| E wie Eichkamp, Z wie Zehlendorf, P wie Pankow, R wie Rudow, S wie Schöneberg, X wie Xberg. René Hamann hat Berlin durchsucht und ist auf Normales gestoßen wie auf Obskures, auf Lächerliches wie auf Trauriges. Hamann beweist sich als genauer Beobachter. "Es sind hundertfach mehr erleuchtete Lampen als Menschen zu sehen. Eine Frau raucht an einer Bushaltestelle, eine andere kommandiert ihren Pudel, eine dritte schiebt eine Fenstertür im ersten Stock auf. Es gibt kaum hohe Mauern vor den Häusern, die Schäferhunde sind nach Friedrichshain gezogen, die Überwachungskameras sind beim FAB. Es ist still. Durch die Stille kommt Kirchengeläut. Ein knarrender Rollstuhl mit einem Greis. Ein Bus fährt nachdenklich Richtung Schönow. Dann wieder Autos." Die Glossen erschienen zuerst in der taz und erfreuten sich großer Beliebtheit. Nun ist das ganze Alphabet in einem Buch versammelt, ergänzt durch weitere Erzählungen aus und über Berlin. |
Wer meint, das Alphabet der Stadt befinde sich ganz einfach im Falck-Plan von Berlin, der liegt gar nicht so falsch und doch daneben. Denn René Hamann hat zwar tatsächlich Berlin nach der Buchstabensystematik durchforstet, doch dabei ist natürlich eine ganze Menge mehr herausgekommen als nur eine dröge Auflistung. Schließlich hat Hamann sich viel Zeit genommen, um das Verhalten von Hundebesitzern, leuchtenden Laternen und rauchenden Frauen an Bushaltestellen zu studieren.
Zitty
Der Inhalt beweist, dass man mit radikalem Schreibermut Berliner Orte, Teile, ganze Bezirke zugleich wieder- und neuerfinden kann. Eigentlich, denkt man, ist zu Berliner Bezirken alles von allen gesagt, die Sätze nach Subjekt, Prädikat, Objekt sortieren können. Aber Hamanns Buch ist so schön kühl, lakonisch, uneitel und – Danke! Danke! – frei vom regierungsamtlichen und berlintourismusmarketingmäßigen Hype, dass man diese spröde spannende Stadt wiedererkennt hinter allen Be-Berlin-Fassadendekorationen. Hamann mag Berlin, das ist zu spüren.
Werner van Bebber / Tagesspiegel
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