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| Testsiegerstraße | |
| Von Markus Binder | |
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| (2 Auszüge) kleben sie saß in ihrem zimmer. kein laut. kein vorhaben. es war schon abend geworden. vom letzten tag noch hörte sie die stimmen der leute, stimmen wie insekten im raum, die zur befruchtung ausgeschwärmt waren, dahin und dorthin, sie hatte ein glas in der hand gehabt, zwischen ihren fingern und dem glas war etwas klebriges, das glas klebte ihr quasi an den fingern, das wird der grund gewesen sein, warum sie das glas so lange nicht losgelassen hatte, ihr kam es wie stunden vor, aber vielleicht waren das auch nur ein paar minuten, oder eine viertelstunde, mehr sicher nicht, wie sollte sie das jetzt noch wissen, niemand hatte darauf geachtet, was hier mit ihr vorging, auch sie selbst nicht, wozu auch, sie redete ja die ganze zeit mit diesen beiden typen, die dann auf einmal verschwunden waren, weg wie fernseher ausgeschaltet, weg wie autos, die auf der autobahn vorbeifetzen, weg, und dann erst löste sie die finger vom glas. dabei wäre das glas beinahe hinuntergefallen, es klebte ja an ihren fingern fest, ließ nicht los, erst kurz vorm runterfallen bemerkte sie das, nahm ihre zweite hand zur hilfe, um loszukommen, klebrig, wieso klebrig, wo war hier kleber hergekommen, sie trank doch bier, wie die meisten anderen auch, bier klebt doch nicht, das war was anderes, sie erinnerte sich, dass sie an ihrer hand gerochen hatte und: kein geruch. gut, sie war im riechen nicht besonders, ok, aber oft riechen klebrige stoffe ja doch intensiver als andere, weil, wenns so heftig klebt, dann muss da ja was intensiveres drin sein, sonst würde es ja nicht so kleben oder wie oder gibt es klebstoffe, die gar nicht riechen und gar nicht aussehen, nicht sichtbar sind, nicht riechbar, nicht da, aber kleben tun sie doch. was soll das, was war das. sie griff mit der linken auf ihre rechte hand und da war immer noch diese klebrige stelle, obwohl sie sich seit gestern in der nacht sicher schon die hände gewaschen hatte, vielleicht sogar dreimal, wer weiß. sie stand auf und ging zum tisch, nahm die tasse mit dem kalten tee, trank einen, zwei, drei schlucke, setzte sich an den tisch und redete wieder mit diesen beiden typen, die dann auf einmal wieder verschwunden waren, so wie gestern, weg wie träume nach dem aufwachen, weg wie wolken, die der wind vertrieben hat, weg, und dann wollte sie die tasse loslassen, ging aber nicht, die tasse klebte an den fingern, so wie gestern und sie fragte sich, ob die sachen erst an ihren fingern zu kleben begonnen hatten, als die beiden typen weg waren, weg wie steine, die kinder in eine schlucht werfen, weg wie flugzeuge, die du über den himmel ziehen siehst, weg. lieber schwan das fahrzeug blieb stehen, als es aus war. sie stiegen aus. der mann untersuchte die sache, es ging nicht weiter. die frau rauchte sich eine zigarette an und wollte beginnen, eine begebenheit aus ihrer kindheit zu erzählen, nur um irgendwas zu sagen einfach in dieser situation, der mann konnte nicht mehr. warum bin ich kein wissenschaftler, dachte er, warum kann ich mir jetzt keine lösung vorstellen und die frau sagte einfach: ach, wärst du doch mechaniker geblieben. die sonne platzte vor begeisterung am himmel oben und sie schwitzten. sie wurden traurig, als sie sich ihr fahrzeug ansahen, das kann doch nicht alles gewesen sein. der mann packte die kamera aus und fotografierte. die frau sah gar nicht hin. sie wusste, er würde die fotos dem chef zeigen, dem chef auf diesem gebiet. und niemand war ihr mehr zuwider als dieser. seine hosen, seine hemden, seine hände, das ende. und dann sein fußballfimmel. ihr kamen ja diese fußballtypen immer so lächerlich vor, wenn sie sie in vierfacher geschwindigkeit vor sich laufen sah, sie konnte sich auf der ganzen ebene nicht dazu durchringen, sie ernst zu nehmen, so geschäftig alle, wie beim autopolieren und beim rasenmähen und beim erklären ihrer vorzüge, es ging nicht, sie konnte nicht und der chef auf seinem gebiet konnte auch nicht, der depp, er interessierte sich vorwiegend für die geschäftigkeit auf seinem gebiet, so wie es sein zustand zuließ als jemand, dem keiner was anderes beibringen konnte. bringt ihm was anderes bei, sie. und ihr mann schon gar nicht. ihr mann. mein mann. mein lieber schwan du. der schwan, von dem hier unversehens die rede war, watschelte um sie herum, sie fürchteten sich beide, aber es war zu spät, um ins rettende fahrzeug einzusteigen, der schwan hatte ihre abneigung gegen sich erkannt und er war nicht verlegen, er machte sich nun über die sachen der beiden her, mein lieber schwan. er fraß die kamera und starb. zu schwer verdaulich. frau und mann retteten nun, was übrig blieb, als es aus war. sie kamen in stimmung. sie schleckten ihr fahrzeug, sie schleckten sich selbst, sie schlugen aufs dach, bis es brach, sie schrieben eine verlustanzeige wegen ihrer kamera und brachten diese zu fuß in den nächsten ort. es war keiner da. schon zu. weiter schleckend schleppten sie sich weiter wie schlangen und fingen ein vieh und verschlangen seine beine. keine von des kalifen töchtern mischte sich in ihre geschichte ein, in welche geschichte auch. sie trafen auf statuen, die aussahen wie sie selbst, auf kinder, die waren wie ihre eigenen, auf ein fahrzeug, das aussah wie das ihre. und das war es dann auch. ihr eigenes fahrzeug, das dort stehengeblieben war, als es aus war und dort waren sie jetzt wieder und wer weiß, wie lange. |
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