Familiengefühle. Generationengeschichte und NS-Erinnerung in den Medien

Familiengefühle. Generationengeschichte und NS-Erinnerung in den Medien

Jan Süselbeck (Hg.)
Broschur, 304 Seiten
Preis: 18,00 €
ISBN: 9783943167818


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Familienromane erregen Aufmerksamkeit. Sie werden in der Presse debattiert und avancieren zu preisgekrönten Bestsellern. Auch das Fernsehen folgt dem Trend. Besondere Bedeutung messen typische Plots der Rolle der NS-Verstrickung einer konstruierten ›Kriegsgeneration‹ von ›Eltern‹ oder ›Großeltern‹ zu, mit der sich deren ›Kinder‹ und ›Enkel‹ auseinandersetzen. Warum aber entwickeln diese Geschichten eine derartige Emotionalisierungskraft, und wie wird diese ästhetisch erzeugt? Welche Gefühle genau werden durch diese Darstellungen hervorgerufen?  

 

Dieses Buch bietet kritische Beiträge zur Emotionalisierungskunst im Roman, im Comic und im Film. Neben Werken viel gelesener Autoren wie Arno Geiger, Bernhard Schlink und Uwe Timm werden dabei auch missverstandene oder bisher kaum beachtete Texte von Gisela Elsner, Thomas Harlan und Reinhard Jirgl untersucht.

 

Mit Beiträgen von Ole Frahm, Andrea Geier, Sieglinde Geisel, Hans-Joachim Hahn, Konstanze Hanitzsch, Urte Helduser, Markus Joch, Christine Künzel, Matthias N. Lorenz, Jan Süselbeck und Sabrina Wagner.

 

INHALT

I. THEORETISCHE GRUNDBEGRIFFE UND EINFÜHRENDE FALLBEISPIELE

Vorwort
Generationennarrative als Emotionalisierungsfaktor der NS-Erinnerung in den Medien
Jan Süselbeck

Distanziert, nüchtern, unbefangen?
Zur Konstruktion und Zuschreibung >generationentypischer< Emotionen im Diskurs um eine Erinnerungsliteratur der >Enkel<
Sabrina Wagner

II. EMOTIONALISIERUNGSTECHNIKEN UND GENERATIONENDISKURSE IN DER LITERATUR BIS 1989

"Albert und ich"
Wie Alfred Andersch emotionalisierteund was davon zu halten ist
Markus Joch

"Ohne einen Anflug von Mitgefühl"
Der Generationsdiskurs als "Gegenfluch": Monströse Kriegskinder in Gisela Elsners Roman "Fliegeralarm"
Christine Künzel

III. FAMILIÄRE >ERBSCHAFTEN< DER NS-GESCHICHTE UND IHRE AMBIVALENTE AUFARBEITUNG IN DER GEGENWARTSLITERATUR

Verstörende Dokumente, irritierende Erzähldynamiken
Potentiale und Probleme des Genres Familienroman (Uwe Timm und Ulla Hahn)
Andrea Geier

Das Erbe antreten
Zu Thomas Harlans literarischer Auseinandersetzung mit der Schuld der Tätergeneration in "Veit" und "Heldenfriedhof"
Sieglinde Geise

Vergangenheit als Sperrmüll
Generationengeschichte und NS-Erinnerung in Arno Geigers Roman "Es geht uns gut"
Urte Helduser

Deutsche Geschichte als Fluch und Gespenst
Literarische Inszenierungen emotionaler Verstrickung bei Stephan Wackwitz und Bernhard Schlink
Hans-Joachim Hahn

"Familie – der Schoß, dem aller Dreck entsteigt."
Sexuelle Gewalt und ihre intergenerationelle Tradierung als zentrale Motive in Reinhard Jirgls Familienroman "Die Unvollendeten"
Matthias N. Lorenz

IV. EMOTIONALISIERUNGSSTRATEGIEN IN DER
GRAPHIC NOVEL UND IM DOKUMENTARFILM

Maske. Fuge. Wiederholung.
Emotionalisierungsstrategien des autobiografischen Familiengedächtnisses in den Graphic Novels von Line Hoven und Simon Schwartz
Ole Frahm

"Doing Generation" im Dokumentarfilm
Zwischen Scham und Schuldabwehr – Malte Ludins "2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß"
Konstanze Hanitzsch

Autorinnen und Autoren

Die Essaysammlung wehrt das Bedürfnis nach Familienromanen und biografischen Annäherungen nicht ab, sie bietet anschauliche kritische Lektüren zum Umgang mit der NS-Geschichte. [...] Die Antwort auf die Frage, ob die jüngere Literatur die Schuldfrage revidiert und einen deutschen Opfermythos konstruiert, ist nicht von der Generationenzugehörigkeit der Autoren abhängig, resümiert das Buch. Was zählt, ist die Haltung, mit der sie Gefühle ansprechen.

Claudia Lenssen / Deutschlandradio Kultur

 

Dass der Band im Verbrecher Verlag erscheint, nährt die Hoffnung, dass er auch jenseits der Uni-Bibliotheken ein Publikum findet, was ihm wie einigen der behandelten Autor_innen nur zu wünschen wäre.

Chris W. Wilpert / testcard. beiträge zur popgeschichte

 

Indem er auf die Problematik eines veränderten ästhetischen Zugangs zur NS-Zeit aufmerksam macht, liefert der von Süselbeck herausgegebene Band einen Beitrag zur aktuellen Debatte um die generationenübergreifende Erinnerung an den Holocaust.

Annette de Vries / Marburger UniJournal


Jan Süselbecks Sammelband wird der Tatsache, dass es sich bei der zeitgenössischen literarischen Bearbeitung von Krieg und NS um ein höchst brisantes und politisches Thema handelt, allerdings insofern gerecht, als dass alle Beiträge eine dezidierte Haltung zur jeweils besprochenen Literatur erkennen lassen. [...] Diese Bereitschaft der Autor_innen, eindeutig Stellung zu beziehen, macht „Familiengefühle. Generationengeschichte und NS-Erinnerung in den Medien“ im Unterschied zu anderen wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema zu einem politisch relevanten Beitrag.

Michaela Hartl / kritisch-lesen.de


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