung des Landes und seiner Geschichte durch Blefkens Kontrahenten, den Isländer Arngrímur Jónsson. Weiterhin ein Bericht von der Entdeckung der Insel Frisland (oder Frißland) durch die Brüder Nicolò und Antonio Zeno aus Venedig, der 1558 zuerst in italienischer Sprache erschien. Zudem enthält Megisers Werk zusammenfassende Beschreibungen der englischen Kolonie Virginia in der Neuen Welt, eine Reise von Moskau nach Sibirien und zu den sibirischen Inseln wie Nova Zemla, Reisen des Venezianers Petrus Quirinus zu den Inseln Santi und Rustene und Beschreibungen von Reisen in antarktische Gewässer durch Seefahrer bis nach Neu Guinea, Australien und dem Südpol. In der vorliegenden Ausgabe beschränkt sich der Nachdruck des Werkes auf die Kapitel 1 bis 26, also auf den Teil, der die Reiseberichte und Landesbeschreibungen aus der nordpolaren und nordatlantischen Region, über Grönland, Island, sowie der Phantominseln Frisland, Icaria und Estotiland enthält. Als Grundlage der Übertragung diente die Originalausgabe von Megisers Newe NortWelt aus der Präsenzbibliothek der Walther von Goethe Foundation. Diese wurde 2001 bei einer Auktion in Berlin für die Sammlung erworben. Bei der Übertragung des Textes wurde die alte Schreibweise gemäß dem Original übernommen. Über den Herausgeber der Sammlung, den Geschichtsschreiber und Sprachgelehrten Hieronymus Megiser ist nicht viel bekannt: Geboren wurde Megiser 1553 oder 1554 in Stuttgart. Von 1571 bis 1577 studierte er Latein und Griechisch bei Nicodemus Frischlin und Martin Crusius in Tübingen, um 1581 als Hauslehrer und Erzieher nach Ljubljana zu gehen. Ein Jahr darauf brach er zu einem Jurastudium nach Padua auf, um anschließend wieder Hauslehrer zu werden. Seit 1590 in Graz ansässig, mußte er nach dem Tod seines Förderers Erzherzog Karl wegen seines lutherischen Bekenntnisses die Steiermark verlassen. Im Jahr 1591 bereiste Hieronymus Megiser Norddeutschland, England und Holland. Schließlich heiratete er in Frankfurt die Tochter des Druckers Johann Spiess, wo er sich auch niederließ. Vom Jahr 1593 bis 1601 war er Rektor der evangelischen Landschaftsschule in Klagenfurt. Als diese im Zuge der Gegenreformation Eigentum der Jesuiten wurde, musste er erneut das Land verlassen und fand in Leipzig als kurfürstlicher Kartograph und Professor der Geschichte eine neue Wirkungsstätte. 1613, im Jahr des Erscheinen vorliegenden Buches bekam er eine Anstellung als Bibliothekarsleiter der Stadtbibliothek in Linz. Hieronymus Megiser starb um 1613, dem Erscheinungsjahr der Neuen NortWelt. Er veröffentlichte ein für die damalige Zeit äußerst umfangreiches vielschichtiges Gesamtwerk, unter dem sich auch das erste slowenisch-deutsche Wörterbuch befindet. Hieronymus Megisers Sammlung beginnt mit dem ersten existierenden Reisebericht über Island, der von dem Priester Dithmar Blefken stammt. Es enthält die deutsche Übersetzung des 1607 in Leiden/Holland erstmals erschienenen Buches ?Islandia, sive Populorum & mirabilium quae in ea Insula reperiuntur accuratior descriptio? (Island, oder genaue Beschreibung des Volkes und der Wunder, die dort zu finden sind). Es wird heute zumeist angenommen, dass Dithmar Blefken nie in Island gewesen ist und sein Buch aus vorhandenen Texten zusammengestellt und mit reichlich Phantasie angereichert hat. Andere mutmaßen hingegen, Blefken habe bestenfalls Kaufleute aus Hamburg nach Island begleitet, vom Land selbst aber nicht viel gesehen. Isländische Gewährsleute für seine Fahrt finden sich nicht. Zeitgenossen wie der Bischof Guðbrandur und Arngrímur Jónsson versuchten nachzuweisen, dass Blefken in der fraglichen Zeit nicht in Island gewesen sein kann. (...) |
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