Extrem unbrauchbar. Über Gleichsetzungen von links und rechts

Extrem unbrauchbar. Über Gleichsetzungen von links und rechts

Tom David Uhlig / Eva Berendsen / Katharina Rhein
Broschur, 304 Seiten, Edition Bildungsstätte Anne Frank 2
Preis: 19,00 €
ISBN: 9783957324085


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Rechtspopulistische Strömungen finden auf ihrem Feldzug gegen die Demokratie ein mächtiges begriffliches Mittel vor: die Extremismustheorie. Gewonnen aus einer spezifischen Lesart totalitarismuskritischer Arbeiten, etwa von Hannah Arendt, hat sich im Sprechen über die Gesellschaft ein Hufeisenmodell durchgesetzt: Eine Mitte der Gesellschaft werde von ihren Rändern bedroht. Islamismus, Rechtsextremismus und Linksextremismus arbeiten daran, die Demokratie zu zerstören. Doch besonders die Gleichsetzung von Rechtsextremismus und Linksextremismus führt oft dazu, ersteres auf Kosten von letzterem zu verharmlosen. Zudem ist die Konstruktion einer gesellschaftlichen Mitte selbst problematisch. Was gehört zu dieser Mitte, was nicht? Gerade die aktuellen Erscheinungsformen rechter Ideologien zielen darauf ab, gerade noch anschlussfähig zum gesellschaftlichen Diskurs zu bleiben und ihn durch kalkulierte Grenzverletzungen nach rechts zu verschieben – mit einigem Erfolg, Stichworte: »Flüchtlingswelle«, »Genderismus« oder »political correctness«. Doch wenn selbst der positive Bezug auf das Grundgesetz teilweise als linksradikal diskutiert wird, desavouiert sich dieses Hufeisenmodell endgültig.

 

 

Mit Beiträgen von Eva Berendsen, Katharina Rhein, Tom Uhlig, Wolfgang Wippermann, Daniel Keil, Dana Ionescu, Ingolf Seidel, Meron Mendel und Deborah Krieg, Robin Koss, Kira Ayyadi, Maximilian Pichl, Sarah Schulz, Lillemor Kuht, Jonas Fedders, Charlotte Busch und Julia König, Paula Irmschler, Leo Fischer, Saba-Nur Cheema

 

Inhaltsverzeichnis

Rechts von uns ist nur das Land

– Eva Berendsen, Katharina Rhein und Tom Uhlig

Wer nicht vom Faschismus reden will, sollte vom Extremismus und Populismus schweigen

– Wolfgang Wippermann

Politik(wissenschaft) als Mythos: Die Extremismustheorie und das Hufeisen

– Daniel Keil

Eine Totalitarismustheorie, die eigentlich keine ist. Die deutschsprachige Rezeption von Hannah Arendts Theorie der totalen Herrschaft

– Dana Ionescu

Politische Bildung als positiver Verfassungsschutz? – Über ein deprimierendes Demokratieverständnis

– Katharina Rhein

Extremismus – Ein Konzept zur Lähmung des Kampfes gegen Rechts

– Ingolf Seidel

„Das freche Kind“. Der Extremismusbegriff als Beeinträchtigung zivilgesellschaftlicher Organisationen

– Interview mit Meron Mendel und Deborah Krieg

Beste Freunde. Wie die AfD mit der Extremismus-Formel Demokratieprojekte unter Druck setzt

– Robin Koss

Goldrichtig. Über Rechte (reden) auf der Buchmesse, in Talkshows und anderswo

– Eva Berendsen

#wirsindmehr: Wer gegen Neonazis demonstriert ist nicht „linksextrem“, sondern Demokrat*in!

– Kira Ayyadi

Im Recht. Der Extremismusbegriff schützt vor allem eins: die Verfasstheit der herrschenden Wirtschafts- und Sozialordnung gegen emanzipatorische Politik

 

 

"Das hat doch nichts mit dem Islam zu tun!". Muslime  im Extremismustheater

Saba-Nur Cheema

 

– Maximilian Pichl

„Wehrhafte Demokratie“ oder wie ein Inlandsgeheimdienst zum Demokratieschützer wird

– Sarah Schulz

Ein Ausnahmefall? Über die Isolierung rechten Terrors aus gesellschaftlichen Zusammenhängen am Beispiel NSU

– Lillemor Kuht

Kulturrevolution von Rechts. Die Diskursstrategien der Neuen Rechten

– Jonas Fedders

Deutschlands Platz in der Antarktis. Wie sich die Volksgemeinschaft an Kälte wärmt

– Tom David Uhlig

Lustkiller Feminismus. Zur Extremisierung von geschlechtlicher und sexueller Vielfalt in rechten Diskursen

– Charlotte Busch und Julia König

Antisemitism – Connecting People

– Katharina Rhein und Tom Uhlig

Das Goldene Hufeisen

im Interview

Woher kommt die Wut?

– Paula Irmschler

G20 in Hamburg – Menetekel oder Gefahr?

– Leo Fischer

Autor*innenangaben

Diese Kritik ist insgesamt weder neu, noch wahnsinnig überraschend. Bemerkenswert ist aber, sie so gründlich recherchiert, sortiert und frei von Beißreflexen zu formulieren. "Extrem unbrauchbar" ist es gelungen, in Lehrbuchmanier das aufzubereiten, was in Lehrbüchern üblicherweise nicht steht. Verdienstvoll ist das, sehr sogar - das Buch wird sicher dazu beitragen, die meist entlang von Bauchgefühlen und Betroffenheit geführte Debatte weiterzubringen.

Jan-Paul Koopmann / Spiegel Online 

 

Tom Uhlig im Gespräch mit HR2 darüber, was zur sogenannten Mitte gehört und wo der Rand der Gesellschaft beginnt.

 

Es ist ein empfehlenswerter Sammelband mit teilweise hervorragenden Beiträgen.

Ramba Zamba