Nächte der Übersetzung: »Übersetzen. Im Herzen der Gewalt«. Übersetzung als Politikum: May Ayim und Ronald M. Schernikau

Wie schafft man Gewalt einen Weg in die andere Sprache? Kann man Grenzerfahrungen mit Rassismus, Homophobie oder Krankheit überhaupt übersetzen? Wie positioniert sich eine Übersetzung zwischen Literatur, Innenleben und Politik? Welchen Platz gibt es in anderen Sprachen für radikale Stimmen? Diese Fragen stellen sich Jeffrey Trehudic, Lucie Lamy und Jean-Philippe Rossignol bei der Übersetzung der Texte von May Ayim und Ronald M. Schernikau, zwei Autor*innen, die Gewalt in Form von Diskriminierung und Krankheit erlebten. Sie engagierten sich in politischen Kämpfen und hinterließen verstörende, ironische Werke. Auf Französisch sind ihre Texte in ausgewählten Auszügen in der Zeitschrift Litterall zum ersten Mal zugänglich. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe der Nächte der Übersetzung "Übersetzen. Im Herzen der Gewalt" des Institut français Deutschland statt und stellt die Arbeit dieser Literaturzeitschrift vor, die singuläre deutschsprachige Texte an das französischsprachige Publikum vermittelt.

Die Dichterin, Essayistin und afro-feministische Aktivistin May Ayim wurde 1960 in Hamburg geboren. Ihr Leben prägten sowohl das politische Engagement als auch die Literatur. Ihre beiden Gedichtbände, blues in schwarz weiß (1995) und nachtgesang (1997), befassen sich mit den kolonialistischen, rassistischen und konsumeristischen Missständen einer Welt, der sie eine kämpferische, schöpferische Energie entgegensetzen. Sie beging 1996 in Berlin Suizid. 

Ronald M. Schernikau, geboren 1960 in Magdeburg, floh mit seiner Mutter aus der DDR in die Nähe von Hannover. Er studierte in West-Berlin und Leipzig, bevor er nach Ost-Berlin zog und kurz vor dem Fall der Mauer die DDR-Staatsbürgerschaft erhielt. Mit seinem beißenden literarischen Stil schrieb er für linke Zeitungen und queere Zeitschriften. Er hinterließ ein vielseitiges Werk, in dem sich Autofiktion und politisches Engagement ineinander verschmelzen und die herrschenden Normen der deutschen Gesellschaft in Frage stellen. Er starb im Alter von 31 Jahren an AIDS. Sein Opus Magnum legende wurde 1999 aus dem Nachlass veröffentlicht.

In Kooperation mit dem Verein KOSMOPOLIT und der Buchhandlung Schwarze Risse.

Auf Französisch und Deutsch.

Anmeldung erforderlich: per E-Mail an mediathek.berlin@institutfrancais.de

Für diese Veranstaltung gilt die 3-G-Regel: Sie müssen entweder geimpft/genesen sein oder einen negativen Coronatest vorlegen. Die Maskenpflicht gilt weiterhin.

 

13.11.2021 | 17.30 Uhr

Ronald M. Schernikau

Lesung, Zeitschriftenvorstellung, Übersetzungspräsentation

Ort
Institut Francais

Kurfürstendamm 211

10719 Berlin