Deutschland / Russland. Topographien einer literarischen Beziehungsgeschichte

Deutschland / Russland. Topographien einer literarischen Beziehungsgeschichte

Carsten Gansel (Hg.)
Hardcover, 616 Seiten
Preis: 39,00 €
ISBN: 9783957324573


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Deutschland und Russland verbindet eine komplexe Beziehungsgeschichte, die sich insbesondere in ihrer literarisch-künstlerischen Ambiguität zeigt. Betrachtet man die letzten 100 Jahre, dann betrifft dies auf der politisch-kulturellen Ebene Entwicklungen, die ein erhöhtes Störungspotential markieren und die von der Oktoberrevolution 1917 über den Hitler-Stalin-Pakt bis zur nationalsozialistischen Vernichtungspolitik reichen, sodann die Blockbildung nach dem Zweiten Weltkrieg, die Teilung Deutschlands und die Veränderungen seit 1989/1990. Vor diesem Hintergrund gibt es vielfältige kulturelle wie literarische Äußerungsformen sowohl in der deutschen, aber auch in der sowjetischen bzw. russischen Literatur und Kultur. Von daher ist mit dem Zeitraum ab 1917 ein umfangreiches Bezugssystem aufgerufen, das keineswegs nur literatur- und kulturwissenschaftliche Fragen betrifft, sondern weltpolitische Dimensionen umfasst. Der Band sucht am Beispiel ausgewählter Ereignisse und Perioden unter die »äußere Kruste des Gewesenen« zu kommen, Gründe für verschiedene Auffassungen von der Welt zu erfassen und Toleranz gegenüber anderen Sichtweisen zu motivieren. Die Beiträge des Bandes führen zurück in die Anfangsphase der Sowjetunion. In der Folge geraten die Entwicklungen in den 1920er und -30er Jahren mit Stalins Politik ebenso in den Blick wie die entscheidende Zäsur, die mit dem deutschen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion ab 1941 gesetzt wurde. In diesem Rahmen spielen Exil, Deportation und Kriegsgefangenschaft eine Rolle.

Nach 1945 folgten die Teilung Deutschlands und die Gründung der beiden deutschen Staaten, die – hier wie da – unterschiedliche Sichten motivierten. Schließlich wird gezeigt, in welcher Weise die deutschsprachige Gegenwartsliteratur maßgeblich auch durch eine junge »Generation« deutsch-russischer Autorinnen und Autoren mitgeprägt wird.

Der Band wird durch Stimmen von sechs Zeitzeuginnen und Zeitzeugen – Anton Hiersche, Gusel Jachina, Joochen Laabs, Irina Liebmann, Katharina Martin-Virolainen und Waltraut Schälike –, die Vergangenheit und Gegenwart in den Blick bekommen, abgerundet.

Der Slawistikprofessor Anton Hiersche [bringt] im vorliegenden Band DDR-Geschichte auf persönliche Weise und mit dermaßen vielen Einzelheiten in Zusammenhang mit sowjetischen Büchern [...], dass allein schon sein 70-seitiges Gespräch mit Gansel es wert ist, sich dieses dicke Buch nicht nur ins Regal zu stellen, sondern es auch zu studieren. Auch sonst ist der von Gansel zusammengestellte Band nicht zuletzt auch in denjenigen Beiträgen interessant und stark, die der "literarischen Beziehungsgeschichte" zwischen Deutschland und Russland einen politischen und gesellschaftlichen Rahmen geben.

Irmtraud Gutschke / neues deutschland

 

höchst spannend und aufschlussreich [...] Was den Leser bei der Lektüre von „Deutschland Russland. Topographien einer literarischen Beziehungsgeschichte“ in Spannung versetzen kann, sind die neuen Bilder, die viele der Beiträge von der Geschichte des gegenwärtig belasteten deutsch-russischen Verhältnisses zeichnen.

Michael Hametner / Karenina

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