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Spektakel - Kunst - Gesellschaft
Von Stephan Grigat / Johannes Grenzfurthner/ Günther Friesinger (Hg.)
 
Vorwort
Biene Baumeister Zwi Negator ? ?Situationistische Revolutionstheorie? ? Communistische Aktualität und linke Verblendung
Stephan Grigat ? Fetischismus und Widerstand. Guy Debords Rezeption der Kritik der politischen Ökonomie und die Schwierigkeiten der Gesellschaftskritik nach Auschwitz
Biene Baumeister Zwi Negator ? Proletarität ? Kunst ? Sprache. Situationistische Rekonstruktion und Aufhebung
Bernd Beier ? Über das Unbehagen an der Kulturindustrie. Das Elend des studentischen Milieus und die Bewegung der französischen Kulturprekären
Eiko Grimberg ? Verwirklichen und Wegschaffen. Was die SI mit der Kunst wollte
Thomas Ballhausen ? Latenz und Aktualität. Marginalien zu Guy Debord als literarischem Medienarbeiter
Alexander Emanuely ? Man reiche mir einen anderen Kosmos, oder ich krepiere.? Über Einstein, Surrealismus, Schreie und Cravan



Vorwort

Der vorliegende Band versammelt Vorträge, die auf dem gleichnamigen Symposium im Januar 2005 in der Kunsthalle Exnergasse im Werkstätten- und Kulturhaus (WUK) in Wien gehalten wurden. Sie werden durch weitere Beiträge zum Thema ergänzt. Das Wiener Symposium wurde vom Bureau für Philosophie sowie den Gruppen monochrom und Café Critique organisiert. Die Vorträge mit den anschließenden Diskussionen bezweckten einen Austausch zwischen den ? entgegen allen Ansprüchen und Bekundungen ? üblicherweise fein säuberlich getrennten Sphären von Kunst und Gesellschaftskritik, sowie eine Debatte über die heutige Relevanz von emanzipativen Konzepten aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Eine Auseinandersetzung mit Theorie und Praxis der Situationistischen Internationale bot und bietet dazu jegliche wünsch- und denkbare Gelegenheit. Und so konnten sich auf der Veranstaltung Künstler über die ökonomie- und staatskritischen Grundlagen Guy Debords informieren; ökonomistisch bornierten Klassenkämpfern wurde verdeutlicht, dass es bei Fragen der Ästhetik wenig um Geschmack, aber viel um eine bessere Einrichtung der Welt geht; und ergraute Fans und Zeitgenossen der Situationisten, die Debord gerne gewürdigt und geehrt, nicht aber kritisiert gesehen hätten, konnten sich darüber empören, dass an der Kritischen Theorie von Marx und Adorno geschulte Referenten, ausgehend von eben solch einer Kritik an Debord, sich zu aktuellen politischen Fragen positionierten, anstatt sich mit einer Musealisierung der SI zu begnügen.
Die das Symposium veranstaltenden Gruppierungen, die Herausgeber und die Autoren entstammen so unterschiedlichen Theorietraditionen, dass die Formulierung gemeinsamer Positionen schwierig ist. Zwar teilen die Autoren des vorliegenden Bandes einige Grundannahmen in ihrer Kritik, welche eine Zusammenarbeit erst ermöglicht, dennoch entstammen sie keineswegs einem einheitlichen Spektrum. Auf inhaltliche Vorgaben seitens der Herausgeber wurde daher weit gehend verzichtet.
Einigkeit besteht darin, dass es heute gegen kulturindustrielle Vereinnahmungsversuche darum geht, Debord und die SI in ihrem revolutionären Anspruch ernst zu nehmen. Keineswegs ging und geht es um eine ?Indienstnahme Debords?, wie es im üblichen linksjournalistischen Unverstand in einem Bericht zu dem Symposium hieß, sondern um eine Diskussion der Vorstellungen der Situationistischen Internationale vor dem Hintergrund der gesellschaftskritischen Diskussionen der letzten 20 Jahre.
Maßgeblich vorangebracht wurde solch eine Diskussion zuletzt durch die Einführungsbändchen zur ?Situationistischen Revolutionstheorie? des Autorenkollektivs Biene Baumeister Zwi Negator. Sowohl vom Autorenkollektiv als auch in den anderen Beiträgen der vorliegenden Textsammlung wird versucht, einige jener Aspekte der situationistischen Kritik, die in der notwendigen Knappheit einer Einführung zu kurz kommen mussten oder nicht vertieft werden konnten, aufzugreifen. Um den Band auch für Einsteiger in die Materie les- und nutzbar zu gestalten, liefern Biene Baumeister Zwi Negator eingangs eine Kurzfassung ihrer Einführung in die situationistische Revolutionstheorie.

Die Herausgeber
Wien, Februar 2006