Georg Stefan Troller ist tot. Er starb im Alter von 103 Jahren am 27. September in Paris.
Troller wurde am 10. Dezember 1921 in Wien geboren, musste 1938 nach Frankreich emigrieren, dann in die USA. Mit den US-Truppen kam er 1945 nach Deutschland, um unter anderem das KZ Dachau zu befreien. Seit 1949 lebte er in Paris.
Berühmt wurde er in den sechziger Jahren mit der Fernsehsendung „Pariser Journal“, danach lief seine „Personenbeschreibung“ über mehr als zwei Jahrzehnte.
Troller drehte bedeutende Dokumentarfilme wie „Mord aus Liebe“, „Unter Deutschen“ oder „Amok“ und nicht zuletzt den Film „Selbstbeschreibung“, der auf seiner gleichnamigen Autobiographie beruht. Auch veröffentlichte er, der ursprünglich Dichter werden wollte, zahlreiche Bücher, so etwa 2021 „Meine ersten 100 Jahre“. Seit 2021 schrieb er die monatliche Kolumne „Trollers Jahrhundert“ für die „Literarische Welt“.
Im Verbrecher Verlag erschien 2022 als sein letztes Buch gewissermaßen sein erstes, denn in dem von Wolfgang Jacobsen herausgegebenen Band „Der Unnötige. Frühe Texte“ erschienen seine bislang unveröffentlichten Erzählungen aus den 40er und 50er-Jahren, Troller ergänzte die Sammlung zudem mit einigen seiner bislang ebenfalls unveröffentlichten Gedichte.
Troller war Mitglied der Akademie der Künste, Berlin, und Mitglied des PEN Deutschland, 2023 ernannte ihn zudem der PEN Berlin zu seinem Ehrenmitglied.
Wir haben Georg Stefan Troller als einen stets zugewandte, und ebenso skeptischen wie humorvollen Humanisten kennengelernt. Mit seinem Kampf für eine offene Gesellschaft und gegen Antisemitismus und Faschismus bleibt er uns ein großes Vorbild. Wir trauern um den großen Autor und Filmer und wünschen seiner Familie und seinen Freund*innen viel Kraft.
Foto © Anna Frandsen
