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aegis preis

Laudatio Aegis Preis an den Verbrecher Verlag
Stefan Weidle

 

Begonnen hat es nahezu olympisch: 1995 erschien das Buch »Cordula killt Dich! oder Wir sind doch nicht die Nemesis von jedem Pfeifenheini. Roman der Auferstehung« von Dietmar Dath, und danach eine Olympiade, also vier Jahre lang, erschien kein weiterer Titel, der Verlag schien seine verbrecherische Mission vollendet zu haben. Diese Mission bestand darin, auf halblegalem Wege an unveröffentlichte Manuskripte zu kommen, im wesentlichen zum Eigenstudium, an eine Publikation konnte schon aus finanziellen Gründen nicht gedacht werden. Um sich nun nicht den Anschein von Seriosität zu geben, wählten Werner Labisch und Jörg Sundermeier, getreu dem Satz von Bob Dylan: »To live outside the law you must be honest«, einen entsprechenden Verlagsnamen: Der Verbrecher Verlag war geboren, auch wenn er es noch gar nicht wußte. Leider verzeichnet die Verlagschronik nicht, welche anderen Autoren in der Gier nach Unveröffentlichtem angeschrieben worden sind; vermutlich kann dieses Geheimnis erst 70 Jahre nach dem Tod der beiden Verlagsgründer gelüftet werden. Ich bin jedenfalls schon gespannt, was dann aus den Archiven ans Licht kommen wird.

Nun, der Paukenschlag der ersten Veröffentlichung klang eher wie das schüchterne Kratzen eines Fingernagels auf dem Tamburin und blieb fast ungehört. Die Auflage umfaßte 700 Exemplare, der Druck in 8 Punkt Schriftgröße konnte immerhin teilweise verschleiern, daß die falsche, nämlich unkorrigierte Version der Datei belichtet worden war. Über die Bindung schweigen wir vielsagend. Jedenfalls wurden im ersten Jahr 100 Exemplare verkauft. A Star was Born, bzw. gezeugt zu einer knapp vierjährigen Schwangerschaft.

Beiläufig: Auch unser erstes Buch erschien 1995 und hat in den ersten beiden Jahren rund 120 Exemplare verkauft – leider setzten danach die Remissionen ein, und als die charttechnisch wichtige Marke von 100 unterschritten war, fielen wir schließlich auf etwa 80 endverkaufte Exemplare zurück. Im Unterschied zur Erstveröffentlichung des Verbrecher Verlags, die heute im Antiquariat ziemlich teuer ist, ist unser Erstling kaum was wert (ich täte tauschen, Jörg, das wäre dann das schlechteste Geschäft Deines Lebens).

Werner Labisch und Jörg Sundermeier heißen die Erstverbrecher, damals beide noch Studenten und Vielleser, eine nicht mehr häufig anzutreffende Kombination. Zum 30. Geburtstag des Verlags erschien im vergangenen Jahr die erste Verlagschronik (von hoffentlich vielen), in der Werner Labisch per Vorwort anschaulich von den verbrecherischen Frühzeiten berichtet. Werner hat den Verlag Ende 2010 verlassen, um sich anderen Aufgaben zu widmen, wie man zumeist euphemistisch sagt, was hier aber nicht der Fall ist: Werner ist heute in Potsdam als Erzieher tätig und beweist damit die Richtigkeit von Klaus Wagenbachs These, daß in jedem Verleger, der es ernst meint, ein Pädagoge steckt.

Bevor ich nun ausführlich auf jede einzelne Veröffentlichung eingehe, es dürften um 630 Titel sein, versuche ich mich zu erinnern, wie ich den Verlag kennengelernt habe. Es wird wohl in den frühen 2000er Jahren gewesen sein, vermutlich auf der Frankfurter Buchmesse, wo der Verlag erstmals im Jahre 2000 auftauchte. Da ich bei der ersten Begegnung mit Jörg Sundermeier sofort das Gefühl hatte, ihn schon mein ganzes Leben lang zu kennen, läßt sich der Anfang unserer Freundschaft nicht mehr genau ermitteln. Jedenfalls begann damals eine Zusammenarbeit über Verlagsgrenzen hinweg, denn Jörg hat nie nur das eigene Unternehmen gesehen, sondern immer auch den Zusammenhang, in dem es sich entfalten kann bzw. könnte. Programmatisch hatten wir keine Überschneidungen, neben dem politischen Anspruch des Verlags schätzte ich hauptsächlich den Einsatz für weitgehend vergessene Autoren wie Gisela Elsner, Rudolf Lorenzen oder Peter O. Chotjewitz. Wir setzten uns ebenfalls für vergessene Autoren ein, aber aus der Generation vorher, wie sich das gehört, denn ich bin fast eine Generation älter als Jörg. Parallelen also ja, Überschneidungen nein. Das bezieht sich auch auf die konsequent minimalistisch gehaltene Gestaltung der Verbrecher-Bücher, damals fast ein Sakrileg! Ich erinnere mich an eine Kuratoriumssitzung der Kurt Wolff Stiftung, in der es um künftige Preisträger ging, bei der einer der Herren fast aufschreiend verkündete, er werde sofort zurücktreten, wenn ein Verlag ausgezeichnet würde, dessen Bücher SO aussehen. Man unterstellte damals eine Not, wo man heute eine Tugend preist, nämlich die radikale, aber konsequente Reihengestaltung von Sarah Lamparter, genial fortgeführt von Christian Walter. Das aber hat gedauert und erinnert mich an Doderers Aphorismus: »Erst bricht man Fenster, dann wird man selbst eines.« So ist der Verbrecher Verlag erst 2014 mit dem Kurt Wolff Preis bedacht worden, in dem Jahr also, in dem sich eine große Veränderung ergab, als Kristine Listau in das Unternehmen eintrat. Sie hat es nicht marxmäßig vom Kopf auf die Füße gestellt, aber sie hat doch viele Schritte zur überlebensnotwendigen Professionalisierung eingeleitet. Etwas Besseres hätte dem Verlag (und, soviel darf ich verraten, auch Jörg Sundermeier privat) nicht passieren können. Ich habe damals bei der Preisverleihung gesagt: »Wir stehen in und vor schwierigen Zeiten. Nur wer den Kopf sehr tief in den Sand gesteckt hat, kann sich Illusionen machen. Es steht nicht zum Besten für unsere Branche.« Das müßte man heute als Untertreibung bezeichnen. Aber: Es gibt keinen Independent Verlag, der sich klüger und besser auf die neuen Herausforderungen eingestellt hat, nicht allein durch sein durchgehend großartiges, weitgefächertes Programm, sondern eben auch durch so etwas wie Markenbildung und eine Leserbindung, wie kein anderer Verlag sie versucht hat. Zahllose Veranstaltungen, nicht allein in Berlin, zu festen Terminen (Verbrecher Versammlung), eine enge Verzahnung mit dem unabhängigen Buchhandel, nicht zuletzt durch die Verlagsvertreterinnen Christiane Krause, Regina Vogel, Anna Güll und Michel Theis (und so unvergessen wie unvergeßlich Judith Heckel und Nicole Grabert). Man benutzt derzeit gern den Ausdruck etwas ist »Kult«. Auf den Verbrecher Verlag trifft der Ausdruck in mancherlei Hinsicht zu. Man darf aber nicht übersehen, wieviel Arbeit und Leidenschaft und Hingabe nötig sind, das zu erreichen! Das geht nur mit einem so großartigen Team, wie Ihr es habt: Johanna Seyfried, Nina Wehner, Alex Bachler und als Gestalter Christian Walter (da sieht man, Ihr habt ein Herz für Lyrik). Im Juni 2015 waren Jörg & ich auf Einladung von Rasmus Schöll und Florian Arnold schon einmal in Ulm, im Nachklang zum Kurt Wolff Preis. Ein lauer Abend unter Bäumen mit einem vor Begeisterung tobenden Publikum (45.000 Besucher hätte Donald Trump gezählt). Zwei Jahre darauf kam ich allein zu einer Verlagsvorstellung wieder, bei der aber nur ein einziger Zuhörer erschien. Wodurch sich für mich die Zugpferdfrage stellte (und beantwortete).

Die Verleihung der Kurt Wolff Preise 2014 war meine vorletzte, und es ging darum, im Folgejahr einen neuen Vorstand präsentieren zu können, denn Monika Bilstein, Dietrich zu Klampen und ich hatten unser Soll erfüllt. Wen sollten wir fragen? Schnell einigten wir uns auf Britta Jürgs (AvivA), Leif Greinus (Voland & Quist) und eben Jörg Sundermeier, denn wir wollten den Vorstand an die nächste Generation weitergeben und wußten, daß diese drei sich gut verstanden. Die Frage war nur: Wie kriegen wir sie rum? Unsere geniale Idee sah so aus: Es gab damals noch die Party der jungen Verlage, bei der es spät wurde und Nüchternheitswettbewerbe mangels Kandidaten ausfielen. Beiläufig: Ich habe Leif damals gefragt, wie lange die jungen Verlage noch jung heißen würden, und er antwortete: Bis das erste Enkelkind da ist. Nun, wir setzten auf den berühmten »Morgen danach« und gingen als Trio überfallmäßig zu den drei Hoffnungsträgern. Sie waren erfreulich benebelt und sagten sofort zu (Leif allerdings äußerte später, er dürfe eben so früh am Tag keinen Wein trinken). Damit begann ein neues Kapitel in der Geschichte der Kurt Wolff Stiftung, das nicht zuletzt von Jörg Sundermeiers Durchsetzungsvermögen geprägt war und das uns Independents schließlich den Deutschen Verlagspreis beschert hat – und nicht nur den. Er hat stets das Ganze im Blick, was natürlich auch für Kristine Listau gilt, die sich bei den Bücherfrauen ebenso ehrenamtlich engagiert hat wie gegenwärtig in der Fachgruppe Literatur zum Berliner Kulturfördergesetz. Unabhängige Verlage können kaum mehr vom Buchverkauf allein leben und bedürfen der Förderung. Jörg hat sich im Börsenverein engagiert und beim PEN Berlin. In unserer Branche bestellt man eben nicht allein sein eigenes kleines Feld, sondern ist mit allen anderen auf demselben Acker zugange, woselbst übrigens keineswegs die dümmsten Bauern die dicksten Kartoffeln ernten.

Da die Zeit fortgeschritten ist, werde ich nun doch nicht einzeln auf alle Titel des Verlags eingehen, Sie kennen das Programm, sonst wären Sie nicht hier, und haben viele der Bücher vor sich. Und bei einem Verlag, der Solidarität nicht nur auf seine Fahnen geschrieben hat, sondern auch täglich lebt, scheint es mir nicht fair, einzelne Autorinnen oder Autoren herauszuheben. Das politische Engagement gegen Rassismus, Sexismus und Antisemitismus, für Feminismus und die Rechte von Minderheiten ist allgemein bekannt, daneben gibt es nicht genug zu lobende Großprojekte wie die Edition der Tagebücher von Erich Mühsam oder die siebenbändige Romanreihe »Das Büro« von J. J. Voskuil, übersetzt von Gerd Busse. Ich habe die etwa 5200 Seiten gelesen und kann nur sagen: Wenn Sie keine Zeit haben, dann lesen Sie dieses Buch. Sie werden schon sehen, was passiert. Aber der Verlag war auch immer offen für literarische Experimente, etwa von Elfriede Czurda oder Ann Cotten, es gab und gibt Gedichtbände – ich freue mich schon auf den Herbst, wenn das nächste Buch von Marion Poschmann erscheint, »Flußfragmente«, mit Zeichnungen der Autorin. Titel zur Filmgeschichte wurden publiziert, Graphic Novels, der Verbrechen war und ist kein Ende. Manchmal haben wir uns im selben Umfeld getroffen, etwa zum Gastland Georgien auf einer gemeinsamen Verlegerreise 2015 – Giwi Margwelaschwili und Nina Gelaschwili zog es zum Verlag, und auch die wunderbare Nino Haratischwili veröffentlichte unter unseren neidvollen Blicken ihren Roman »Juja« im kriminellen Milieu. Und da war auch noch Island, ein paar Jahre vorher, 2011. Die Verbrecher publizierten dazu das vielleicht lustigste Buch aller Zeiten: Den von Karl Wetzig übersetzten Roman »Vikivaki« von Gunnar Gunnarsson: Ein Mann, der die Einsamkeit sucht, hat sich nahe an einem aufgelassenen Friedhof im Wald angesiedelt und hört zu Silvester Radio. Als die Neujahrsfanfaren ertönen, glauben die Toten, das Jüngste Gericht sei da, und steigen aus ihren Gräbern. Der Rest ist zwerchfellerschütterndes Chaos. Es gibt einige Bücher des Verlags, die mich begleiten, etwa »Junglaub. Jahre in Japan« von Detlef van Heest, aus dem Niederländischen von Gerd Busse und Ulrich Faure – so kann ich auch unseren gemeinsamen Freund Uli Faure hier unterbringen. Verdient hat er’s allemal, sein steter journalistischer Einsatz für Independent Verlage hat manches bewirkt. Und natürlich kenne ich Anke Stellings Romane, die den Verlag auf eine neue finanzielle Ebene hoben und ihm noch ehrgeizigere Projekte gestatteten. Anke Stelling ist den Verbrechern treu geblieben, was längst nicht für alle Autoren gilt, die in einem unabhängigen Verlag ihren ersten Erfolg feierten. Sie hat verstanden, daß es nicht so wichtig ist, in welcher Verlagsvorschau man firmiert, sondern an welcher Stelle in derselben. Ebenso Manja Präkels, mit der auch nach »Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß« immer noch gut Kirschen essen ist.

Der Verlag ist mit Preisen nicht gerade überschüttet worden, wenigstens nicht so, wie er es verdient hätte, aber einiges hat er doch abgeräumt. So in den Jahren 2019, 2020, 2022, 2023 und 2025 den Deutschen Verlagspreis (über die Querelen nach der letzten Preisvergabe schweigt des Sängers Höflichkeit, sonst wäre es zu Ende mit ihr). 2019 gab’s den Berliner Verlagspreis. Dazu bekam Jörg Sundermeier den schönsten deutschen Verlegerpreise überhaupt, den Karl-Heinz-Zillmer-Preis der Hamburgischen Kulturstiftung, im Jahr 2016, also fast gemäß unserer Altersdifferenz 16 Jahre nach mir. Übrigens bekommt den nächsten Zillmer-Preis Sebastian Guggolz. Eine weise Entscheidung!

Ja, die Zeiten für Bücher sind schon mal besser gewesen. Aber heute zählt das nicht, heute feiern wir. Und wir feiern einen Verlag, der alles richtig macht. Was er auch muß, denn von dem Verlag leben derzeit sechs Menschen und ein Hund. Was mich bei der Recherche besonders beeindruckt hat, ist die konsequente und kluge Vermarktung aller Facetten, die ein Verlag über Bücher hinaus bietet. Die Verbrecher haben einen Shop für Merchandise-Artikel, etwa mit der Titelillustration von Marie Minkov für das Buch »Nerd Girl Magic« von Simoné Goldschmidt-Lechner; es gibt T-Shirts, Hoodies, Beutel etc. mit diesem schönen Motiv. Darüber hinaus gibt es Tassen und Trinkflaschen, Schürzen und anderes mit verschiedenen Logos & Motiven bedruckt. Das meinte ich, als ich eingangs sagte, der Verbrecher Verlag habe es wie kein zweiter deutscher Verlag geschafft, sich als Marke zu etablieren. Nicht zuletzt dazu gratuliere ich Euch. Schließen aber will ich mit einem Zitat von Kristine Listau: »Wir glauben, dass wir als Verlag zu einer toleranten, solidarischen, freundlicheren Gesellschaft beitragen können.« Ja, das tut Ihr. Und zu einer hübscher angezogenen, dürfte ich ergänzen, wenn Eure T-Shirts nicht gerade ausverkauft wären.

Herzlichen Glückwunsch zum allerersten Aegis-Preis (und Dank an diese großartige Buchhandlung).

 

Dankesrede Aegis Preis

Kristine Listau und Jörg Sundermeier

 

Liebe Franzi, lieber Rasmus, lieber Stefan, lieber Herr Bauer, liebe Kolleg*innen, lieber Michael Moravek, liebe alle hier Versammelten,

wir werden keine lange Rede halten, versprochen, denn nach einer wie immer großartigen Rede von Stefan Weidle kann man damit nur scheitern.

Aber erlaubt uns bitte ein paar Worte des Dankes.

Am 4. März dieses Jahres wurde offiziell verkündet, dass wir diesen wundervollen neuen Preis als erste Preisträger*innen erhalten und dass dieser Preis vergeben wird für „Persönlichkeiten und Projekte, die durch ihre Arbeit am Buch zur öffentlichen Debatte beitragen, Haltung zeigen und Verantwortung übernehmen.“ Und das im Rahmen der Feierlichkeiten zum 80. Aegis-Geburtstag! Welch eine Ehre und Freude und das Glück für uns, diesen hier in Ulm mit Euch allen zusammen zu feiern!

Wir wussten es ja schon ein paar Tage früher und haben uns wahnsinnig gefreut – denn wir als Verlagsteam von sechs Kolleg:innen fühlten uns gesehen. „Wir machen Bücher für eine freundliche solidarische Gesellschaft“, diesem Leitsatz folgen wir, denn er bestärkt uns bei unserem Einsatz für Bibliodiversität und eine bessere Zukunft.

Was wir damals jedoch bei aller Freude nicht ahnen konnten: Am 3. März wurde bekannt, dass drei Buchhandlungen – der Buchladen Rote Straße in Göttingen, der Buchladen zur Schwankenden Weltkugel in Berlin und der Golden Shop in Bremen – stillschweigend vom Kulturstaatsminister von der Liste der Empfänger des Buchhandlungspreises gestrichen worden sind und das aus äußerst schwammigen, im Grunde geschmäcklerischen Gründen und Dank einer traurigen politischen Agenda.

Wir wollen gar nicht darüber reden, wie ungeschickt der Kulturstaatsminister nach der Veröffentlichung agierte – wir wollen vielmehr davon reden, dass die ganze Buchbranche in den Tagen danach eine große Solidaritätsbewegung erfasst hat, hunderte von Buchhandlungen und Verlagen protestierten und standen den drei Buchhandlungen bei. Es war herrlich, dies mitanzusehen. Es war herrlich, dabei mitzumachen!

Diese Bewegung trägt, das können wir versichern, die Branche bis jetzt, trotz beunruhigender Umsatzwerte. Denn Solidarität bewegt – die, denen die Solidarität gilt genauso wie jene, die sie zeigen.

Dass die Feuilletons, die der Buchbranche und insbesondere den unabhängigen Buchhandlungen eher skeptisch gegenüberstehen, bis heute berichten – und leider weitere traurige Fälle von politischer Einflussnahme entdecken mussten, etwa bei der Buchhandlung im Schanzenviertel, Hamburg – führt für uns alle zu mehr Sichtbarkeit für unsere Arbeit und vor allem für unsere Bücher und deren Verfasser*innen. Und bringt sie zu den Leser:innen!

Die Welt der Bücher wird von vielen autoritären Kulturkämpfer*innen gefürchtet. Denn sie ist bedeutend!

Dass wir gerade in diesen Zeiten einen solchen Preis wie den Aegis Preis erhalten, ehrt uns besonders.

Wir waren, wenn zumeist auch aus der Ferne, immer wieder an dem Neustart der Aegis beteiligt. In Freundschaft – und als Fans. Wenn man sieht, was Ihr, liebe Franzi, lieber Rasmus, liebes gesamtes Aegis-Team, geleistet habt in den vergangenen Jahren, so gibt dies unserer ganzen Branche Hoffnung.

Der Verbrecher Verlag ist ja gerade mal 30 Jahre alt – bis zum 80. ist’s noch eine lange Weile hin. Doch wie es sich für Prinzessinnen, die wir sind, gehört, feiern wir auch den 30. Geburtstag schon seit fast einem Jahr. Dass die Feierlichkeiten zu unserem Jubiläum jetzt zu ihrem Abschluss mit diesem Preis gekrönt werden, ist uns eine besondere Freude und Ehre.

Daher danken wir Euch allen, liebe Franzi, lieber Rasmus, liebes Aegis-Team, lieber Stefan, liebe Kolleg*innen, lieber Michael Moravek für die Musik, liebe alle hier Versammelten – und wir freuen uns ganz besonders, dass wir für immer einen Stuhl in der Aegis und vielleicht sogar einen Platz in vielen Ulmer Köpfen und Herzen haben werden. Wir jedenfalls nehmen Aegis und Ulm in unseren Herzen mit nach Berlin!

Denn gerade in Ulm, gerade am Ufer der Donau, lernt man folgendes: Aus einem Fluss, der hier noch recht klein erscheint, wird dank solidarischer Zuflüsse und viel Bewegung schon bald etwas sehr, sehr Großes!

Ihr motiviert uns mit eurem Beispiel, mit Eurer gesellschaftlichen Bedeutung (nicht nur für Leseratten), weiter Literatur und Sachbücher für eine neugierige freundliche solidarische kunstliebende Gesellschaft zu verlegen!

Wir danken euch!

 

Beide Reden gehalten auf den Feierlichkeiten zum 80. Aegis-Geburtstag und bei der Verleihung des Aegis-Preises im Aegis Café am 4. Juli 2026.