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| karikaturen, ortstafeln, klimt-bilder | |
| Von Markus Binder | |
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| die rückschrittlichkeit feiert modern: weniger interessant als vielmehr nur noch beschämend im von allen seiten mit verbissener kleinkariertheit geführten sogenannten karikaturenstreit ist der umstand, dass in den zentren der europäischen meinungsmacherei einmal mehr die gelegenheit genutzt wird, mit paranoider geschlossenheit um das neu angefachte entertainment-feuer zu hopsen, in das sie ihren aus nahost bezogenen und später hier raffinierten benzin schütten können, aufgeklärt bis zur unkenntlichkeit alles anderen. immer wieder werden hier ungefragt die errungenschaften der europäischen aufklärung als argument für die überlegenheit des westens vorgebracht. anstatt aber im zeichen der begriffe aufgeklärtheit und zivilisiertheit die fähigkeit zu zeigen, sich auf die situation anderer einzulassen und dies zu einer fortschrittlichen auseinandersetzung zu nutzen, wird hier so was wie ein weltbild vermittelt, in dem sich der westen als der zivilisation tollstes produkt darstellt und den rest der welt als tölpelbande, gut genug höchstens als absatzmarkt für möbel und butter. schwache partie und halbstarke gebärden. da wird modernisierung von "anderen" gefordert, die modernisierung, die wir meinen klarerweise, und damit wird der begriff der moderne zum kampfbegriff verzerrt. zitat aus "der mythos vom krieg der zivilisationen" von gazi caglar: "erst eine moderne, die sich ihrer eigenreligiosität, ihrer eigengewaltsamkeit, ihrer machtbestimmten eigendefinition des anderen und ihrer eigenirrationalität bewusst ist, hätte die berechtigung, als vergleichsmodell bei der analyse 'fremder' gesellschaften zu fungieren." wobei hier unmissverständlich klargestellt werden muss, dass sämtliche formen von religiös gepushter gewalttätigkeit vollständig abzulehnen sind. zur rückschrittlichkeit der moderne herausragende beiträge zu leisten ist nun wiederum bekanntlich eine der vorlieben des landeshauptmanns haider, der es immer wieder schafft, beim kampf gegen sämtliche minderheiten, die in seine nähe kommen, seine rolle als prototyp des österreichischen demokratiegeisterfahrers zu vertiefen. als vor ein paar tagen im orf ein verfassungsrechtler leicht verschämt davon sprach, dass letzten endes einzig und allein der bundespräsident mithilfe des bundesheeres die im staatsvertrag als recht der kärtner slowenen festgeschriebene aufstellung von zweisprachigen ortstafeln durchsetzen könnte, malte er mit dieser beiläufigen äusserung ein absolut fernsehfilmreifes szenario an die mediale nebelwand: stellen sie sich vor, wie der oberkommandierende heinz aus wien, flankiert von schützenpanzern, mit einem mit zweisprachigen ortstafeln bewaffneten bataillon die betroffenen ortschaften abklappert, um dort die tafeln in den acker zu rammen. damit auch der österreichische rechtsstaat wieder mal in seiner moderne, die seit 50 jahren eigentlich gegenwart wäre, ankommt. lei lei, die artillerie ist da! in diesem zusammenhang soll hier aber auch auf das recht zb der mühlviertler bevölkerung auf internationalisierung hingewiesen werden, die ebenso durch das aufstellen zweisprachiger ortstafeln gefördert werden könnte, es böten sich klangvolle lösungen an wie zum beispiel: kirchschlag/churchbeat, wildberg/wild mountain, freistadt/freetown, rohrbach/pipecreek, sandl/sandy und, die ortstafel mit dem wahrscheinlich höchsten glamfaktor: sternstein/starstone. guter bandname so gesehen. apropos glam: so niederschmetternd die news aus den redaktionen der aufgeklärten in letzter zeit auch gewesen sein mögen, so gibt es doch auch immer wieder die kleinen highlights, die einem freude machen, wie zb neulich der hinweis, dass am 9. april nicht nur jean-paul belmondo und ich geburtstag haben, sondern auch die ehemalige wiener glittermadame adele bloch-bauer, deren von klimt gemalte porträts nun zu recht endlich zu ihren eigentümern zurückkehren, ohne dass noch irgendein arisierungswütiger rüpel dies mit dubiosen tricks verhindern könnte. zu diesen bildern und ihrem werdegang fiel in den medien so oder zumindest so ähnlich folgender satz: so viel schönheit verträgt österreich nicht. schaut so aus. |
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