Giwi Margwelaschwili ist gestorben


 

Der große deutsch-georgische Autor und Philosoph Giwi Margwelaschwili ist gestorben

 

Giwi Margwelaschwili wurde am 14.12.1927 als Sohn georgischer Emigranten in Berlin geboren.

Seine Mutter starb, als er vier Jahre alt war. Sein Vater lehrte Philosophie und Orientalistik. Anfang 1946 wurde er zusammen mit seinem Sohn vom sowjetischen Geheimdienst NKWD entführt. Der Vater wurde als „Verräter“ hingerichtet (was der Sohn erst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erfuhr, vorher ließ man ihn über das Schicksal des Vaters im Unklaren). Giwi Margwelaschwili selbst wurde in verschiedenen Lagern, zuletzt in Sachsenhausen interniert, 1947 verschleppte ihn der Geheimdienst nach Tiflis. Dort lehrte er Deutsch und Englisch. Erst Ende der 80er Jahre konnte er – abgesehen von einer Ausnahme im Jahr 1969 – erstmals wieder nach Deutschland reisen. 1990 siedelte er nach Berlin über, ihn begleitete eine Unzahl von in der Emigration auf Deutsch geschriebenen Romane und Erzählungen. Er war von 1970 bis 1980 mit der großen Autorin, Übersetzerin und Kulturpolitikerin Naira Gelaschwili verheiratet, beider Tochter Anna Margwelaschwili ist ebenfalls kulturpolitisch tätig.

Er wohnte bis 2011 in Berlin, seitdem wieder in Tiflis.

Giwi Margwelaschwili schuf seit den 60er Jahren zunächst abseits der Öffentlichkeit ein großes literarisches Werk – Lyrik, Theaterstücke, Essays und zahlreiche Romane und Erzählungen - und ein nicht minder spannendes philosophisches Werk, dass es für deutschsprachige Leserinnen und Leser noch zu entdecken gilt.

1994 erhielt er die deutsche Staatsbürgerschaft und ein Ehrenstipendium des Bundespräsidenten. 1995 erhielt er den „Brandenburgischen Literatur- Ehrenpreis“ für sein Gesamtwerk, 2006 die Goethe-Medaille, 2008 das Bundesverdienstkreuz. 2013 erhielt er für sein Gesamtwerk den Italo-Svevo-Preis. 2015 erhielt er anlässlich seines 88. Geburtstages den höchsten georgischen Orden „The Presidential Order of Excellence" sowie die Ehrendoktorwürde der georgischen Staatsuniversität Ilya.

Zuletzt war er sowohl deutscher als auch georgischer Staatsbürger.

Er war Mitglied des P.E.N.

Werke u.a.: „Die Sujetzeit und die Zeit der Existenz“, „Das Existenziale und das Kategoriale in der Ontologie Martin Heideggers“, „Muzal“, „Das böse Kapitel“, „Der ungeworfene Handschuh“, „Das Lese-Liebeseheglück“, „Zuschauerräume“, „Officer Pembry“, „Der Kantakt“, „Vom Tod eines alten Lesers“.

Seit 2007 erscheint eine Werkschau Giwi Margwelaschwilis im Verbrecher Verlag, zuletzt erschienen im Rahmen dieser Werkschau der Roman „Die Medea von Kolchis in Kolchos“ und der Gesprächsband „Bedeutungswelten“, beide im Jahr 2017.

Mit seinen Romanen rund um die Figur „Kapitän Wakusch“ setzte er Maßstäbe im autofiktionalen Schreiben.

Giwi Margwelaschwili ist am Morgen des 13. März 2020 gestorben.

Kristine Listau und Jörg Sundermeier, Verlegerin/Verleger des Verbrecher Verlags: „Mit Giwi Margwelaschwili verlieren wir Leserinnen und Leser einen großen Autor und Philosophen, der in seinem umfangreichen, teils noch unpublizierten Werk stets an der Seite der Menschen – und der von ihm so geliebten Buchpersonen – stand.

Giwi Margwelaschwili war ein großer Denker und ein großer Humanist, mit seinem Humor und seiner Zuversichtlichkeit wirkte er ansteckend auf alle Menschen, die er traf. Die Menschlichkeit hat heute einen ihrer engagiertesten Fürsprecher verloren.

Wir wünschen Giwi Margwelaschwilis Angehörigen in diesen Stunden viel Trost und Kraft und trauern um unseren Autor und Freund.“