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Stereotype as a Masquerade
Von Karin Felbermayr
mit Beiträgen von/with contributions by
Michael Meuser, Yanping Wu
96 Seiten
18,00 € (33,00 SFr) 
 
ISBN : 978-3-935843-78-2
 
Elemente gewinnen an Qualität nur durch ihre relationale Inanspruchnahme. Dem Sachverhalt, dass und wie ein systemischer Zusammenhang die Elemente, aus denen er besteht, selbst als Elemente qualifiziert, hat die Künstlerin Karin Felbermayr mit ihrer Präsentation "oberflächenaktive Elemente", im Raum 58 in München, überzeugend demonstriert. Mit dem selben Ansatz hat sie jetzt ein Künstlerbuch gestaltet. Wie der Titel verrät, hat sie sich dazu von Joan Rivieres berühmten Aufsatz "Womanliness as a Masquerade" aus dem Jahre 1929 anregen lassen. Mit der Erfordernis einer heutigen "postmedialen Situation"(Rosalind Krauss), orientiert sich die Künstlerin an einen erweiterten Textbegriff. Dieser verbindet medial verschiedene semantische Formen, die hier thematisch um die Maske zwischen Verbergen und performativen Ausfüllen kreisen. Wie die Künstlerin Stereotypen inszeniert und Signifikantenketten verflüssigt, etwa von der Haube mit Augenschlitz jugendlicher Protestbewegungen zu Spider-Man, vom Modelposing zum Homevideo-Still oder wie sie das Dispositiv Kunstausstellung zum "Gender Trouble" (Judith Butler) macht - das gibt nicht zuletzt auch einen Einblick in die lustvolle Praxis von künstlerischen Logiken.
(F.E.Rakuschan)

Elements only gain quality through their relational use. The fact that, and how, a systemic context consisting of elements qualifies these as elements, has been convincingly demonstrated by the artist Karin Felbermayr with her presentation of "oberflächenaktive elemente" (surface-active elements) in Raum 58. She has now designed an artist's book using the same approach. As the title reveals, she drew her inspiration from Joan Riviere's famous essay 'Womanliness as a Masquerade' published in 1929. Faced by the demands of a present-day 'postmedial situation' (Rosalind Krauss), the artist orientates herself towards a broader concept of text. Using media techniques she combines various semantic forms which thematically revolve around the mask between concealment and performative completion. The way the artist produces stereotypes and liquefies significant chains, ranging from the hood with eye slits of youthful protest to Spider Man, from the posing model to the home video still, or how she makes the transparency art exhibition on 'Gender Trouble' (Judith Butler) - this all helps to provide an insight into the pleasurably playful practice of artistic forms of logic.
(F.E.Rakuschan / Translation: Ann Robertson)

 
Pressestimmen :
Naturgemäß schwer tut sich ein Begleitbuch, das die künstlerischen Aktivitäten einer Video- und Performancekünstlerin abbilden möchte. Es ist doch ein großer Unterschied, ob man vor Ort eine Installation auf sich wirken lässt oder - a posteriori beziehungsweise in Unkenntnis der Ausstellung - sich in einem Buch darauf einzulassen versucht. Wie könnte das also "in echt" ausgesehen haben? Gerade aus diesem Grund ist "Stereotype as a masquerade" ein rundes, schönes Kunst-Buch geworden. Denn das Buch inszeniert eine Ausstellung, die wiederum auf Körper-Inszenierungen aufmerksam machen wollte. Das ganze als englische Broschur, auf blauem Hintergrund "Click" auf dem Vor- und "Clack" auf dem Nachsatz. Mit Stills aus dem Video, knappen Kommentaren und Zitaten, einigen Tuschezeichnungen und Performance-Bildern kann man sich mehr als einen ersten Eindruck verschaffen. Zwei exklusive Textbeiträge sorgen für Tiefenschärfe. Der Soziologe Michael Meuser schreibt über "Geschlechtskörper - Materialität und Konstruktion" und die chinesische Ärztin Yanping Wu über die "Sicht der chinesischen Medizin auf den Körper." Und auf der Seite 84 stößt man links neben der Biograpfie und dem Werksverzeichnis auf ein irritierendes Foto der Künstlerin: Karin Felbermayr, das Gesicht nach unten gewandt, konzentriert, zieht sich eine schwarze Jeans an, deutlich ist ein Batman-Slip zu erkennen, und unter der weißen Bluse erahnt man das dazugehörige Batman-Shirt. Eine perfekte, ambivalent-ironische Selbstinszenierung, die an Cindy Sherman erinnert.
Mario Alexander Weber / Literaturkritik.de