16 Chansons der Nouvelle Scne Franaise als Waffe im Kampf um Frieden und Freiheit in der preuischen Provinz und 1 Link fr 1 Rezept fr die Feldkche.

TafelMuzak Nº013 Leonhard Lorek  

Brandenburg, flaches Land. Kleines Haus mit Gartengrundstück, mit Blick auf Schlosspark und See. So viel zu den Attraktionen.

Zwischen den Bäumen aber: Lauter träge Deppen. Die waren hier zuhause. Magnus konnte nicht verstehen, was Agnes bewogen hatte, sich hier anzusiedeln. Hier konnte sie sich die Zeit ja nicht einmal mit Sex vertreiben. Das war nicht ihr Niveau. Agnes war knapp über 50, dafür aber verdammt gut aussehend, und hart drauf. „Wenn ich einmal groß bin, heirate ich dich“, hatte er ihr oft ins Ohr geflüstert, als er klein gewesen war. Daran konnte er sich erinnern. Agnes war die Lieblingstante. Mit der konnte er angeben.

Sie referierte in Orléans irgendwas über Kunst und er kümmerte sich derweil um den Garten. Sie hatte ihn darum gebeten. Dass er es an einem solchen Ort nicht tagelang allein aushalten würde, war klar. Er konnte sich die Zeit ja nicht einmal mit Sex vertreiben. Und außerdem: Während der letzten Nacht hatte er zum ersten Mal in seinem Leben bedauert, dass er sich nicht zum Bund hatte mustern lassen. Weil: Auf diesem Flecken Erde herrschte Krieg. Krieg gegen ihn, gegen ihn ganz allein.

Also orderte er Verstärkung: Alle in seinem Alter, Abitur absolviert, Bildung und Grammatik satt.

Der Krieg kam laut daher. Frontverlauf Grundstück links: Ballermann-Mucke ohne Ende: „10 nackte Frisösen! 10 nackte Frisösen!“ Front rechts: Ein Dorftrottel im Maschinenformat nutzte die Abwesenheit seiner Erzeuger für eine Dauergrillparty mit Kumpanen. Es roch nach verbranntem Fleisch. Und zigtausend Mal nacheinander grölten Kameradschaftsrocker: „So sterben Freunde, Freunde“.

„Könnt ihr haben“, zuckte es durch Magnus, als er in Agnes Waffenkammer 16 Chansons der Nouvelle Scéne Française auf CD aufspürte. Statt Orchester satt, lauter kleine hübsche Lieder mit mehr oder weniger hilfloser Elektronik. Süß. Dieser Krieg war nur mit Distanzwaffen zu gewinnen.

Das Schlachtfeld war abgesteckt. Die Bataillone aufgestellt: Sebastian, DJ in Residence. Blass, mit einem sinnlichen Mund. Jetzt konnte Magnus sich auch wieder vorstellen die Zeit hier mit Sex zu vertreiben. Sebastian beschallte das Grundstück: Mathieu Boogaerts mit „Ondulé“ vs. „10 nackte Frisösen“ und Bertrand Burgalet mit „Gris métal“ für die sterbenden Freunde rechts. Dann: Einsatz Claire. „Gibs den Trotteln!“ Claire trug superscharfen Mini. Das kam besonders gut beim Pflücken von schwarzem Basilikum. Dazu Dominique A mit „Le courage des oiseaux“. Volltreffer! Die Vorstellung, sich die Zeit hier mit Sex zu vertreiben, gefiel ihm immer besser.

Er selbst befehligte die Feldküche:Total vegetarische Tomatensuppe aus preußischem Garten, gefertigt unter Einsatz destruktiver Gewalt. Zum Schluß nämlich musste er so lange mit dem Pürierstab im Topf rumfuchteln, bis die blassrote Creme anfing Blasen zu schlagen.

Davor aber stand noch Joeys Vorstoß ins Umland auf dem Plan. Joey gab genau die Figur ab, die dieser Ort im Stadtbild nicht ertragen würde. Denn: Joey zog seinen Rollkragenpullover nicht einmal im Hochsommer aus, außer: Wenn er beim Sex dazu genötigt wurde. Joey also an der Außenfront bei Spar: Diesen staubtrockenen Bordeaux für nicht einmal 2 € holen. Der kam gut zur Tomatensuppe. Voila! Ja, er war sich sicher: Sie würden siegen.

Ihm wurde auf einmal ganz warm ums Herz. Ach, so ließ es sich doch leben in der preußischen Provinz. Er begann diese Gegend urplötzlich lieb zu haben, ganz lieb. Also schritt er vom Herd zum Fenster und brüllte: „Gib mir Le Soeurs Winchester, Titel 14!“

Künstler: V.A.


Album: Le Pop - Die Chansons der Nouvelle Scène Française
Label: ()
Vertrieb: Melting Pot Music


Rezept


Zutaten



Zubereitung